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Lifestyle | 21.03.2022

Ein Stück Oberösterreich. Seit 130 Jahren.

Die technisch-industrielle Revolution, zwei Weltkriege, der Ölpreisschock 1973 und die Coronakrise – trotz vieler Herausforderungen war es stets das oberste Ziel der Energie AG, die Versorgungssicherheit und -qualität für Kunden und Partner zu gewährleisten.

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1924. Partenstein, das erste Großwasserkraftwerk Österreichs, liefert Strom bis in die Bundeshauptstadt Wien. © Energie AG, Hermann Wakolbinger

In den vergangenen 130 Jahren hat sich die Energie AG von einem klassischen Stromversorger zu einem modernen Multi-Utility-Unternehmen entwickelt. Wir haben mit Generaldirektor DDr. Werner Steinecker über die Vergangenheit und Zukunft der Energie AG gesprochen. 

 

OBERÖSTERREICHERIN: Herr DDr. Steinecker, was bedeutet der 130. Geburtstag für ein Unternehmen wie die Energie AG?

Das heurige Jubiläumsjahr gibt uns die Möglichkeit zurückzuschauen, aber vor allem auch nach vorne zu blicken. In der Geschichte der Energie AG haben immer Tradition und Innovation eine zentrale Rolle gespielt. Seit unserer Gründung mit den Planungen des Dampfkraftwerkes in St. Wolfgang durch Stern & Hafferl im Jahr 1892 sind wir stark in unserem Land verwurzelt und unsere Geschichte ist eng mit dem Erfolg Oberösterreichs verbunden. Für uns sind Nachhaltigkeit und der Generationenvertrag nicht nur Schlagworte, sondern sie werden gelebt. Egal ob im Bereich der Wasserkraft, dem Glasfaserausbau oder der Photovoltaik – die Energie AG war und ist stets Vorreiter. Wir sind ein Stück Oberösterreich.

Der Beginn der Planung einer Dampfzentrale in St. Wolfgang mit 25 PS (18 kW) im Jahr 1892 gilt als Geburtsstunde der ersten öffentlichen Stromversorgung im Salzkammergut und auch der Energie AG. Wie viele Menschen konnten damals im Vergleich zu heute mit Strom versorgt werden?

Das Dampfkraftwerk in St. Wolfgang konnte in seinen Anfangsjahren das Schafberghotel, die neu erschlossenen Wetterlochhöhlen und den Markt in St. Wolfgang mit Licht versorgen. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 entstand in Oberösterreich ein kleines „Stromimperium“ mit sieben Kraftwerken, 247 Trafostationen und knapp 580 Kilometer Hochspannungsleitungen. 2.580 Endverbraucher wurden seinerzeit in Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark mit Strom beliefert. Heute versorgen wir mehr als 450.000 Kundinnen und Kunden über das 32.000 kilometerlange Hoch- und Niederspannungsnetz mit Strom, über das 5.600 kilometerlange unterirdische Leitungsnetz mit Erdgas und über das 7.000 kilometerlange Glasfaser-Backbone-Netz mit lichtschnellen Daten. Zudem werden mehr als eine Million Einwohner in Oberösterreich und Tschechien mit bestem Trinkwasser versorgt.

Die technisch-industrielle Revolution, zwei Weltkriege, das Wirtschaftswunder in den 50er-Jahren, der Ölpreisschock 1973 und jetzt die Coronakrise, was waren in den vergangenen 130 Jahren die größten Herausforderungen in der Geschichte der Energie AG?

In der langen Unternehmensgeschichte hatten wir tatsächlich viele Herausforderungen zu bewältigen. Das begann vor 130 Jahren mit der Elektrifizierung des Schafberghotels. Dann kam der Wasserkraftausbau, um die beginnende Industrialisierung elektrisch zu machen. Die Stromnutzung in den Zeiten der Weltkriege war, wie auch beim Wiederaufbau, ein großes Thema. In der jüngeren Vergangenheit fordern uns die Umsetzung der sehr ambitionierten energiepolitischen Ziele sowie die COVID-19-Krise. Bei all diesen Herausforderungen war es stets die oberste Maxime, die Versorgungssicherheit und -qualität für unsere Kunden und Partner zu gewährleisten. Das wird auch in Zukunft so sein. 

Was waren die größten Meilensteine in diesem 130-jährigen Bestehen?

