Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 12.09.2022

Für Artenschutz: Gorilla Kisumu zieht von Wels nach Prag

Nach 17 Jahren Zoo Schmiding gab es für das Gorillamännchen Kisumu einen Tapetenwechsel nach Prag. Dort heißt es Harems-chef werden und Kinder kriegen, um die Affenart vor dem Aussterben zu schützen.

Bild _DSC4084a_kl2.jpg
Schweren Herzens verabschiedete sich der Zoo und Aquazoo Schmiding vom Gorillamännchen Kisumu. © Zoo Schmiding/Peter Sterns

Dem ausgewachsenen Affen stand aufgrund der Empfehlung des europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP ein erneuter Umzug in den Prager Zoo bevor. Der Gorilla kam mit sechseinhalb Jahren vom Zoo München in den Tierpark Schmiding und nach 17 Jahren hieß es nun Abschied nehmen. Kisumu muss sich jetzt als Oberhaupt einer fünfköpfigen Affentruppe in Prag beweisen und sollte am besten noch für reichlich Nachwuchs sorgen. Eine internationale Zusammenarbeit ist notwendig, um die bedrohte Tierart vor dem Aussterben zu schützen. 

 

Ein Kommen und Gehen
Im Jahr 2004 übersiedelte erstmals eine Gruppe junger männlicher Flachlandgorillas im Rahmen eines internationalen Projektes zum Schutz dieser bedrohten Tierart in den Zoo Schmiding in Oberösterreich. Die jungen Gorillamänner wuchsen im Tierpark in Krenglbach bei Wels gemeinsam zu kräftigen Leitgorillas heran, bis sie die nötige Reife für die Führung eines Harems haben. Bukavo, Wazungo und Mawingo übersiedelten in den letzten Jahren bereits in andere europäische Zoos und konnten auch schon erfolgreich für Nachwuchs sorgen. „Es ist ein schönes Beispiel für internationale Zusammenarbeit im Artenschutz“, so DDr. Andreas Artmann, Direktor des Zoo Schmiding. „Wir sind stolz darauf, Teil der Bemühungen zum Erhalt dieser faszinierenden Tiere zu sein.“

 

Tierpflegerin fährt mit
Schon vor Monaten wurde begonnen, den Transport von Kisumu zu planen. In den letzten Wochen konnte sich Kisumu an seine Transportkiste langsam gewöhnen. Täglich wurde das Betreten und kurze verweilen in der Transportkiste trainiert und mit leckerem Futter belohnt. Die Übersiedlung sollte für Kisumu so angenehm wie möglich sein. Deshalb wurde er auch von einer seiner Tierpflegerinnen begleitet, die noch so lange bei ihm bleiben wird, bis er sich an seine neue Umgebung gänzlich gewöhnt hat. "Mit seiner ruhigen und besonnen Art war Kisumu ein wertvolles Mitglied der Gorillagruppe und der Abschied fiel uns allen schwer. Er ist uns sehr ans Herz gewachsen“, erzählt Tierpflegerin Can Hasibe. „Aber wir sind auch stolz, dass sich Kisumu so prächtig entwickelt hat, ein selbstbewusster Silberrücken wurde und nun Chef eines Harems werden kann.“

Bild 504b63ad-7fd0-4616-b88e-575703932f11.JPG
Langsam und rücksichtsvoll wurde Gorilla Kisumu auf den Umzug vorbereitet. © Zoo Schmiding/Peter Sterns

3 Gorilladamen für Awembe
Aber auch für den im Zoo Schmiding verbleibenden Silberrücken Awembe werden die nächsten Wochen sehr spannend: Er bekommt Gesellschaft von drei Gorilladamen, die im Rahmen des internationalen Artenschutzprogramms von mehreren europäischen Zoos nach Schmiding übersiedeln. Damit steht auch Awembe vor der Herausforderung, sich als Harems-chef zu beweisen.

Die Vorbereitungen sind dazu bereits voll im Gange. „Vertreter des Schmidinger Zoo Teams sind bereits zu Gast in den Herkunftzoos um die Gorilladamen individuell kennen zu lernen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Damit fällt dann die Übersiedlung wesentlich leichter“, berichtet Zoodirektor DDr. Andreas Artmann.

Die internationale Zusammenarbeit der Zoos und der länderübergreifende Tiertausch ist für die Erhaltung bedrohter Tierarten überlebenswichtig. So kann eine genetische Durchmischung erreicht und Inzucht vermieden werden. Schließlich geht es darum, dass mit nur einigen hundert Tieren in den Zoos eine ganze Art vom Aussterben bewahrt werden muss.