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Lifestyle | 09.11.2021

Hygge ist ein Gefühl

Der erste Hygge-Wohnbau in Wels bringt nordisches Lebensgefühl nach Oberösterreich. Im Rahmen des „Tages des offenen Glücks“ haben wir mit Glücksforscherin Catarina Lachmund vom Happiness Research Institute Kopenhagen gesprochen, wie man dem Glück im Zuhause auf die Sprünge hilft.

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© Maringer, Hygge-Wohnen in Wels: Vor allem das Mobilitätskonzept und die offene Bauweise sind bei diesem Wohnbau einzigartig in Österreich.

Hygge steht für Wohlbefinden, Gelassenheit und ein skandinavisches Lebensgefühl. Hygge Wohnen ist in nordischen Ländern wie Dänemark völlig normal, in Wels ist es ein neuartiges Konzept. Am Weidenweg im Welser Stadtteil Lichtenegg wurden nun 26 moderne Eigentumswohnungen in Holzbauweise mit einem naturnahen Außenbereich inklusive Kommunikationsflächen errichtet und bezogen. „Vor allem das Mobilitätskonzept und die offene Bauweise ist bei Hygge in Wels einzigartig in Österreich“, zeigen sich die beiden Geschäftsführer des Immobilienentwicklers Trio Development mit Sitz in Thalheim bei Wels, Knut Drugowitsch und Wolfgang Mairhofer, stolz. Der Wohnbau orientiert sich an neuen Maßstäben. Nach dänischem Vorbild ist das Augenmerk auf Bauen mit Holz, der beliebten „Bofællesskab“ – eine Form Wohngemeinschaft für mehrere Generationen und sozialen Treffpunkten – sowie umweltfreundlicher Mobilität gerichtet. Zwei E-Bikes, ein E-Lastenrad und eine Radwerkstatt stehen allen Bewohnern kostenlos zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung. Die offene Architektur erlaubt eine Radbenutzung bis zur eigenen Haustür. Ein E-Auto lädt zum Carsharing ein. Ein wichtiges Ziel war es, dass mit den Bewohnern auch ein hyggeliges Lebensgefühl in die neuen Wohnungen einzieht.

Wo war Dänemark, als Sonnenschein verteilt wurde?

Um die Hygge-Philosophie den Menschen in Oberösterreich nahezubringen, hat Trio Development die Glücksforscherin Catarina Lachmund nach Wels eingeladen. Der Name war Programm. DIE OBERÖSTERREICHERIN sprach – und lachte – mit der sympathischen Referentin an einem lauschigen Plätzchen im Garten über Hygge-Wohnen und warum ein Land wie Dänemark, das nicht in der ersten Reihe stand, als Sonnenschein verteilt wurde, so glückliche Menschen hervorbringen kann.

Frau Lachmund, wie lässt sich die Hygge-Philosophie am besten beschreiben?

Philosophie trifft es schon sehr gut. Hygge kann man gar nicht so gut beschreiben, sondern man muss es erleben und fühlen. Es geht darum, Raum zu schaffen, das Hier und Jetzt zu genießen. Es geht um die Liebe für den Moment, in Gesellschaft mit Menschen, die man liebt. Es gibt aber auch kein Richtig oder Falsch. Hygge ist sehr subjektiv. Für mich ist Hygge zum Beispiel die Eckbank meiner Eltern, die symbolisiert für mich Geborgenheit, Liebe, Kindheit.

Hygge ist also sehr individuell. Es gab auch eine Studie, was die Däninnen und Dänen mit Hygge verbinden?

Genau, für über 80 Prozent sind es warme Getränke und Kerzen. Weiters wurden Gesellschaftsspiele, Weihnachten, Sonntage, Plundergebäck, Pflanzen und stürmisches Wetter genannt.

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Erfolgsfaktor beim Hygge-Wohnen?

Persönlichkeit und stolz darauf zu sein. Es kommt gar nicht auf die Größe an. Egal ob Wohnung, Haus, Gartenhaus, Sommerhaus, Laube oder ein einzelner Raum – manche können auf 20 Quadratmeter mehr umsetzen als andere auf 70 Quadratmeter. Es geht vielmehr darum, wie man die Fläche nutzt und gestaltet. Mein Tipp: Do-it-yourself. Denn was ich selber mache, macht mich stolz. Interessant ist auch, dass 73 Prozent der Menschen, die mit ihrem Zuhause zufrieden sind, generell zufrieden sind. Das haben wir bei einer Studie 2019 (Anm. d. Red.: „The good home report“) herausgefunden.

Auffallend viele nordische Länder wie Finnland, Dänemark und Island rangieren regelmäßig unter den Top 10 der glücklichsten Länder. Warum ist das so?

Einer der wichtigsten Punkte ist das Vertrauen ineinander. Egal ob Nachbarn, Familie, Freunden, Passanten auf der Straße, selbst Politikern wird einfach vertraut. Es ist zum Beispiel völlig normal in Dänemark, dass man die Türen nicht versperrt. Darüber hinaus sind alle nordischen Länder Sozialstaaten. Wer quasi fällt, fällt nicht tief. Ein weiterer nordischer Glücksfaktor ist das Ehrenamt. Wer anderen hilft, macht andere Menschen und sich selbst glücklich. Auch das ist wissenschaftlich erwiesen.

Gibt es so etwas wie eine generelle Glücksformel, die für jedes Land gilt?

Freundlichkeit, aufmerksam sein, lächeln und versuchen, den Tag des Gegenübers so positiv wie möglich zu beeinflussen. Und sei es nur mit einem freundlichen Hallo. Was politische Entscheidungen betrifft, gehen immer mehr Länder dazu über, neben dem Bruttoinlandsprodukt auch Kennziffern des Wohlbefindens der Bevölkerung miteinzubeziehen. Vorreiter sind hier Neuseeland und Wales.

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© Maringer, E-Carsharing und E-(Lasten-)Bikes nach dänischem Vorbild: Die Trio-Development-Geschäftsführer Knut Drugowitsch und Wolfgang Mairhofer freuen sich gemeinsam mit Glücksforscherin Catarina Lachmund über das gelungene Projekt.

„Für mich ist Hygge die Eckbank meiner Eltern.“

 

„Ideen zum glücklich wohnen“ von Catarina Lachmund

Diese Ideen sind für jeden einfach umsetzbar, unabhängig von Platz
und Budget.

• Persönlichkeit in die Wohnung bringen. Wichtig sind Individualität und subjektives Gefallen.

• Heimwerken und Do-it-yourself machen stolz. Je stolzer man auf die Wohnung ist, desto glücklicher ist man!

• Gärtnern und Dekorieren.

Beides hat positiven Einfluss auf die Zufriedenheit und die Selbstidentifikation mit Haus oder Wohnung.

• Die Farbe „Grün“ wirkt positiv auf die Laune. Das spricht für Pflanzen in Innenräumen. Selbst wenn man Garten oder Balkon hat, soll die Grünfläche nicht vor der Haustür aufhören.

 

ZUR PERSON

Catarina Lachmund, halb Deutsche und halb Spanierin, lebt in Schweden und arbeitet in Dänemark. Sie ist beim Happiness Research Institute Kopenhagen als Forscherin und Projektleiterin dem Glück auf der Spur. Das Institut wurde 2013 von Miek Wiking gegründet und ist eine unabhängige Denkfabrik, die Forschungsprojekte für Institutionen wie den Nordischen Ministerrat betreibt.

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© Maringer, Catarina Lachmund, Happiness Research Institute Kopenhagen