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Lifestyle | 03.02.2016

Fasten als neue Sehnsucht

Fasten ist zum Trend geworden. Doch es ist mehr als der bloße Verzicht auf feste Nahrung und ein Entgiften des Körpers. Es reinigt auch Geist und Seele.

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© Kneipp Traditionshaus Bad Mühllacken

Von Aschermittwoch bis Ostern wird aus religiösen Gründen seit jeher 40 Tage lang gefastet. Doch der bewusste Verzicht auf feste Nahrung ist in den vergangenen Jahren immer mehr zum Trend geworden. Das Kneipp Traditionshaus der Marienschwestern in Bad Mühllacken hat sich neben dem traditionellen Kurangebot bereits vor Jahren auf Fastenprogramme spezialisiert. „Uns ist wichtig, dass die Menschen das Fasten nicht als Diät missbrauchen“, erklärt Leiterin Elisabeth Rab­eder. „Natürlich geht mit dem Fasten auch eine Gewichtsreduktion einher, aber das ist nur ein Teil davon. Mindes­tens ebenso wichtig sind die positiven Auswirkungen auf Geist und Seele. Die Gedanken kommen zur Ruhe und werden klarer.“

 

Hilfe für Fasten-Anfänger

Wer sich dazu entschließt, für eine bestimmte Zeit auf feste Nahrung zu verzichten, sollte sich sehr gut darauf vorbereiten – besonders, wenn man es zum ersten Mal macht. Ideale Voraussetzungen dafür findet man in Einrichtungen, die Fastenprogramme mit individueller Betreuung und professioneller Unterstützung anbieten. Doch nicht jeder hat die Möglichkeit, sich eine Woche oder länger Auszeit für eine Fastenkur zu nehmen. „Man kann natürlich auch zu Hause fasten“, sagt Rabeder. „Dann ist es allerdings umso wichtiger, sich im Vorfeld sehr genau zu informieren. Man sollte wissen, was im Körper passiert, wenn man fastet. Warum kann es zur Kreislaufinstabilität kommen? Ist es normal, wenn es einen fröstelt? Das sind Fragen, die einen während dem Fasten verunsichern können, wenn man nicht Bescheid weiß.“

 

Auf das Fasten einstimmen

Vor dem eigentlichen Fasten sollte man sich und seinem Körper so genannte Einstimmungstage gönnen. In dieser Zeit stellt man im Idealfall bereits auf vegane Kost um und verzichtet auf Kaffee, Zucker und andere säurebildende Lebensmittel. Zu Beginn der Fastenkur ist es wichtig, den Darm zu reinigen – idealerweise mit einem Einlauf. „Das ist sehr wesentlich, wird von vielen aber leider zu wenig ernst genommen“, weiß Rabeder. „Dabei wird der Darm von Altlasten befreit, sodass später die Ausscheidungen besser vonstattengehen können.“ Die Expertin kann anfängliche Bedenken von Fastenden verstehen, umso wichtiger ist ihr eine entsprechende Aufklärung. „Eine Darmreinigung ist etwas sehr Intimes und Persönliches“, betont Rabeder. „Man braucht unbedingt Ruhe und eine Rückzugsmöglichkeit im Badezimmer, um sie entspannt durchführen zu können.“

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Während dem Fasten unterstützen Massagen den Körper. (© Kneipp Traditionshaus Bad Mühllacken)

Mindestens drei Tage fasten

Die anschließende Fastenkur sollte mindestens drei, besser aber fünf Tage dauern. Das liegt daran, dass der Körper ab dem dritten Tag in jenen Modus kommt, in dem die eigenen Depots angezapft werden und die Reinigungs- und Reparaturmechanismen erst so richtig in Gang kommen. Die Fastenkur selbst sollte übrigens individuell auf den Menschen abgestimmt werden. Ein ärztlicher Check durch den Hausarzt vorab schadet ebenfalls nicht.

Im Kneipp Traditionshaus setzt man unter anderem auf die Traditionelle Europäische Medizin und die fünf Säulen von Pfarrer Kneipp (Lebensordnung, Wasser, Ernährung, Bewegung, Heilpflanzen). Bei diesem Programm gibt es zu Fastentee und Suppen das Wasser aus der nahe gelegenen Bruno-Quelle, das täglich in 25-Liter-Glasbehältern für die Fastengäs­te geholt wird. „Dieses Wasser ist eine Kostbarkeit“, erklärt Rabeder. „Es schmeckt besonders fein und enthält viel Eisen, Mangan und einen hohen Biophoton-Anteil.“

 

Alles, was gut tut

Das Trinken von Wasser – in etwa drei Liter pro Tag – ist ein wesentlicher Bestandteil der Fastenkur, da es die belas­tenden Stoffe im Körper erst auflöst und dann ausleitet. Zudem hilft es bei der Zellerneuerung. 

Unterstützen sollte man den Körper auch mit wohltuenden Massagen, Anwendungen wie Leberwickel oder Basenpeeling, ausreichend Schlaf und moderater Bewegung. „Darauf sollte man auch achten, wenn man zu Hause fastet – auch wenn sich das im Alltag nicht so einfach umsetzen lässt“, sagt die Expertin. „Die Gefahr im Alltag ist nämlich, dass man auf der körperlichen Ebene hängen bleibt. Das wäre sehr schade, weil sich auch auf der psychischen Ebene viel tun kann. In einem Fastenprozess können oft unterdrückte Emotionen hochkommen. In diesem Fall hilft es, wenn einem ein erfahrener Fastencoach begleitend zur Seite steht.“

 

„Warum tue ich mir das an?“

Und was macht man, falls die Lust nach Essen doch mal zu groß wird? „Jeder Fas­tende kommt unweigerlich an diesen Punkt“, ermutigt Rabeder. „Man bemitleidet sich selbst und fragt sich, warum man sich das überhaupt antut. Dann ist es gut, wenn man unter Gleichgesinnten ist oder sich mit einem Fastencoach austauschen kann. Allen, die daheim fasten, rate ich, sich einer externen Fastengruppe anzuschließen.“

Nach dem Fasten wird der Körper übrigens bei den Aufbautagen langsam wieder „hochgefahren“. Im Bestenfall nützt man die Fastenkur für eine grundsätzliche Umstellung der bisherigen Ernährungsgewohnheiten. Eine wichtige Rolle spielen dabei Auswahl, Qualität und Herkunft der Lebensmittel sowie das (Wieder-)Erlernen einer Esskultur mit einer ruhigen Atmosphäre, langsamem Kauen und viel Genuss.   

 

Fasten als neue Sehnsucht

Dass Fasten in den vergangenen Jahren immer mehr zum Trend geworden ist, hat für Elisabeth Rabeder vor allem mit unserer Gesellschaft zu tun: „Für mich spiegelt es eine neue Sehnsucht der Menschen wieder. Je mehr wir an Fülle ersticken, umso mehr sehnen wir uns nach Zeit, in der wir uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren können.“ 

Denn auch das sei Fasten: ein Weg nach innen, bei dem sich Wesentliches von Überflüssigem trenne. Frei nach einem Zitat von Hermann Hesse, der in seinem Werk „Siddharta“ schreibt: „Jeder kann zaubern, jeder kann seine Ziele erreichen, wenn er denken kann, wenn er warten kann, wenn er fasten kann.“