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Lifestyle | 22.03.2021

Iss dich klug!

Wie sich unsere Ernährung auf unser Gehirn auswirkt, warum Stress dick und Kuscheln schlank macht, hat uns Neurowissenschafterin und Buchautorin Manuela Macedonia im Interview erklärt.

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© Shutterstock

Unser Gehirn ist wertvoll.  Daher muss es gut ernährt werden. Denn davon hängt es schließlich ab, wie leistungsfähig und effizient es ist. Das fängt im Mutterleib an und gilt bis ins hohe Lebensalter. In ihrem neuen Buch „Iss dich klug! Und dein Gehirn freut sich“ zeigt Neurowissenschafterin Manuela Macedonia, wie sehr das Gehirn von der richtigen Ernährung profitiert, aber auch wie sehr die falsche es schädigt. Vom Essen und Trinken im Mutterleib und davor bis hin zum Essen als Medizin im Alter – Manuela Macedonia stellt die Zusammenhänge von gutem und richtigem Essen und einem klaren Kopf auf wissenschaftlich fundierte, amüsante und sehr persönliche Art und Weise vor. Das Buch ist ein Muss für alle, die ihr helles Oberstübchen hegen und pflegen wollen.

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Dr. Macedonia, wie schaut eine Ernährung aus, die gut für unser Gehirn ist?

Dr. Manuela Macedonia: Unser Gehirn mag eine frische hochwertige Nahrung. Denn die Gesundheit der Gehirnzellen wird durch Bestandteile aus der Nahrung unterstützt. Aromastoffe aus Gemüse und Obst sowie hochwertige Öle wie Oliven- und Leinöl halten die Zellwände flexibel, schützen sie vor freien Radikalen und vor Alterungsprozessen. Milchbakterien regen komplexe Interaktionen zwischen Darm und Gehirn an und steuern die Ausschüttung von Nervenwachstumsfaktoren. Letztere wirken sich wie ein Dünger auf die Neurone und ihre Verbindungen aus. Sie unterstützen auch Regenerationsprozesse im Gehirn, wie die Neurogenese, die Entstehung neuer Zellen in der Tiefe des Gehirns.

Gibt es eine Ernährung, die für unser Gehirn schädlich ist?

Ja, die gibt es. In der Wissenschaft spricht man von West-Diät: Darunter fallen zum Beispiel Burger und Pommes, ballaststoffarme Backwaren, Süßigkeiten und Zuckerlimonaden, Fertiggerichte wie Tiefkühlpizza, Suppencroutons und all das, was halbwegs schmeckt und schnell gehen soll. Stark industriell verarbeitete Lebensmittel enthalten nicht nur viel Zucker, sondern auch Transfette, die Entzündungen im Gehirn verursachen können. Dabei handelt es sich zwar um keine akuten Entzündungen, sie verändern aber täglich das Gehirngewebe und somit auch unsere Fähigkeit zu lernen, zu entscheiden, zu planen, uns an Wichtiges zu erinnern. Im Lauf der Jahrzehnte steigern diese täglichen Entzündungen das Risiko für psychische Erkrankungen, aber auch für Demenz.

Warum macht Stress dick und was kann man dagegen tun?

Stress im Alltag hat zwei Ursprünge: Zum einen gibt es viel zu tun, um den Alltag zu managen, zum anderen haben wir oft auch Konflikte, Ängste  und Sorgen, die uns das Leben schwer machen. In solchen Fällen gehen wir dann gerne instinktiv zum Kühlschrank und essen über den Hunger hinaus. Das nennt man auch „Frustessen“. Diese Reaktion ist gut nachvollziehbar, denn Essen belohnt uns und dadurch schieben wir den Stress kurzfristig zur Seite. Wenn wir Stress haben, dann schütten wir das Stresshormon Cortisol aus. Es beeinflusst unser Hungergefühl über einen komplexen Mechanismus. Eine Substanz, Neuropeptid Y, regelt das Sättigungsgefühl. Haben wir ausreichend gegessen, also spüren wir, dass der Magen bereits voll ist, wird Neuropeptid Y ausgeschüttet. Es dockt an gewisse Stellen des Gehirns an und der Hunger ist weg. Allerdings baut das Stresshormon Cortisol solche Andockstellen ab: der Hunger bleibt! Neuropeptid Y wird zu wenig aufgenommen und wir essen weiter. 

Kann man den Cortisolspiegel nicht irgendwie senken?

Das geht leider nicht so einfach (lacht). Die beste Lösung wäre es, den Stress an der Wurzel anzupacken und zu reduzieren, das heißt keine Konflikte, weniger Sorgen und Ängste im Alltag.Dennoch kann man kurzfristig in der Chemie des Körpers etwas bewirken: Cortisol hat nämlich einen Gegenspieler. Es ist das „Kuschelhormon“ Oxytocin. Wir schütten es durch Körperkontakt aus und es baut auf natürliche Weise Cortisol ab. Hat man Stress, ist es besser zu umarmen und zu liebkosen, als zum Kühlschrank zu gehen! Fasten wird auch immer mehr als Jungbrunnen gehypt.

Wie wirkt Fasten auf unser Gehirn?

Es gibt zahlreiche Theorien des Fastens mit unterschiedlichen Intervallen. Allerdings ist auch  die Wirkung unterschiedlich, sie hängt immer vom eigenen Stoffwechsel, vom Alter und vom Ausmaß der Bewegung ab. Bewegt man sich „viel“, dann reichen zum Beispiel sechs bis sieben Stunden Nahrungsverzicht. In dieser Zeit passiert in den Gehirnzellen einiges: zum Beispiel legen die Mitochondrien eine Pause ein. Man kann sich diese Organellen wie Verbrennungsmotoren vorstellen, die Nahrungsbestandteile zu Energie für die Zelle verwandeln. Kommt einige Stunden hintereinander keine Nahrung,  legen die Mitochondrien eine Arbeitspause ein. Während dieser Zeit wird die Zelle selbst, aber auch das Netzwerk, in dem sie sich befindet, „gewartet“. Alte Verbindungen, die nicht mehr genutzt werden, werden beseitigt, Verschleißteile werden repariert oder ersetzt. Durch das Fasten „warten“ wir unser Gehirn und machen es leistungsfähiger, unabhängig von der Art des Fastens. 

Am Foto beißen Sie genussvoll in Schokolade. Wie ist das zu verstehen?

Ich brauche ein Stückchen Schokolade am Nachmittag, um meine Müdigkeit zu überwinden. Aber auch Studien belegen, dass Schokolade nach Denkarbeit guttut. Mehr dazu im Buch.

 

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Buchtipp: „Iss dich klug! Und dein Gehirn freut sich“ Dr. Manuela Macedonia ISBN-13 9783711002723 208 Seiten, € 24 www.ecowin.at, www.macedonia.at