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Lifestyle | 27.02.2018

Fasten ohne Hungern

Milch und Semmeln wie bei der klassischen F. X. Mayr-Kur gibt es im Gesundheitszentrum „Vivamayr“ in Altaussee nicht. Im Gegenteil: Die Gäste regenerieren und genesen bei Diätküche auf Hauben-Niveau. Weil es nicht nur dem Magen, sondern dem ganzen Körper gut tut.

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© Shutterstock

Altaussee wohnt ein ganz besonderer Zauber inne. Umrahmt von der Trisselwand und dem mächtigen Loser, direkt am glasklaren Altausseer See gelegen, idyllisch wie vor hundert Jahren, als die ersten Gäste diesem Zauber verfielen. Eine magische Kulisse, die einem kurzzeitig den Atem rauben kann.

Diese landschaftlichen Vorzüge nützt auch das luxuriöse Gesundheitszentrum „Vivamayr“ für seine Gäste. In einer Umgebung, die wie geschaffen ist, um zu entspannen und zu regenerieren, setzen Ärzte und Therapeuten dort auf die moderne Mayr-Medizin. Was das ist, wie sie funktioniert und warum man damit zwar nicht alles heilen, aber immer etwas verbessern kann, erklärt Sepp B. Fegerl, ärztlicher Leiter im „Vivamayr“, im großen Interview.

 

Die moderne Mayr-Medizin hat mit der klassischen F. X. Mayr-Kur, die aus Milch und Semmeln bestand, nicht mehr viel gemeinsam. Was ist für Sie das Besondere am Konzept, das hier im „Vivamayr“ angeboten wird?

Das Schöne ist, dass wir hier sehr konsequent und mit viel Wissen, Achtung und Ehrfurcht vor dem Lebewesen Mensch Ganzheitsmedizin betreiben. Und zwar im Sinne der modernen Mayr-Medizin. Gemeinsam mit dem Patienten entwickeln wir eine Strategie, die nachhaltig dessen Gesundheit fördert und ihm anfangs vielleicht sogar ein paar Antworten gibt, wo er gerade steht und welche Schwachstellen es in diesem Moment noch gibt. Oft sind die Gäste ein bisschen verwirrt, wenn sie zu uns kommen. Sie sollen zum Beispiel nach einer Operation etwas verändern und holen sich Empfehlungen von anderen Familienmitgliedern, den Nachbarn und Freunden. Wir können hier alles zusammenfassen – von Massagen über Physiotherapie bis hin zur Diät. Da wir ein stationärer Betrieb sind und unsere Gäste von mindestens einer Woche bis zu vier Monaten am Stück bei uns sind, haben wir die Möglichkeit, grundlegend alles durchzugehen. Es gibt keinen Grund, Stress zu entwickeln. Oft ist es wichtig, achtsam und mitunter auch in Stufen zu therapieren.

 

Welche Patienten sind zum Beispiel vier Monate bei Ihnen in Therapie?

Das sind Menschen mit schweren Stoffwechselerkrankungen, in erster Linie Diabetiker, bei denen der Zuckerhaushalt gestört ist und sehr oft bereits eine Verzuckerung der Organe stattfindet. Diese Patienten leiden dann oft unter verschiedenen Nebenerkrankungen. Andere Gäste haben eine ausgeprägte Depression oder sind nach einer Krebserkrankung sehr geschwächt. Wir helfen ihnen dabei, wieder zu erstarken.

 

Mit welchen Beschwerden kommen Patienten zu Ihnen? Oder kann es auch nur mal um das eigene Wohlbefinden gehen?

