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Lifestyle | 05.03.2019

Frauen wollen Sex-Wissen

Noch nie konnten Frauen ihre sexuellen Bedürfnisse so offen ausleben wie heute – theoretisch zumindest. Praktisch gibt es allerdings immer wieder Stolpersteine, die den Weg zu einem erfüllten Sexleben erschweren. Einer davon: Mangel an fundiertem Sex-Wissen über die weibliche (und männliche) Sexualität.

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© Shutterstock

Unsere scheinbar aufgeklärte Gesellschaft kommt bei Fragen, wie „Was passiert beim Sex eigentlich wirklich?“, „Was kann befriedigende Sexualität irritieren?“, „Wie lässt sich Sexualität selbst passend gestalten?“, immer noch ins Stottern. Und das, obwohl Sex heute quasi überall präsent ist. Schönheitsideale (bis in die Genitale), Perfektion und Leistung bestimmen nicht nur die Social Media, sondern auch mehr und mehr den Selbstwert der Menschen. Wir glauben, auch in der Sexualität „ideal“ sein zu müssen, und viele trauen sich deshalb nicht, über ihre Unsicherheiten, Wissenslücken oder Ängste zu reden.

Keine Macht den Mythen. Diese gibt es aber. Viele holen sich kein wissenschaftlich und sexualmedizinisch  fundiertes Wissen, sondern bleiben mit ihren Fragen, was Sexualität denn aus dem Gleichgewicht bringen kann und warum, alleine – weil sie sich oftmals auch gar nicht zu fragen trauen. So ist die Liste der sexuellen Mythen lang: Eine sexuell attraktive Frau ist immer locker, zu jeder Zeit bereit für Sex (Sex ist gleich Geschlechtsverkehr), sie richtet sich nach den Bedürfnissen des Mannes, ist leicht zu befriedigen, den Orgasmus müssen beide gleichzeitig erleben, und sie ist für sexuelle Spiele aller Art zu haben. Zusätzlich dient der weibliche Körper als Vehikel, um werbewirksam Produkte zu verkaufen, vom Auto über den Dildo bis zur Hochglanzzeitschrift.

Norm und Realität. Die in den Medien vermittelte Norm der weiblichen Sexualität wird von vielen Frauen als großer Druck empfunden. Was muss ich noch alles leisten, um sexuell attraktiv zu sein? Frauen, die versuchen, diesen Normen zu entsprechen, entwickeln immer häufiger Sexualstörungen: Jede dritte Frau verspürt nur wenig Lust auf Sexualität, jede fünfte Frau hat Erregungs- und Orgasmusprobleme und jede zehnte hat Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Der weibliche Körper hat also begonnen, sich gegen diese Anforderungen zu wehren. Auffallend ist, dass Frauen im Verlauf des Älterwerdens Wissen über ihren Körper, ihre Bedürfnisse und ihre Grenzen sammeln und deshalb oft eine ungestörtere Sexualität leben können als in jungen Jahren. Mehr Wissen bedeutet mehr sexuelle Sicherheit! Das bestätigen mir meine Klientinnen bei meiner täglichen Arbeit, so etwa Nicki (34):

„Ich war mit meinem Partner vier Jahre zusammen und hatte keine richtige Lust mehr auf Sex. Ich dachte immer,  es läge an mir, dass mit meinem Körper und meinen Genitalien etwas nicht stimmte. Ich bin in Beratung gegangen. Allein das Sex-Wissen über die Anatomie der weiblichen Genitale aus dem Aspekt der Lust betrachtet (und nicht der Fortpflanzung) hat mich geflasht: Zu erfahren, dass die Klitoris sichtbar als die „Perle“ (durch die Vorhaut geschützt) sich im Körperinneren verborgen mit Klitorisschwamm- und schwellkörper fortsetzt, zu wissen, was eigentlich in den Genitalen passiert, wenn die Frau erregt ist, was sich an der Vulva, in der Vagina, im Körper­inneren verändert, dass die Scheide einen Penis aufnehmen kann, wenn sie die Situation als passend spürt und sich der Beckenboden reflexartig stark anspannen und dadurch das Eindringen verhindern kann. Je mehr ich über meinen Körper weiß, je mehr ich ihn mittels Körperübungen auch wahrnehmen und spüren kann, desto neugieriger werde ich, welche sexuelle Persönlichkeit ich bin und sein will.“

Die sexuelle Reise zu sich selbst. Jede Frau trägt alle Voraussetzungen für eine erfüllte Sexualität in sich. Sie muss sie nur kennen: Erst wenn sie weiß, nach welchen Regeln ihr Körper und ihre Psyche funktionieren, kann sie Sexualität in all ihren einmaligen Dimensionen erleben, genießen und bis ins hohe Alter lebendig halten. Sie muss sich und ihren weiblichen Körper mit all seinen Bedürfnissen, Grenzen, Schwächen, Ängsten gut kennen, ihn annehmen und ihre Rolle als Frau so gestalten, wie es für sie passt. Sie sollte fähig sein, sich mitteilen zu können. Mit dem Beziehungs- oder Sexualpartner zu kommunizieren bedeutet aber auch, den Mut zu haben, zu sich zu stehen, sich zu zeigen. Was nicht immer so einfach ist, weil über Gefühle zu sprechen auch verletzbar machen und Angst und Schamgefühle auslösen kann. Konflikte und Diskussionen können entstehen, die frau vermeiden, aber auch lösen kann.

Liebe Frauen, begebt euch immer wieder auf eine Reise zu euch selbst, zu eurem Körper, zu euren inneren Bedürfnissen und auch zu euren Grenzen. Erkennt, dass genau eure Eigenart euch sexuell attraktiv und einzigartig macht. Zweifelt nicht an euren Wahrnehmungen, auch wenn andere noch so sehr etwas anderes meinen. Und holt euch fundiertes Wissen über Sexualität mit all ihren lustvollen Aspekten! Alles Gute zum Weltfrauentag!                

 

www.haberfellner-sexualberatung.at