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Lifestyle | 11.04.2016

Gut durch den Wechsel

Hat jede Frau Wechselbeschwerden? Müssen diese behandelt werden? Und was kann man vorbeugend machen? Wir haben die wichtigsten Fragen zum Thema Wechsel recherchiert!

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Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen: Das sind nur einige der Beschwerden, die Frauen in den Wechseljahren plagen können. Die gute Nachricht aber ist, dass es alle Frauen betrifft – die einen mehr, die anderen weniger. Dennoch kursieren viele Gerüchte rund um das Klimakterium, wie der Wechsel im Fachjargon heißt. Wir haben deshalb die wichtigsten Fragen recherchiert und räumen gleichzeitig mit Mythen und Irrglauben auf.

 

1. Was sind typische Wechseljahrbeschwerden?

Typische Beschwerden in den Wechseljahren sind Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Verstimmungen, Haarausfall sowie Gewichtszunahme. „Außerdem wird in dieser Zeit die Scheide trockener, was wiederum zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen kann“, weiß Primar Lukas Hefler, Leiter der Gynäkologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. „Leider wird das nur selten angesprochen, weil es für viele Frauen immer noch ein Tabuthema ist. Darum halte ich es für umso wichtiger, dass Gynäkologen dieses Thema ansprechen. Die Behandlung von Scheidentrockenheit ist ja sehr einfach.“

 

2. Wie lange können die Beschwerden dauern?

Das ist von Frau zu Frau verschieden. Eine in den USA im April des Vorjahres publizierte Studie kommt auf durchschnittlich 7,4 Jahre. Das ist deutlich länger, als Experten bisher angenommen haben. Es gibt auch Frauen, die mehr als zehn Jahre an Wechseljahrbeschwerden leiden. „Das ist aber die Ausnahme“, betont Hefler. Das durchschnittliche Alter der Österreicherinnen, wenn die Meno-Pause (Anm. d. Red.: Diese beginnt ein Jahr nach der letzten Regelblutung) einsetzt, liegt übrigens zwischen 51 und 52 Jahren. 

 

3. Ist jede Frau von Wechseljahrbeschwerden betroffen?

Grundsätzlich ja! Die einen mehr, die anderen weniger. Das Ausmaß der Beschwerden hängt auch stark vom subjektiven Empfinden ab. Für jede Frau können sich Hitzewallungen & Co. anders anfühlen. Tatsächlich gibt es laut Experten nur sehr wenige Frauen, die gar keine Wechselbeschwerden haben.

 

4. Ist es normal, wenn nach der letzten Regelblutung wieder Blutungen auftreten?

Nein! Wer ein Jahr lang blutungsfrei war, sollte es ärztlich abklären lassen, wenn danach erneut Blutungen auftreten. Allerdings können die Monatsblutungen nach dem 45. Lebensjahr unregelmäßig werden, weil Frauen ab diesem Alter nicht mehr jeden Monat einen Eisprung haben. 

 

5. Wie lange ist Verhütung ein Thema?

Durch die hormonelle Umstellung während der Wechseljahre kommt es zu Schwankungen im weiblichen Zyklus. Der Eisprung wird unregelmäßig, was zur Folge hat, dass eine Schwangerschaft bei Frauen über 45 Jahren zunehmend unwahrscheinlich wird. Möglich ist es trotzdem! Ein Zeichen für das Ende der Fruchtbarkeit ist, wenn eine Frau ein Jahr lang keine Regelblutung mehr hatte. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann beim Arzt den Hormonstatus und damit die Fruchtbarkeit überprüfen lassen. 

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6. Kann man Wechselbeschwerden vorbeugen?

Tatsächlich gibt es Risikofaktoren, die Wechselbeschwerden länger und heftiger ausfallen lassen können. Erhöhte Stressbelastung etwa oder depressive Verstimmungen schon vor den Wechseljahren. Wer raucht, regelmäßig Alkohol trinkt, sich wenig bewegt und übergewichtig ist, hat ebenfalls ein erhöhtes Risiko für stärkere Beschwerden. „Ein gesunder Lifestyle ist das, was jede Frau selbst vorbeugend dazu beitragen kann“, betont Primar Hefler. „Grundsätzlich haben wir allerdings festgestellt, dass die Beschwerden stärker sind und länger dauern, je früher eine Frau in den Wechsel kommt. Unter den stärksten Beschwerden leiden übrigens jene Frauen, denen schon in jungen Jahren die Eierstöcke – etwa aufgrund von Tumoren – entfernt werden mussten.“

 