Wir sind eine private Kuranstalt und ein modernes Gesundheitszentrum. Wir begrüßen Gäste, die sich für ihre Gesundheit interessieren, ebenso wie Gäste, die abnehmen oder auch Gewicht zulegen möchten. Andere möchten ihre Laborwerte verbessern, zum Beispiel das Cholesterin loswerden. Es gibt auch Patienten, die als Vorbereitung auf eine Operation zu uns kommen. Wir haben aber zum Beispiel auch Männerrunden, die anstatt auf Skiurlaub nach Kitzbühel zu fahren, eine Woche zu uns kommen. Das ist für mich ein Zeichen dafür, dass sich das Gesundheitsbewusstsein zum Positiven verändert. Außerdem schicken Konzerne regelmäßig ihre Topmanager zu uns, um sie weg vom Stress und wieder zur Ruhe zu bringen. Für Burn-out und Stress ist die Mayr-Kur wie geschaffen. Das hat vor allem damit zu tun, dass bei uns kein Gast hungern muss. Er soll immer genau das bekommen, was er tatsächlich benötigt. Fasten hingegen ist besonders am Anfang mit sehr viel Stress verbunden. Bei der „Mayrei“ ist es so, dass ich mich mit jedem Tag mehr vom Stress entferne.

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Der Altausseer See, dahinter die Trisselwand: eine wunderbare Umgebung, um nachhaltig gesund zu werden. (© Mathias Lauringer – Studio 365)

Was unterscheidet die moderne Mayr-Medizin von anderen Therapieansätzen?

Das Geniale an der Diagnostik und der Therapie von Dr. Franz Xaver Mayr ist die Ganzheitlichkeit. Mayr, der ja Österreicher war, hat diese Form der Diagnostik in einer Zeit entwickelt, als es kaum Diagnostiker gegeben hat. Von Biochemie hatte man keine Ahnung, Histologie war weitestgehend unbekannt und Antibiotika waren gerade so ein bisschen im Kommen. Was hat er also gemacht? Er hat seine Patienten genau angeschaut, sie berührt und sich so einen Gesamteindruck verschafft. Dabei hat er festgestellt, dass die Körperhaltung eines Menschen sehr viel darüber aussagt, ob dieser nah an seiner persönlichen idealen Gesundheit ist oder weit davon entfernt. Ist er ihr nahe, geht es ihm meistens gut. Wenn er allerdings weit davon entfernt ist, hat er meist auch Probleme. Und diese Probleme können zum Beispiel Unfruchtbarkeit, ein erhöhter Blutdruck oder auch Multiple Sklerose sein, die man zu dem Zeitpunkt damals noch nicht kannte. Diese Erkrankungen haben sehr viel mit der Positur und der Figürlichkeit zu tun. Die Figürlichkeit, also die Gesamterscheinung der Figur, ist Ausdruck von der Gesundheit des Magen-­Darm-Traktes.

 

Inwieweit hängen Figur und Magen-­Darm-Trakt zusammen?

Sie kennen das bestimmt von sich selbst! Es gibt Tage, an denen man erwacht und man vollkommen steif ist. Man spürt die Schulter oder den Ellenbogen unangenehm. Und dann gibt es Tage, an denen das überhaupt kein Thema ist. Das hängt nicht damit zusammen, dass unser Skelett sich von heute auf morgen verändert hätte. Vielmehr stützt das Skelett unseren Körper, und dieser trägt in der Mitte den Verdauungsapparat. Dieser ist wiederum an zwei ganz wesentlichen Organen fixiert – dem Zwerchfell und der Wirbelsäule. Ist der Magen-Darm-Trakt gefüllt, erschöpft oder irritiert, verändert das auch die Belastung für die Wirbelsäule. Die Muskulatur verändert sich nämlich im Erregungszustand und somit auch die Haltung. Wenn Sie in einem Café sitzen und die Menschen anschauen, die daran vorbeigehen, werden Sie diese Unterschiede selbst sehen. Es gibt Leute, die Gesundheit ausstrahlen – ohne Hast und Aggression. Nicht jeder Läufer schaut beispielsweise zwangsläufig gesund aus. Dr. Mayr hat zum Beispiel gesagt, dass man vieles sehen kann, das krank macht. Bei seinen Therapien in Karlsbad hat er festgestellt, dass sich sowohl die Haltung als auch das Wohlbefinden verbessern, wenn man Menschen einem künstlichen Durchfall aussetzt und sie mithilfe von Glaubersalz reinigt. Was ihn jedoch geärgert hat, war der fehlende nachhaltige Effekt. Den Patienten ging es zwar besser, doch nach einem Jahr kamen sie wieder zu ihm. Er wollte ein therapeutisches Essen und hat deshalb damit begonnen, seine Patienten auch zu schulen. Unsere Gäste, die aus der ganzen Welt zu uns kommen, haben oft schon ein umfangreiches Vorwissen, was Lebensmittel und Nährstoffe betrifft. Allerdings hat unsere Diät nichts mit einer Diät zu Hause zu tun. Es ist Therapie, die jeder ein kleines bisschen anders braucht. Unser Therapie-Essen soll die Patienten nähren, ohne sie zu belasten. Es soll am Leben erhalten, aber nicht die Speicher auffüllen. Das ist ähnlich wie beim Schlaf. Im Schlaf regeneriert man. Wenn man seinen Verdauungstrakt aber jeden Tag vollstopft, dann fühlt man sich angefüllt, schwer und aufgebläht. Das betrifft auch die inneren Organe. Es kommt zu Ablagerungen in den Gelenken, die Organe verfetten und werden erschöpft. Die Folgen können Diabetes oder Depressionen sein. Der Großteil des Serotonins, dieses glücklich machenden Hormons, wird nämlich im Darm gebildet. Auch mehr als zwei Drittel des Immunsystems sitzen im Magen-Darm-Trakt.

