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Lifestyle | 28.12.2022

"Ich habe es getan!"

Bei 7 °C Wassertemperatur und 8 °C Außentemperatur hat Mentaltrainer und „Wim Hof“-Instruktor Christian Schütz unsere Redakteurin an einem kalten Novembertag in die eisige Donau begleitet. Wie sie das geschafft hat? Durch das richtige Mindset und Atmen …

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© Shutterstock

Spätestens seit Beginn der Pandemie und den Lockdowns ist Eisbaden total im Trend. In Oberösterreich gibt es nun sogar einen eigenen Eisbadeverein. Doch warum gehen immer mehr Menschen bei eisigen Temperaturen ins kalte Wasser? „Das Baden in kaltem Wasser ist gesund für Körper, Geist und Seele“, verrät uns Mentaltrainer Christian Schütz. Ich habe den Selbstversuch gewagt und einen Workshop bei dem Eisbade-Experten besucht. Mein Fazit? Unglaublich, was durch das richtige Mindset und bestimmte Atemtechniken möglich ist. Mit der Hilfe von Christian Schütz habe ich es tatsächlich geschafft, fast drei Minuten in der sieben Grad Celsius kalten Donau zu bleiben – und das Gefühl danach war unbeschreiblich.

 

Oberösterreicherin: Christian, was versteht man unter Eisbaden?
Christian Schütz: Eisbaden bezeichnet den Gang ins kalte Wasser bei einer Wassertemperatur von 0 bis 4 °C. Aber es wird auch gerne ausgeweitet: Bei einer Temperatur von 5 bis 15 °C kann man noch immer von Kaltwasserbaden sprechen, weil da im Körper ähnliche Prozesse ablaufen. Schon seit Sebastian Kneipp, der Mitte des 19. Jahrhunderts das Spielen mit kaltem und warmem Wasser als Therapiemethode entwickelte, wissen wir, wie gut das dem Körper tut. 

 

Wo kann man eisbaden? 
Kaltes Wasser kann man überall finden. Das fängt bei der kalten Dusche zu Hause an und hört bei der Gefriertruhe-
Badewanne am Balkon, so wie ich es habe, auf (lacht). Jetzt im Winter kann man auch gut in Seen oder Flüssen eisbaden. Wichtig ist, dass die Sicherheit an erster Stelle steht. 

 

Was passiert beim Eisbaden im Körper?
Beim Eisbaden wird das Herz-Kreislauf-System trainiert. Mit dem Gang in das kalte Wasser zieht sich das Herz-Kreislauf-System zusammen. Das ist eine Schutzmaßnahme des Körpers, um das warme Blut in den Oberkörper und den Kopf zu bekommen. Wenn man dann wieder aus dem Wasser rauskommt, öffnet sich das wieder. Die Durchblutung funktioniert da quasi wie ein Muskel, der trainiert wird. Ein Muskel, der nicht trainiert wird, erschlafft. Ein Herz-Kreislauf-System, das nicht trainiert wird, wird müde. Wir haben tendenziell immer zu viel an, damit uns ja nicht kalt wird. In den Wohnungen hat es im Winter 25 °C, damit wir ja nicht frieren. Das führt dazu, dass unser Körper das Umschalten auf die Kälte gar nicht mehr kann und unser Herz-Kreislauf-System wird nicht trainiert. Mittlerweile ist es nachgewiesen, dass das Eisbaden Entzündungen im Körper reduziert. Durch die bessere Durchblutung  werden rote und weiße Blutkörperchen,  die den Sauerstoff zur Zelle bringen, besser transportiert. Ein weiterer positiver Effekt auf den Körper ist, dass beim Eisbaden ganz viele Glückshormone ausgestoßen werden. 

 

Was passiert beim Eisbaden im Gehirn?
Den ganzen Tag sind wir in unserem Kopf in Gedanken. Wenn man in kaltes Wasser geht, richtet sich der mentale Fokus auf die Atmung und man wird dadurch ruhiger und bekommt klarere Gedanken. In dem kurzen Zeitraum im kalten Wasser kann man an nichts anderes denken als an sich selbst und seine Atmung. Was genau im Gehirn passiert, ist noch nicht ausreichend erforscht. Was man weiß, ist, dass man am Anfang einen Fluchtreflex hat. Das kennt jeder, der schon mal in kaltem Wasser war, dass man automatisch eine hechelnde Atmung bekommt. Der Körper schaltet in den sympathischen Modus und atmet schnell, um viel Energie zu generieren, so schnell wie möglich wieder aus dem kalten Wasser rauszukommen. Wenn man sich aber auf die Atmung konzentriert und lange ausatmet, schaltet der Körper auf den parasympathischen Modus, in den Ruhemodus. Plötzlich merkt der Körper „Oh, ich bin ja gar nicht in Gefahr“ und der Oberkörper wird von ganz alleine warm.