In den Anfangsjahren waren das neben den Pionierschritten in St. Wolfgang sicher auch die Elektrifizierung der Straßenbahn in Gmunden sowie der Bau des Kraftwerks Partenstein und damit verbunden die erste 110 KV-Leitung nach Wien, um den überschüssigen Strom abtransportieren zu können. Wesentliche Meilensteine waren auch die thermischen Kraftwerksbauten in Riedersbach, mit denen der steigende Energiebedarf gedeckt werden konnte. Das Kraftwerk Lambach ist, wie so viele Wasserkraftwerksbauten in den 70er- und 80er-Jahren, ein Symbol für die ressourcenschonende Energieerzeugung im Einklang mit der Natur. Dank diesen darf sich Oberösterreich nach wie vor Wasserkraftbundesland Nr. 1 und Vorreiter in der Energiewende nennen. Nicht außer Acht lassen möchte ich auch die Inbetriebnahme des Gas- und Dampfkraftwerks in Timelkam sowie unser Engagement im Bereich der Abfallentsorgung und -verwertung, der Wasserversorgung, der Wärme und der schnellen Datenleitungen, durch diese die Energie AG zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen wurde. In jüngster Zeit waren es der flächendeckende Ausbau der intelligenten Stromzähler, unsere Breitbandoffensive und die Zusammenlegung von Strom, Gas, Wärme und Telekom in eine gemeinsame Vertriebsgesellschaft.

Sie haben im Jahr 1972 Ihre Lehre zum Starkstrommonteur bei der OÖ. Kraftwerke AG (OKA, heute Energie AG) begonnen und halten dem Unternehmen schon 50 Jahre die Treue. Wie blicken Sie auf diese Jahre zurück?

Jedes Dezennium dieser 50 Jahre hatte sehr spannende Abschnitte. Das Unternehmen hat sich gewaltig weiterentwickelt und verändert – von einem klassischen Stromversorger zu einem sehr modernen Multi-Utility-Unternehmen. Ich durfte in diesen Jahren sehr viele Bereiche kennenlernen und unterschiedliche Funktionen bekleiden – ob es der Kraftwerksbaubereich war, der Vertrieb, die Mitarbeiterschulung bereits als Abteilungsleiter, fünf Jahre als Vorstand bei der OÖ Ferngas, seit 2002 bis 2017 die Zeit als Technikvorstand und die letzten fünf Jahre als Generaldirektor – viele Veränderungen haben in dieser Zeit stattgefunden. Bei allen haben die tüchtigen Mitarbeiter mit ihrer Innovationskraft und Veränderungsbereitschaft eine Schlüsselrolle gespielt. Jedem Einzelnen bin ich für seine Schaffenskraft und Unternehmensloyalität sehr dankbar. 

 

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„Für uns sind Nachhaltigkeit und der Generationenvertrag nicht nur Schlagworte, sondern sie werden gelebt.“ - Werner Steinecker, Generaldirektor Energie AG

Was war in Ihrer bisherigen Zeit als Generaldirektor Ihr größter Erfolg?

Ohne gewichten zu wollen, mit Sicherheit die Art und Weise, wie wir es als Unternehmen nicht nur in Österreich, sondern auch in Tschechien bis dato durch die Pandemie geschafft haben. Weitere Erfolge sind der kontinuierliche Breitbandausbau und zuletzt das erfolgreiche Zusammengehen der Energie AG-Breitbandaktivitäten mit der Landesbreitbandgesellschaft „Fiber Service OÖ“. Darüber hinaus konnten wir als erster Verteilnetzbetreiber eines Landes-EVUs den vollständigen Smart-Meter-Rollout realisieren, worauf ich persönlich sehr stolz bin. Auch der Startschuss zum Bau des Pumpspeicherkraftwerks in Ebensee als größte geplante Eigenproduktionsanlage des Unternehmens ist ein schöner Erfolg. Ich bin auch froh, dass wir den Zubau des PowerTowers trotz Pandemie noch in diesem Jahr fertigstellen werden. Ebenso freut mich das erfolgreichste Jahr der Energie AG-Sportfamilie: Mit drei Weltmeisterschaftsmedaillen unserer Wintersportler und zwei Olympiamedaillen bei den Sommerspielen in Tokio war das Jahr 2021 unser bisher erfolgreichstes.

Das Geschäftsjahr 2020/2021 war trotz der andauernden Coronapandemie eines der erfolgreichsten in der Unternehmensgeschichte. Worauf führen Sie das zurück?