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Dr. Sepp B. Fegerl ist ärztlicher Leiter im Gesundheitszentrum „Vivamayr“. (© Mathias Lauringer – Studio 365)

Kann man demnach Depressionen mit der modernen Mayr-Medizin behandeln?

Grundsätzlich ja; allerdings möchte ich betonen, dass wir für Menschen mit einer akuten tiefen Depression nicht die richtige Anlaufstelle sind. Selbstverständlich haben wir auch Psychologen und Psychotherapeuten im Haus, aber in diesem Fall braucht man möglicherweise ein gutes klinisches Setting. Wir setzen auf eine gute Fusion und verwenden auf der einen Seite die Schulmedizin, wenn es notwendig ist, und vergessen aber auf der anderen Seite nicht, dass das Einzige, das den Menschen heilen kann, er selbst ist. Da ist es wichtig, ihn manchmal wieder erstarken zu lassen – manchmal muss man etwas ergänzen, manchmal etwas wegnehmen. Wenn man ständig in der Fülle lebt, hat man nie das Problem, dass man zu wenig hat, sondern immer zu viel. Wenn man etwas wegnimmt, ohne dass es dem Körper fehlt, dann ist das wie eine Befreiung. Das ist zum Beispiel beim Essen der Fall. Wenn man gut kaut, achtsam isst und die Oberfläche des Darms, die nicht nur Barriere gegen Bakterien, sondern auch Eingang für Nährstoffe ist, gereinigt ist, dann ist das sehr effektiv. Dann reicht auf einmal ein Drittel eines Dinkelweckerls mit etwas Butter oder Aufstrich, um dem Körper ein gutes Sättigungsgefühl zu geben. Der Darm ist ein Muskelschlauch, der sich bewegt, darum ist ein hörbares Gurgeln auch nicht unbedingt ein Zeichen von Hunger, sondern vielmehr ein Zeichen von Gesundheit. Das ist wie bei spielenden Kindern: Solange man sie hört, ist es gut. Hört man sie nicht mehr, wird es meist gefährlich. Wir essen oft aus Gewohnheit, aber wenn wir ehrlich zu uns selbst wären, wüssten wir, dass wir tatsächlich nicht hungrig sind. Das sind Momente, die golden sind und die man in den Alltag mitnehmen kann. Wenn es zum Beispiel mittags eng mit dem Essen wird, weil Besprechungen länger dauern oder immer mehr Termine hereinkommen, dann habe ich die Wahl. Entweder ich ärgere mich und haue mir in ein paar Minuten zwei Gänge hinein, die mich am Nachmittag dann allerdings fertig machen, da ich müde werde oder mich aufgebläht fühle. Oder ich entscheide mich für einen anderen Weg und verzichte auf das Mittagessen. Stattdessen kann ich mich aufs Abendessen freuen oder vielleicht bin ich am späten Nachmittag so müde, dass ich gar nichts mehr essen mag. Dann habe ich spontan einen Fastentag eingelegt. Das nimmt dem Körper nichts weg, sondern tut ihm sehr gut.

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Lies das ganze Interview in der Printausgabe der OBERÖSTERREICHERIN (Februar)!