7. Zu einem gesunden Lebensstil gehört auch regelmäßige Bewegung. Warum ist Laufen hier eine gute Möglichkeit?

Weil Laufen und Gehen seit unserer Kindheit die natürlichsten Bewegungsformen sind. Neben der Gewichtskontrolle hebt es auch den Serotonin-Spiegel im Körper, was sich wiederum positiv auf die Stimmung auswirkt. „Mit der richtigen Technik ist Laufen sogar leicht und gelenkschonend“, betont Gerlinde Stöbich von der Linzer Laufschule (www.laufschule.at). Besonders für Einsteiger ist es entscheidend, von Anfang an richtig zu laufen. Bei einem Lauftechnik-Training kann man das lernen. Ebenfalls wichtig: Nur wer regelmäßig mindestens zwei bis drei Mal pro Woche läuft und seine Umfänge langsam steigert, wird langfristig dabei bleiben. „Für Anfängerinnen gilt zu Beginn unbedingt, lieber langsam und gleichmäßig, aber dafür länger zu laufen. Und man sollte immer dann aufhören, wenn‘s am schönsten ist“, rät Stöbich. „Dieses positive Gefühl bleibt im Kopf gespeichert und wird beim nächsten Mal wieder abgerufen. Das motiviert zusätzlich!“

 

8. Muss man Wechselbeschwerden mit Medikamenten behandeln?

Nein, denn Wechselbeschwerden sind sehr individuell und können so behandelt werden, wie eine Frau das möchte. „Frauen, die stark darunter leiden und deren Lebensqualität deutlich eingeschränkt wird, können unter Beachtung der Risikofaktoren eine Hormonersatz-Therapie in Betracht ziehen“, erklärt der Mediziner. „Diese setzt sich aus ein bis zwei Hormonen zusammen, die entweder in Tablettenform eingenommen oder in Form eines Gels auf die Haut aufgetragen werden. Wichtig ist, dass in niedrigster Dosis und kürzester Dauer therapiert wird. Nach ein bis zwei Jahren sollte man schauen, wie sich die Beschwerden entwickelt haben und ob die Therapie überhaupt noch notwendig ist.“ 

 

9. Sind Bedenken bei einer Behandlung mit Hormonen gerechtfertigt?

Negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat eine Hormonersatz-Therapie laut Experten erst, wenn sie länger als fünf Jahre angewendet wird. Ihren schlechten Ruf hat die Hormonersatz-Therapie, seitdem in einer großen wissenschaftlichen Studie das damit verbundene erhöhte Brustkrebs-Risiko festgestellt wurde. „Erst wurden Frauen Hormone praktisch wie ein Lifestyle-Medikament verabreicht“, erzählt Primar Hefler, „bis diese Studie das Pendel völlig umschlagen ließ. Erst jetzt gibt es langsam den richtigen Umgang mit dieser Form der Therapie.“

 

10. Welche alternativen Behandlungsmöglichkeiten von Wechselbeschwerden gibt es?

So genannte Isoflavone, die zum Beispiel in Soja oder Rotklee enthalten sind, können den Verlust der weiblichen Sexualhormone ausgleichen, ohne selbst Hormone zu sein. Auf diese Weise können sie Wechselbeschwerden, wie Hitzewallungen oder Stimmungsschwankungen, lindern. Auch die Inhaltsstoffe der Traubensilberkerze sind als hilfreich bekannt. Sie wirken allgemein wohltuend auf das zentrale Nervensystem. Bei Schlafstörungen können Baldrian, Hopfen, Lavendel, Melisse und Passionsblume das Einschlafen erleichtern und die Schlaftiefe verbessern. Johanniskraut hingegen hebt die Laune. 

 

11. Immer wieder ist von bioidenten Hormonen die Rede. Was ist das?

Bioidente Hormone (auch naturident genannt) sind pharmazeutische Wirkstoffe, die – strukturell und funktionell – ident sind mit jenen, die der menschliche Körper selbst produziert. Werden dem Körper also natur­idente Hormone zugeführt, kann er sie nicht von denen unterscheiden, die er selbst erzeugt. Damit entsprechen sie zu 100 Prozent den körpereigenen Hormonen und werden ebenso verstoffwechselt. „Um die bestmögliche Therapie zu finden, ist es wichtig, die genauen Hormonwerte zu bestimmen“, erklärt der österreichische Hormonexperte Johannes Huber. 

 

12. Muss man sich vor den Wechseljahren samt Beschwerden fürchten?

Nein, keine Frau muss Angst davor haben. Es gibt grundsätzlich Behandlungsmöglichkeiten und jede Frau kann selbst entscheiden, was sie möchte und was nicht. Wenn eine Frau keine Therapie möchte, ist das aus ärztlicher Sicht auch nicht notwendig.