Die gute Performance ist im Wesentlichen auf das überdurchschnittliche Wirtschaftswachstum, die damit verbundene Nachfrageentwicklung und die gestiegenen Strom-, Gas- und Wertstoffpreise zurückzuführen. Es ist aber auch das Resultat von kontinuierlichen Optimierungsmaßnahmen in der jüngeren Vergangenheit, zahlreicher Restrukturierungsprojekte und dem Engagement der Kolleginnen und Kollegen in der Energie AG. Gleichzeitig haben wir ein gutes und solides Verhältnis zu unseren Kunden und Partnern.

Werden wir die Energiewende bis 2030 schaffen?

Die Transformation unseres Energiesystems ist bereits in vollem Gange. Schon heute können wir als Energie AG den Jahresstrombedarf von über 700.000 Haushalten mit regionalem, sauberem Strom decken. Durch den generellen Mehrbedarf an Strom, z. B. durch die E-Mobilität, und den ganzheitlichen Umstieg auf Erneuerbare müssen wir in den nächsten Jahren unsere Erzeugungsleistung nochmal deutlich erhöhen (als Energie AG um weitere 630 GWh Ökostrom). Um die Herausforderungen mit Zahlen besser zu veranschaulichen: Das Erneuerba-
ren-Ausbau-Gesetzespaket – als rechtliche Grundlage für das Erreichen des „100 Prozent erneuerbaren Strom“-Ziels bis 2030 – sieht vor, dass in den kommenden acht Jahren knapp 50 Prozent mehr Ökostrom erzeugt werden soll als bisher (von 55 TWh auf 82 TWh Ökostrom). Das wird eine gewaltige Challenge, doch ein Sprichwort sagt: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ 

Was fehlt noch?

Noch fehlen die verbindlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise bei Förderungen, seitens des Bundes. Wir brauchen hier dringend eine bessere Planbarkeit. Dann stellt sich auch noch die Frage, ob es genügend Personal in diesem Bereich gibt, um die Energiewende zu schaffen. Als Energie AG haben wir bewiesen, dass wir auch in herausfordernden Situationen unsere Leistung mehr als erbringen können. Jetzt gilt es, neben den schwierigen Rahmenbedingungen durch Corona, auch die gesetzlichen Anforderungen zu meistern. 

Wasserkraftwerke sind die bedeutendste heimische erneuerbare Energiequelle. Wie viele betreibt die Energie AG derzeit? Welches ist das älteste Kraftwerk? Wie aufwendig ist es, diese am aktuellen Stand zu halten?

Wir sind in der beneidenswerten Lage, dass die ersten Wasserkraftaktivitäten zur energetischen Wasserkraftnutzung bereits kurz vor Beginn des letzten Jahrhunderts gesetzt wurden. Die Energie AG betreibt derzeit 43 eigene Wasserkraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 280 MW und einem Regelarbeitsvermögen von rund 1.160 GWh. Das älteste Kraftwerk in OÖ ist das Kraftwerk Gschröff, das 1888 gebaut wurde. Besonders bekannt ist unser Kraftwerk Steyrdurchbruch – erbaut 1908 im Jugendstil –, da dieses sehr original erhalten ist und als Schaukraftwerk auch besichtigt werden kann. Die Instandhaltung unterscheidet sich nicht wesentlich von neuen Kraftwerken. Alte Kraftwerksanlagen werden aber stetig modernisiert und damit den technischen Anforderungen angepasst.

 

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1884. Das erste Kraftwerk versorgt das Schafberghotel, die Wetterlochhöhlen und den Markt St. Wolfgang. © Energie AG, Hermann Wakolbinger
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1945. Bombenschäden an der OKA-Konzernzentrale als Folge des Zweiten Weltkrieges. © Energie AG, Hermann Wakolbinger

Das Pumpspeicherkraftwerk in Ebensee im Rumitzgraben wurde genehmigt. Die Bauarbeiten sind für 2023 geplant. Gibt es seitens der Energie AG noch weitere Projekte in Richtung Wasserkraft?

Der technisch mögliche Ausbaugrad der Wasserkraft ist in Oberösterreich schon sehr weit fortgeschritten. Daher liegt der Fokus auf Ersatzneubauten zur Effizienzsteigerung und gleichzeitiger Ressourcenschonung, wie dem im Herbst 2021 eröffneten Ersatzneubau des Kraftwerks Dürnau sowie dem geplanten Ersatzneubau des Kraftwerks Traunfall/Roitham. Parallel dazu sollen unter höchsten ökologischen Grundsätzen kleinere Neubauten, wie das Kraftwerk in Weißenbach/Bad Goisern, realisiert werden.

