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Lifestyle | 18.07.2017

"Die Kunst hilft mir weiter"

Ein schwerer Autounfall, die Diagnose Multiple Sklerose und schlussendlich noch Gehirntumor – die Künstlerin Roswitha Nickl aus Gallspach hat in den vergangenen Jahren einiges mitgemacht. Ans Aufgeben hat die 57-Jährige nie gedacht. Wie ihr die Kunst in ihrer schweren Zeit weitergeholfen hat, erzählt sie im Interview.

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„Mit der Malerei kann man Kummer und Sorgen bewältigen.“ (© Gerda Lehner, www.gerdalehner.at)

Die Malerei begleitet Roswitha Nickl (www.rnickl.at) fast ihr ganzes Leben lang. Schon sehr früh entdeckte die Galls­pacherin ihre Liebe zum Zeichnen und Malen. Mit zwölf Jahren gewann sie ihren ersten Wettbewerb in Innsbruck und im Jahr 2001 eröffnete sie ihr eigenes Atelier. Mittlerweile hat die vielseitige Künstlerin, die sich neben dem Malen auch mit Glas- und Textilkunst beschäftigt, an die hundert Ausstellungen absolviert. Alljährlich holt sie Friedrich Ch. Zauner ins Innviertel, wo sie das Bühnenbild für die Rainbacher Evangelienspiele gestaltet, und Anfang Oktober lädt sie anlässlich der „Tage des Offenen Ateliers“ wieder in ihr Atelier nach Gallspach. 

 

Frau Nickl, wann wussten Sie, dass Sie aktiv Kunst machen werden?

Nach meiner Schulzeit kam es für meinen Vater nicht in Frage, dass ich Kunst studieren oder beruflich etwas mit Kunst machen würde. Damals musste man etwas „Gescheites“ lernen (lacht). Also habe ich in Haag am Hausruck in der Bäckerei Heigl zu arbeiten begonnen. Dort bin ich übrigens heute noch zwei halbe Tage in der Woche beschäftigt. Mein Onkel Karl Straubinger war Künstler, er war immer mein Vorbild und mein Mentor. Mit 25 Jahren habe ich mich schließlich entschieden, dass ich beruflich etwas mit Kunst machen werde. 

 

Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Ich habe mir viele Künstler angeschaut, Malreisen gemacht und mir selbst verschiedene Techniken beigebracht. Wenn Talent und Interesse vorhanden sind, dann kann man im Prinzip gar nicht anders.

 

Als Künstlerin sind Sie sehr vielseitig. Was machen Sie am liebsten?

Grundsätzlich ist die Acrylmalerei mein Schwerpunkt. Ich suche aber immer wieder nach neuen Herausforderungen, egal ob nun im Bereich von Textil-, Glas- oder Wandmalerei. Es macht mir einfach Freude, etwas Neues auszuprobieren und zu lernen.

 

Bei einem Autounfall haben Sie eine Niere verloren, dann kam die Diagnose Multiple Sklerose und im Vorjahr mussten Sie sich wegen eines Gehirntumors einer schweren Operation unterziehen. Wie sehr haben diese Schicksalsschläge Ihre Kunst beeinflusst?

Nach dem schweren Autounfall hat mir mein Maleronkel aus Wien prophezeit, dass sich meine Bilder verändern werden. Und es war tatsächlich so. Als ich vom Spital nach Hause gekommen bin, habe ich mich in mein Atelier geschleppt und plötzlich große Leinwände genommen und auch andere Farben verwendet. Ich habe mich ganz unbewusst von der zarten Aquarellmalerei zu großflächigen Bildern mit kräftigen Farben entwickelt. Nachdem ich dann erfahren habe, dass der Unfall die unheilbare Krankheit Multiple Sklerose bei mir ausgelöst hat, bin ich in ein tiefes Loch gefallen. Neben der großen Unterstützung durch meinen Sohn Christian und meinen Lebenspartner Hubert „Hubsi“ Huemer war es erneut das Malen, das mir den Weg zu mir selbst ermöglichte. Mit der Malerei kann man Kummer und Sorgen bewältigen und auch Schicksalsschläge vergessen. Wenn es mir nicht gut geht, dann gehe ich ins Atelier, male – und es geht mir wieder besser.

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Roswitha Nickls Malkurse sind bei Erwachsenen wie auch bei Kindern sehr beliebt. (© Privat)

Malen als Therapie sozusagen?

Ja, genau. Und ich merke das auch bei den Kursen, die ich abhalte. Es sind immer wieder Menschen dabei, die Sorgen oder Probleme haben. Manchmal wird darüber gesprochen, manchmal auch nicht. Ich sehe aber, dass es den Kurs­teilnehmern während des Malens besser geht, da sie auf andere Gedanken kommen.

