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Lifestyle | 07.04.2020

Führen in der Krise

Aufgrund der Corona-Krise befinden wir uns momentan in einem Ausnahmezustand. Was von Führungskräften in Krisenzeiten gefordert wird, weiß Coach und Mediatorin Doris Jandl-Albrecht.

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"In der derzeitigen Situation sollen Führungskräfte Ruhe und Ausgleich herstellen, gleichzeitig aber auch eine Form von Optimismus und Stabilität zeigen", so Coach und Mediatorin Doris Jandl Albrecht © Privat

Frau Jandl-Albrecht, wie sieht Ihr Alltag als Coach im Moment aus?
Wahrscheinlich so, wie bei den meisten anderen Menschen auch. Mit dem Shutdown aufgrund der Corona-Krise sind auch bei mir von einen Tag auf den anderen alle Termine abgesagt worden. Was mich sehr gefreut hat war, dass mich die meisten meiner Kunden persönlich angerufen haben. Es war sehr viel Wertschätzung da. Im Moment ist es so, dass ich versuche, meine Tage gut zu strukturieren und im Tun zu bleiben. Das gelingt im Lauf der Zeit immer besser ;-)

Sie beraten viele Führungskräfte. Sind Sie mit ihren Kunden derzeit im regelmäßigen Austausch?
So gut es geht. Meine Arbeitsweise ist auch immer so angelegt, dass es eine zweite Kommunikationsform via Telefon gibt und ich meine Kunden nicht nur vor Ort betreue, sondern für sie immer auch telefonisch ansprechbar bin.

Bei ganz vielen Menschen hat sich die tägliche Arbeitsweise komplett geändert. Statt im Büro sitzt man im Homeoffice, auch Angst und Panik sind im Umlauf. Was ist in der Kommunikation von Führungskräften zu ihren Mitarbeitern jetzt wichtig?
Eine große Klarheit in den Aussagen und ein regelmäßiger Informationsfluss sind wichtiger denn je, gerade wenn man räumlich nicht mehr unmittelbar zusammen ist. Vor allem weil Angst und Panik im Umlauf sind, ist von den Führungskräften jetzt eine extra Portion an Empathie und Interesse gefordert. Man sollte nachfragen, wie die Mitarbeiter mit dieser neuen Situation zurechtkommen. Manche Mitarbeiter werden das mehr brauchen, andere weniger, das hängt sehr stark von der jeweiligen Persönlichkeit ab. Fest steht in jedem Fall, je besser der Zugang zu den Mitarbeitern vor der Krise war, desto besser wird es derzeit und auch danach wieder laufen. Die Führungskräfte erzählen auch, dass sie unter den Mitarbeitern einen großen Zusammenhalt spüren und geradezu neue Qualitäten auftauchen.

Was ist in Sachen Information jetzt wichtig?
Regelmäßige Information ist das Um und Auf. Als Führungskraft sollte man sich selber so gut es geht Informationen holen und diese weitergeben. Probleme entstehen oft auch durch falsche Beschreibungen. Daher ist ganz wichtig: klar kommunizieren, ehrlich sein und den Mitarbeitern suggerieren, wir sind an der Sache dran! Das schafft Vertrauen, was in Krisenzeiten essenziell ist. Die Mitarbeiter sollen mehr denn je das Gefühl haben, dass da jemand ist, der das Steuer fest in der Hand hat.

Führungskräfte müssen jetzt zum einen die Geschäfte weiterführen und zum anderen ihre Mitarbeiter beruhigen. Wie kommen sie selbst gut durch die Krise?
Dies ist eine Aufgabe, die für viele Führungskräfte nicht neu ist, denn wirtschaftliche Herausforderungen gibt es immer. Neu ist, dass sich die Welt schlagartig verändert hat. Es gibt dazu keine Erfahrungswerte und auch keine Lösungsansätze. Diese Krise löst bei vielen Menschen einen starken Kontrollverlust, Panik und Angst aus. Ruhe und Ausgleich herzustellen, gleichzeitig aber auch eine Form von Optimismus und Stabilität zu zeigen, wird hier von den Führungskräften notwendig sein. Gerade in solch außergewöhnlichen Krisenzeiten empfehle ich um so mehr, auch für sich selber zu sorgen und sich Ruhe und eine Zeit zum Krafttanken zu gönnen.

Termine wurden abgesagt, Geschäfte geschlossen, Aufträge storniert. Wie sollte man sich derzeit im Umgang mit Geschäftspartnern verhalten?
Unbedingt den Geschäftspartnern in dieser Zeit eine Form von persönlichem Entgegenkommen zeigen. Die Verlässlichkeit als Geschäftspartner sollte jetzt ganz vorne stehen.

Wie sollen Teams damit umgehen, dass sie sich plötzlich wochenlang nicht mehr persönlich sehen?
Vielfach höre ich, dass man froh ist, nicht mehr ständig von einem Termin und einer Besprechung zur nächsten hetzen zu müssen. Eine kurze Zeit tut uns das sicher allen einmal ganz gut. Dennoch vermisst man den persönlichen Kontakt, die gemeinsame Kaffeepause oder das tägliche Jour Fix. Jetzt ist es ganz wichtig, darauf zu schauen, dass der Kontakt nicht verloren geht. Am besten man tauscht sich regelmäßig via Skype, WhatsApp, Mail oder auch per Telefon aus. Und ganz wichtig: auch in diesen Zeiten soll der Humor nicht zu kurz kommen!

Führen Sie auch Online-Coachings durch?
Das ist derzeit ein Ergebnis dieser Situation, die ich weiterverfolgen werde. Ich werde in Zukunft Online-Coachings situationsspezifisch Kunden anbieten.

 

Doris Jandl-Albrecht

Beratung – Mediation – Coaching – Organisationsentwicklung

https://www.jandl-albrecht.at