Was die meisten von uns beschäftigt, ist die Frage, warum die Strompreise derzeit so hoch sind. Woran liegt das? 

Mehrere Faktoren wirkten auf die Energiepreise, wobei man wissen muss, dass der Strompreis wesentlich von den Entwicklungen des Gaspreises abhängt: Die wirtschaftliche Erholung in Asien erhöhte den dortigen Gasbedarf und damit auch das Preisniveau. Dazu kamen gedrosselte Importe aus Russland und Norwegen und leere Gasspeicher nach dem langen Winter im Frühjahr 2021. Des Weiteren kam es zu einem Anspringen der Konjunktur in Deutschland, wo gleichzeitig der Wind weniger Energie produziert hat und anstelle dessen wiederum Gas gebraucht wurde. Zu der erhöhten Nachfrage bei gleichzeitig knapperem Angebot folgte die Unsicherheit in der Ukraine, gleichzeitig kühle Temperaturen am Ende des Jahres und die Prognose eines weiter andauernden kalten Winters. Die Revision von AKW in Frankreich sowie Panikkäufe von Marktteilnehmern komplettieren das noch nie dagewesenen Potpourri, welches den Markt verrücktspielen lässt.

Kann man schon sagen, wann der Strompreis wieder sinken wird?

Wie sich die Preise entwickeln werden, ist aktuell sehr schwer zu sagen. Der Markt ist sehr volatil und reagiert sensibel auf allerlei Geschehnisse. Aus heutiger Sicht ist erst im Frühjahr 2023 mit einer leichten Entspannung zu rechnen.

Elektromobilität wird sehr stark forciert, ist aber auch umstritten. Ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur bereits so weit fortgeschritten, dass man von einer Alltagstauglichkeit sprechen kann?

Elektromobilität ist mittlerweile alltagstauglich. Die Energie AG forciert bereits seit Jahren die Elektromobilität in unserem Bundesland, um die CO2-Emissionen im Mobilitätsbereich deutlich zu reduzieren. Ein wichtiger Baustein dafür sind der Ausbau der Ladeinfrastruktur, unsere Ladekarte sowie diverse Dienstleistungsangebote für unsere Kunden. 

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt die Energie AG heute und ist es schwierig Arbeitskräfte zu finden?

Wir beschäftigen in ganz Österreich rund 2.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dazu kommen knapp über 1.700 Arbeitskräfte in Tschechien. Die demografische Entwicklung sowie der hohe Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften in der Energiebranche spielt uns aktuell nicht in die Karten und erschwert es, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Dank unserer Lehrlingswerkstatt mit hervorragenden Rahmenbedingungen sowie zahlreichen Social Benefits und Weiterbildungsmöglichkeiten für unsere Belegschaft bin ich aber guter Dinge, dass wir uns im Wettbewerb um die besten Köpfe weiterhin behaupten.

Coronakrise, Energiewende, Blackoutgefahr ... was sind für die Energie AG die größten Herausforderungen der Zukunft?

Um die ambitionierten politischen Energie- und Klimaziele zu erreichen, sind mehr Pragmatismus und Technologieoffenheit anstelle bürokratischer Gesetze und Verbote gefragt. Die Verkürzung von UVP-Genehmigungsverfahren (auf zwei Jahre) ist ein weiterer zentraler Punkt, um nachhaltige, ressourcenschonende Projekte zeitnah realisieren zu können. Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen spielen aber auch der Arbeitsmarkt und die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften eine große Rolle. 

Gibt es anlässlich der anhaltenden Coronakrise 130-Jahr-Feierlichkeiten?

Wir sind gerade in der Planung möglicher Aktionen, die im Frühjahr stattfinden sollen. Die Energie AG kommt u. a. im Zuge der bereits traditionellen Regionaltour wieder zu ihren Kundinnen und Kunden an unterschiedlichsten Standorten in ganz Oberösterreich. Höhepunkt des Jubiläumsjahres soll ein Event im Zuge der Eröffnung des PowerTower-Zubaus sein. Zudem wird es zahlreiche Gewinnspiele und Jubiläumsaktionen für unsere Kunden geben.

 

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1997. Baubeginn am anfangs heftig umstrittenen Kraftwerk Lambach. Das fertige Kraftwerk wurde zu einem ökologischen Vorzeigeprojekt. © Energie AG, Hermann Wakolbinger
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2008. Der PowerTower der Energie AG in Linz ist das erste Bürohochhaus der Welt in Passivhausbauweise. Noch heuer wird der Zubau eröffnet. © Energie AG, Hermann Wakolbinger