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Lifestyle | 26.10.2020

„Die Zukunft ist weniger planbar“

Es gibt Situationen im Leben, in denen man alleine nicht mehr weiter weiß. Besonders die Corona-Pandemie hat bei vielen Menschen Unsicherheit ausgelöst. Hier können die Lebens- und Sozialberater helfen.

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© Shutterstock

In Oberösterreich gibt es aktuell 713 psychologische Berater, 77 Sportwissenschafter und 104 Menschen, die in der Ernährungsberatung tätig sind. Sie unterstützen Menschen in allen krisenmöglichen Beziehungsfeldern – von Erziehungsthemen über Konflikten in der Partnerschaft bis hin zu Problemen am Arbeitsplatz. Im Moment kommt die Corona-Krise und deren Auswirkungen oft zur Sprache. Die Menschen sind unsicher, machen sich Gedanken und häufig auch Sorgen. „Man sollte die Hilfe einer psychologischen Beratung dann suchen, wenn es noch nicht zu spät ist“, sagt Franz Landerl, Sprecher der Lebens- und Sozialberater in Oberösterreich. 

 

OBERÖSTERREICHERIN: Stichwort Corona-Krise: Die langfristigen Auswirkungen auf die Psyche lassen sich noch gar nicht abschätzen. Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrem Arbeitsalltag als Lebens- und Sozialberater? Welche Sorgen und Ängste beschäftigen die Menschen im Moment am meisten?

Franz Landerl: Viele Fragen und Themen haben sich seit der Corona-Pandemie geändert. Ich mache die Erfahrung, dass viele Menschen beunruhigt sind, weil die Zukunft weniger planbar und im Gesamten unsicherer geworden ist. Die Ängste sind sehr individuell und hängen auch von der jeweiligen Lebenssituation ab. Eltern machen sich zum Beispiel Sorgen, ob die Schulen wieder zusperren und wie sie die Betreuung ihrer Kinder sicherstellen können. Bei älteren Menschen hingegen ist die soziale Isolation und die damit einhergehende Einsamkeit oft ein großes Thema. Erst vor Kurzem habe ich mit einer Pensionistin gesprochen, die nach einem halben Jahr erstmals wieder vor die Tür gegangen ist. Sie hatte große Angst, weil sie ja zur viel zitierten Risikogruppe gehört. Ich finde es sehr wichtig, verantwortungsvoll mit der Pandemie umzugehen und diese Menschen aber gleichzeitig aus der Isolation zu holen.

Viele Menschen sind noch in Kurzarbeit oder haben ihren Job verloren. In diesem Fall kommen ganz andere Sorgen dazu …

Natürlich, diese Menschen haben oft Existenzängste, weil sie nicht wissen, wie es für sie weitergehen wird. Im Moment lässt sich noch nicht sagen, wann die wirtschaftliche Situation wieder besser wird. Klar ist nur, dass die Krise noch lange nicht ausgestanden ist. Diese Ungewissheit hat Auswirkungen. Dazu kommt, dass es momentan so viele Experten wie noch nie gibt. Man weiß nicht mehr, wem man was glauben kann. Das macht die Situation nicht einfacher.

Wie soll man Ihrer Meinung nach mit dieser neuen Situation umgehen?

Ich finde es wichtig, die Situation so zu akzeptieren, wie sie ist, weil wir sie nicht ändern können. Entscheidend ist, was ich selbst daraus mache. Es geht darum, neue Lebensmuster zu entwickeln und die Zeit sinnvoll zu gestalten. Viele Dinge, die bis zum Ausbruch der Pandemie selbstverständlich für uns waren, sind seitdem nicht oder nur eingeschränkt möglich. Es ist mühsamer geworden, sein Leben zu gestalten. Ein Beispiel ist der Fußballverein in meinem Heimatort. Die Spiele sind jetzt drei Mal hintereinander abgesagt worden und sowohl Spieler als auch Zuschauer haben gesagt: Was mache ich mit dem freien Sonntagnachmittag? Wir müssen unser Leben einfach anders planen.

 

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Wir können die Situation im Moment nicht ändern. Entscheidend ist deshalb, was ich selbst daraus mache! Mag. Franz Landerl Dipl. Lebens- und Sozialberater Rhemastraße 10, 4502 St. Marien Tel.: 07227/8743 E-Mail: [email protected]

Wann sollte man die Unterstützung eines Lebens- und Sozialberaters suchen? Wann ist es „noch nicht zu spät“?

Ich ziehe dafür gern einen Vergleich heran. Beim Auto ist es selbstverständlich, dass wir die Service-Intervalle einhalten. Nur bei uns selbst warten wir oft so lange, bis der Leidensdruck groß und es fast schon zu spät ist. Wenn man sich rechtzeitig Unterstützung sucht, können viele Dinge früher erkannt werden und man hat die Möglichkeit, entsprechend zu handeln. Ab und zu braucht es die objektive Sicht von außen. Der Mensch ist ein beziehungsorientiertes Wesen und braucht manchmal das Gespräch, das ist mir in den vergangenen Monaten wieder sehr bewusst geworden. Das kann auch in elektronischer Form sein, coronabedingt sind viele Beratungen via Computer erfolgt.

Leider ist es oft immer noch so, dass sich manche Menschen schämen, wenn sie psychische Probleme haben und Hilfe von außen brauchen. Was können Sie diesen Menschen sagen?

Es ist schon besser geworden, aber tatsächlich noch immer ein bisschen ein Tabuthema, wenn man sich Unterstützung von außen holt. Dabei ist es völlig normal, weil man es in anderen Bereichen ja auch macht. Die alten griechischen Lehrer waren nichts anderes als Lebensberater, die die Menschen von damals „gecoacht“ haben. Manche Dinge werden nicht gern angesprochen – aus Scham und Angst, sich zu blamieren und dumm dazustehen. Allerdings muss das Gegenüber dann immer raten, weil es ja kein Hellseher ist.

Wie kann man den für sich selbst passenden Lebens- und Sozialberater finden?

Wichtig ist, dass sich der Klient wohlfühlt und die Chemie zwischen den beiden stimmt. Nur so kann Vertrauen entstehen und sich der Klient auch öffnen. Das spürt man für gewöhnlich schon beim Erstgespräch. Auf unserer Homepage www.lebensberater.at sind alle Lebens- und Sozialberater mit ihren Spezialgebieten angeführt. Dort findet man auch unseren Guide, der in Gemeindeämtern und Arztpraxen aufliegt, zum Download.

Ist es möglich, die Beratung auf Krankenschein abzurechnen?

Leider fällt unsere Beratung in den Bereich der Prävention und kann nicht auf Krankenschein abgerechnet werden. Hier wäre die Politik gefordert, etwas zu ändern und nicht nur Menschen in der Krankheit zu unterstützen, was ja sehr wichtig ist, sondern auch – wie es schon heißt – „Gesundheitspolitik“ zu betreiben. Erkrankungen im Vorfeld zu verhindern, würde am Ende auch helfen, Geld einzusparen.