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Lifestyle | 08.01.2015

Let’s talk about sex

Dreier, Fesselspiele, Sex am Strand, oder an einem öffentlichen Ort beim Sex erwischt werden – welche Sexfantasien haben Frauen eigentlich? Mit unserer Expertin wagen wir einen Blick auf die erotischen Gedanken, die Frauen durch den Kopf gehen.

Sex ist in den Medien allgegenwärtig. Sex ist überall. Auch und vor allem in unseren Köpfen. Denn in der Fantasie ist es, wo Sex beginnt. Schon längst keine männliche Domäne mehr, ist erwiesen, dass Frauen nicht weniger häufig an Sex denken als Männer. Doch abgesehen von Kopfkino-Klassikern wie Sex mit einem Promi (Mal ehrlich: Wer hat nicht schon mal von einem heißen Techtelmechtel mit Johnny Depp, Jared Leto, Vin Diesel oder George Clooney fantasiert?), ist es noch immer ein großes Geheimnis, wovon wir fantasieren, warum wir es tun und was es über uns aussagt. Sexualtherapeutin Susa Haberfellner gibt einen Einblick in unsere erotischen Gedankenfilme.

 

Studien zufolge gibt sich der Großteil der Menschen erotischen Träumen hin. Woher kommt unsere Leidenschaft für sexuelle Fantasien?

Nancy Friday schreibt in ihrem Buch “Die sexuellen Fantasien der Frauen“: „Alle Fantasien, auch sexuelle, zeichnen sich durch Flexibilität und durch die Fähigkeit aus, jederzeit irgendeinen neuen Charakter, ein Bild oder eine Idee zu verkörpern. Oder sie enthalten, wie die Träume, mit denen sie eng verwandt sind, simultan widersprüchliche Ideen. Sie erweitern, erhöhen, verzerren oder übertreiben die Realität und führen uns weiter und schneller in die Richtung, wo das schamlose Unbewusste hin will. Fantasien beschenken das erstaunte Selbst mit etwas Unglaublichem: mit der Möglichkeit, das Unmögliche zu erleben.“ Das ist, als ob wir im Kino sitzen und einen Actionfilm anschauen, in dem der Held gewaltige, aufregende Abenteuer erlebt. Wir fühlen uns mittendrin, leben intensiv mit, sind aber froh, wenn wir völlig unbeschadet aus dem Kino kommen. Kopfkino kann Spaß machen, entspannen und die Lust beflügeln.

 

Wie sollte man mit sexuellen Fantasien umgehen? Bedeutet Fantasieren immer, dass das Fantasierte auch in der Realität erlebt werden will, dass es sich um Wünsche handelt? 

Man muss einen Unterschied machen zwischen sexuellen Fantasien und sexuellen Wünschen: Sexuelle Wünsche können nicht nur, sie sollen auch mitgeteilt werden. Wir werden nicht als perfekte Liebhaber und Liebhaberinnen geboren. Sexualität ist ein Lernprozess. Und lernen können wir nur, wenn wir wissen, was der oder die Geliebte von einem möchte und umgekehrt. Deshalb ist Reden bei diesem Thema wichtig. 

Etwas anderes ist das bei sexuellen Fantasien. Diese äußerst privaten Gedanken für sich zu behalten, ist durchaus kein Fehler! Nicht jede Fantasie, die für einen selber erregend ist, findet auch der Partner/die Partnerin gut. Die eigenen Fantasievorstellungen können den Partner/die Partnerin durchaus auch erschrecken. Auch dem tolerantesten Partner sollte man nicht alles erzählen. Denn Liebe braucht auch Geheimnisse.

 

Welche positiven Auswirkungen auf unser reales Sexualleben kann das erotische Kopfkino haben? 

Sexuelle Fantasien kennt jeder Mensch und dennoch fühlen wir uns so oft schuldig. Wir erschrecken vor der Macht an unbekannten Gefühlen, vor dem Durchbrechen von Tabus. Wir schämen uns für unsere Obszönität und wollen auf keinen Fall so sein. Wer möchte schon zugeben, dass er oder sie, obwohl in einer festen Beziehung lebend, davon träumt, den Kellner hinter der Bar zu vernaschen und die Freundin dabei zusieht? Oder lustvoll ausgepeitscht zu werden? Das passt nicht mit unseren gängigen Vorstellungen von Beziehung, Treue und Anständigkeit zusammen. 

Sexuelle Lust und Erotik entstehen im Kopf, denn das Gehirn ist das wichtigste Sexualorgan. Dort entscheidet sich, was uns erregt. Alles, was wahrgenommen wird, kann antörnen: nicht nur optische, akustische, olfaktorische oder taktile Reize, sondern eben auch unser Kopfkino. Darum kann es den Sex bereichern – und auch entspannen: Man kann in Gedanken den wildesten, absurdesten und schrägsten Sex haben und muss es nicht wirklich tun. 

Mia Russ