 

Sie bieten auch viele Kindermalkurse an. Hat sich die Kreativität der Kinder im Computer- und Handyzeitalter verändert?

Ja schon, sie sind zum Teil nicht mehr so kreativ wie früher, weil das Handy die Nummer eins ist. Man muss sich um die Kinder bemühen und sie zum Malen motivieren. In meinen Kursen gibt es keine Vorgaben, die Kids können ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Wenn sie dann voll im Geschehen sind, sind sie kaum mehr zu bremsen.

 

Neben den vielen Kursen sind Sie laufend auf Ausstellungen vertreten. Woher holen Sie sich Ihre Kraft?

Zu Ausstellungen wird man eingeladen und ich bin natürlich immer gerne dabei. Es ist schön, wenn die Bilder hängen und man in aller Stille durch die Ausstellung geht. Es macht mich stolz, es ist eine große Belohnung.

 

Was war Ihr spannendster Auftrag in Sachen Malerei?

Das war mit Sicherheit meine erste Wandmalerei, die ich im Burgenland gemacht habe. Auch beim neuen Haus der Musik in Offenhausen habe ich in sechs Metern Höhe eine Wandmalerei gemacht. Der Obmann, übrigens ein Cobra-Beamter, stand mir die ganze Zeit als Assistent und Beschützer  zur Seite (lacht). Auch die großflächige Glasmalerei in Form einer Schiebetür für die heurigen Rainbacher Evangelienspiele war eine ganz spezielle Herausforderung.

 

Was bedeutet Kunst für Sie?

Kunst ist für mich eigentlich alles, was außer der Norm ist. Etwas, das nicht alltäglich ist. Egal, ob in Form von Musik, Malerei oder Bildhauerei. Ein Künstler erzeugt einmalige Werke.

 

Wer ist in Sachen Malerei Ihr größtes Vorbild?

Von Kindesbeinen an natürlich mein Onkel Karl Straubinger. Aber auch Maler wie Friedensreich Hundertwasser oder Antoni Gaudí beeindrucken mich sehr.

 

Das größte Kompliment?

Es können einfach nicht allen meine Bilder gefallen, und da schätze ich es sehr, wenn jemand ein ehrliches Urteil abgibt. Im Lauf der Zeit wird man allerdings auch selbstkritischer.

 

Woran arbeiten Sie derzeit?

Da im August mein erstes Enkelkind zur Welt kommen wird, arbeite ich gerade an einem Kinderbuch. Es handelt von Katzen und trägt den Titel „Witta, die Zauberkatze“. Mein Lebensgefährte Hubert macht den Text und ich die Illustration.

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Für die diesjährigen Evangelienspiele in Rainbach gestaltete Roswitha Nickl eine großflächige Schiebetür mit Glasmalerei. (© privat)

Werden Sie das Buch veröffentlichen?

Ja, sicher, und den Erlös daraus bekommt mein Enkelkind. Andere Omas verschenken einen Bausparer zur Geburt, ich gestalte ein Buch.

 

Hat Ihr Sohn Christian Ihr Kunst-Gen geerbt?

In jedem Fall. Er ist zwar nicht malerisch unterwegs, aber er macht irrsinnig tolle Kostüme. Erst vor Kurzem kamen für Star Movie seine Turtles-Kostüme zum Einsatz. Es ist ein sehr aufwendiges Hobby, bei dem man viel Geduld braucht. Auf der Webseite
www.garage-inc.at kann man seine Werke bewundern.

 

Sie müssen sich in den nächsten Wochen erneut einer Strahlentherapie unterziehen. Wie gehen Sie damit um?

Ich mache mir nicht zu viele Gedanken darüber und hoffe, dass es mir nicht allzu schlecht gehen wird. Man muss einfach positiv denken. 

 

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit, wenn Sie nicht malen?

Ich vergöttere meinen Garten. Er gibt mir unheimlich viel Energie und ist für mich sehr wertvoll. Außerdem mache ich gerne Yoga. Auch das Töpfern macht mir viel Freude. Und natürlich sind wir auch gerne auf Reisen und schauen uns die Welt an.

 

Was inspiriert Sie?

Eigentlich brauche ich aber nur aus dem Fenster rauszuschauen und schon fallen mir gewisse Farbkombinationen auf und in meinem Kopf entstehen Bilder.

 

Ihre nächste Ausstellung?

Ich freue mich schon auf die Tage des „Offenen Ateliers“ am 12. und 13. Oktober. Es kommen immer sehr viele Leute, man kann sich so einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Interessenten können aber auch jederzeit auf Anmeldung zu mir ins Atelier (Höhenweg 18, Gallspach) kommen. Auch wenn nichts gekauft wird, ich freue mich über jeden Besuch.

 

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

„Du kannst deinem Leben nicht mehr Tage, aber den Tagen viel mehr Leben geben!“