 

Du arbeitest mit der „Wim Hof“-Methode. Was ist das?
Der niederländische Extremsportler Wim Hof hat eine Methode entwickelt, die aus Atmung, Mindset und Kältetraining besteht. Wim Hof selbst hat 26 Weltrekorde mit Kälte und Wärme aufgestellt. Einer davon war zum Beispiel, mit kurzer Hose in der Todeszone am Mount Everest zu gehen. Damit wurde er als Extremsportler bekannt. Aktuell gibt es in Österreich um die 20 „Wim Hof“-Instruktoren, ich bin einer davon. Mit der Methode kann man sich optimal auf das Eisbaden vorbereiten. Wenn man vorher Atemübungen macht, sich über seine mentalen Stärken Gedanken macht, über seine Intention, warum man jetzt ins kalte Wasser geht usw., ist man bereit, auf sich und seinen Körper zu vertrauen und ins Eisbad zu steigen. 

 

 

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© privat

Wie sieht dein Angebot aus? 
Ich biete Grundlagenworkshops für Gruppen zwischen 15 und 20 Personen an verschiedenen Standorten an. Bunt gemischte Gruppen, die sich über die „Wim Hof“-Plattform anmelden, aber auch Firmenworkshops, die Eisbaden als Team-Building-Event buchen. Für Unternehmen bietet sich Eisbaden sehr gut an, weil es einerseits die MitarbeiterInnen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung voranbringt und andererseits für die Gruppe ein einzigartiges gemeinsames Erlebnis ist. 

 

Wo kann man mit dir eisbaden? 
Im Sommer bin ich mit mobilen Badewannen und Eiswürfeln, in denen  wir so um die 3 bis 5 °C erreichen, in ganz Österreich unterwegs. Im Winter kommt es darauf an, die Seen und Flüsse werden schon gut kalt, aber manchmal helfen wir noch mit Eiswürfeln nach. In Linz und Umgebung gehen wir zum Beispiel in den Pleschingersee, Weikerlsee, Ausee oder in die Donau. 

 

Seit heuer gibt es auch einen oberösterreichischen Eisbadeverein. Worum geht es da? 
Die Intention des Vereins ist es, auf einfache Art und Weise den Menschen das Eisbaden näherzubringen. Jeder der möchte, kann dabei sein und das Eisbaden ausprobieren. Entstanden ist die Idee zum Verein aus einer WhatsApp-Gruppe, in der schlussendlich 190 TeilnehmerInnen waren. Ich war von Anfang an begeistert von der Idee und unterstütze den Verein daher als fachlicher Beirat. Ich plane in Zukunft auch gemeinsame Events, wie zum Beispiel das Full-Moon-Eisbaden. Das ist auch für mich die geheime vierte Säule beim Eisbaden: die Gemeinschaft. Da entsteht eine ganz besondere Verbindung, wenn man gemeinsam ins kalte Wasser geht. 

 

Beim Eisbaden überwindet man seine Ängste und ist so bei sich wie sonst kaum. Bringt einem dieses Erlebnis auch etwas für den Alltag? 
Natürlich. Stichwort Resilienz: Widerstandskraft in schwierigen Lebenssituationen. Gerade jetzt, in Zeiten von Pandemie, Krieg, Inflation, Klimawandel … wir haben alle unsere Ängste, kleine und große persönliche Probleme kommen oft auch noch dazu. Beim Eisbaden lernt man, dass man alles lösen kann, wenn man auf sich hört, was man in dem Moment braucht und auf sich vertraut.

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Sichtlich happy. Redakteurin Linnéa und Eisbade-Experte Christian Schütz nach dem Eisbaden. © privat

Termine & Kontakt

8.12.22 WHM
Workshop-Grundlagen, Ulrichsberg

17.12.22 WHM
Workshop-Grundlagen, Seeham

18.12.22 WHM
Workshop-Fortgeschrittene, Seeham

28.01.23 WHM
Workshop-Grundlagen, Linz

www.mindfullr.at/coach/christianschuetzmental

www.wimhofmethod.com/instructors/christianschuetz 

Instagram: christian.mindfullr