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Lifestyle | 31.05.2021

Kälberprämie stärkt Landwirtschaft

Um lange Transportwege ins Ausland zu vermeiden, muss heimisches Kalbfleisch künftig den Vorzug bekommen. Das soll mit der Einführung einer Vollmilchkalb-Prämie gelingen.

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© Hermann Wakolbinger

Kalbsbraten, Wiener Schnitzerl, Kalbsvögerl – wenn unsere Lieblingsspeisen auf den Tisch kommen, schauen die heimischen Bauern leider durch die Finger. Denn die Kalbfleischproduktion rentiert sich für sie schon lange nicht mehr. Jedes Jahr werden Tausende Tonnen an Kalbfleisch nach Österreich importiert. Gleichzeitig müssen, mangels Bedarfs im Inland, Kälber in andere EU-Länder exportiert werden. Was sich wie ein Schildbürgerstreich anhört, ist beinharte Realität. Verhindert werden kann das nur, indem die Kälbermast in Österreich massiv gestärkt wird. Um dieses Ziel künftig erreichen zu können, wurde am 21. Jänner 2021 die Resolution für eine nationale Unterstützung der Kälbermast einstimmig im Landwirtschaftsausschuss des Oberösterreichischen Landtages beschlossen. 

 

Einstimmiger Beschluss für Kälberprämie. „Der einstimmige Beschluss ist ein klares Bekenntnis zur regionalen Landwirtschaft. Unsere Familienbetriebe sollen die Menschen auch weiterhin mit besten Lebensmitteln versorgen, in Zukunft auch vermehrt mit heimischem Kalbfleisch“, erklärt Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger. Damit die Kälbermast erfolgreich nach Österreich zurückgeholt werden kann, braucht es neben einer finanziellen Stärkung des Sektors einheitliche AMA-Richtlinien und vor allem auch den entsprechenden Absatz. „Es kann nicht sein, dass ein Preisunterschied von 50 Cent pro Kalbsschnitzel dazu führt, dass Kalbfleisch mit langen Transportwegen und schlechteren Haltungsbedingungen importiert wird. Heimisches Kalbfleisch, das aufgrund der tiergerechten Fütterung etwas dunkler, aber mindestens so schmackhaft ist wie importiertes Fleisch, muss im Handel, in der Gastronomie und bei der Außer-Haus-Verpflegung klar den Vorzug bekommen“, so Max Hiegelsberger.

 

AMA-Gütesiegel „Qplus“ für Kälbermäster. Um Kälbertransporte ins Ausland zu reduzieren und hierzulande die Verkaufserlöse anzukurbeln, werden Vollmilch- und Kalb-rosé-Mastbetriebe im Rahmen des AMA-Gütesiegel-Programms „Qplus“ begleitet. „Qplus“ wurde bereits vor fünf Jahren mit dem Ziel gestartet, Rindfleisch von Topqualität mit einem hohen Anteil an wertvollen Teilstücken zu liefern. Nun können auch Kälbermäster in das bewährte Programm einsteigen. Zweimal im Jahr geben Leistungsberichte mit Kennzahlen zu Tageszunahmen, Schlachtgewicht, Handelsklasse etc. Anhaltspunkte für betriebliche Verbesserungen. Die Vollmilchkalb-Prämie sollen jene Betriebe erhalten, die ihre Kälber ausschließlich mit Milch füttern, im eigenen Betrieb mästen und anschließend in Österreich schlachten. Diese Prämie ist zum einen ein finanzieller Anreiz für die Landwirte, um eine rentable Produktion von Kalbfleisch in Österreich zu forcieren, zum anderen ist sie ein wichtiger Beitrag für den Tierschutz, weil dadurch lange Lebendtiertransporte nicht mehr notwendig sind.

 

Herkunftskennzeichnung als erster Schritt. Auch der vom Gesundheitsministerium vorgelegte Verordnungsentwurf zur Herkunftskennzeichnung ist für Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger ein erster Schritt in eine gesunde Zukunft der heimischen Landwirtschaft. Demnach soll ab 2021 die Herkunftskennzeichnung der Primärzutaten Milch, Fleisch und Eier in der Gemeinschaftsverpflegung und in verarbeiteten Lebensmitteln verpflichtend sein. „Den vorliegenden Verordnungsentwurf sehe ich als Startpunkt für eine weitergehende Kennzeichnungspflicht in der Gastronomie. Der EU-rechtlich mögliche Rahmen sollte bestmöglich ausgeschöpft werden, um für Transparenz zu sorgen. Es kann nicht sein, dass die Käfighaltung von Legehennen in Österreich bereits seit einem Jahrzehnt Vergangenheit ist und trotzdem ein großer Teil des Bedarfes in Form von Flüssigei genau aus solchen Haltungssystemen importiert wird. 

 

Menschen brauchen Wahlfreiheit. Die von mir seit Jahren geforderte Herkunftskennzeichnung ist zentral für eine positive Entwicklung unserer bäuerlichen Familienbetriebe. In den Küchen des Landes Oberösterreich etablieren wir mit „Wir essen regional“ bereits ein entsprechendes System. Die Menschen brauchen wirkliche Wahlfreiheit bei der Herkunft ihrer Lebensmittel, um sich bewusst für unsere kleinstrukturierten Familienbetriebe entscheiden zu können“, so der Agrar-Landesrat.