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Lifestyle | 30.01.2015

Fitnesskult bei jungen Männern

Sie trainieren ihre Körper und definieren dabei besonders den Oberkörper: Immer mehr junge Männer gehen regelmäßig ins Fitnessstudio und zelebrieren einen ausgeprägten Körperkult. Warum das nicht immer nur gesund ist, haben wir mit einem Experten besprochen.

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„Wichtig ist, dass junge Männer nicht anfangen, sich ausschließlich über ihren trainierten Körper zu definieren.“ Dr. Martin Pachinger (© Shutterstock)

Schauspieler Matthew McConaughey, 007-Darsteller Daniel Craig und Fußballer Cristiano Ronaldo haben etwas gemeinsam: einen trainierten und definierten Körper. Gestählte Muskeln, Sixpack und kein Gramm Fett zu viel. Damit sind sie Vorbild für immer mehr junge Männer, die regelmäßig ins Fitnessstudio pilgern und dort ebenfalls an ihrem äußeren Erscheinungsbild arbeiten.

„Es ist sehr positiv, wenn junge Leute etwas für ihre Gesundheit tun“, sagt Martin Pachinger, Klinischer und Gesundheitspsychologe sowie Rückentrainer aus Unterweitersdorf (www.rueckenschulepachinger.at). „Wichtig ist nur, dass sie es nicht übertreiben und anfangen, sich ausschließlich über ihren trainierten Körper zu definieren. Dann geht es um Suchtverhalten. Muskel-Wahn könnte man als männliches Pendant zur Magersucht sehen.“

 

Trainer als Vorbilder

Wer in einem Fitnessstudio seinen Körper auf Vordermann bringen möchte, sollte sich deshalb einen Betrieb mit gut ausgebildeten Trainern suchen. Pachinger kommt selbst aus dem Kraftsport und weiß, wie schnell Trainer zu Vorbildern werden. „Im schlimmsten Fall identifizieren sich 16-Jährige mit Trainern, die Anabolika nehmen oder Medikamente missbrauchen“, sagt Pachinger. „Die Burschen empfinden das in der Folge als ,völlig normal’, ein bisschen nachzuhelfen. In diesem Alter können sie das Risiko für Nebenwirkungen und Spätfolgen kaum einschätzen.“

 

Spätfolgen unterschätzt

Besonders in der Pubertät neigen sie zu einer erhöhten Risikobereitschaft und schlechter Risikoeinschätzung. Anabolika etwa bringen den Hormonhaushalt komplett aus dem Gleichgewicht. Während der Körper die eigene Hormonproduktion zurückfährt, ist der Mann durch die künstlich übersteigerte Libido völlig übersteuert. Dazu kommen massive psychische Auswirkungen, etwa erhöhte Aggressivität oder depressive Verstimmungen, wenn die Medikamente wieder abgesetzt werden. 

Allgemeinen Schätzungen zufolge greifen 15 bis 20 Prozent aller Hobbysportler zu Schmerzmitteln, vor allem im Ausdauersport. Jeder fünfte Hobbysportler dopt. 

 

Protein-Präparate aus dem Web

Was die Problematik verschärft: Im Internet bekommt man nahezu alles, was auf dem legalen Markt verboten ist. Das betrifft nicht nur unerlaubte Substanzen, sondern auch die beliebten Protein-Präparate für den Muskelaufbau. „Wer solche Präparate online bestellt, weiß nicht, was er tatsächlich bekommt“, erklärt der Experte. „Oft stimmen die Dosierungen nicht, es gibt Verunreinigungen durch Keime oder Inhaltsstoffe, die nicht angeführt sind. Darum sollte man sich unbedingt einen seriösen Anbieter suchen.“ 

Was man noch wissen muss: Wird dem Körper zusätzlich Eiweiß zugeführt, ist es wichtig, viel zu trinken, damit die Nieren keinen Schaden nehmen. 

Training und Proteine nützen allerdings nur wenig, wenn nicht auch die Ernährung gesund und ausgewogen ist. Viel Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte sollten auf dem Speiseplan stehen, Zucker und Fett nur in Maßen. „Sich nach dem Training mit Pommes und Burger vollzustopfen, ist also kontraproduktiv“, so Pachinger.

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