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Lifestyle | 08.03.2016

Dicke Beine trotz Diät und Sport

Anita Rosenthaler leidet an einem Lipödem, einer genetisch veranlagten Fettverteilungsstörung, bei der sie besonders an den Beinen und den Oberarmen immer mehr zunimmt. Das Tückische an dieser Krankheit: Weder Diäten noch Sport helfen!

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(© Andreas Röbl)

Anita Rosenthaler (42) ist eine lebenslustige Frau, Mutter eines erwachsenen Sohnes, glücklich in ihrer Beziehung und erfolgreich im Job. Bis sie 2009 merkt, dass mit ihrem Körper etwas nicht zu stimmen scheint. 

„Ich habe immer mehr zugenommen und wusste nicht, warum“, erzählt die Mühlviertlerin. „Besonders an den Beinen. Also bin ich von einem Arzt zum nächsten, aber keiner konnte mir helfen. Von den meisten habe ich gehört, dass ich schlicht und ergreifend abnehmen soll.“

Ein Ratschlag, der dazu führt, dass Rosenthaler sämtliche Diäten und Ernährungsformen versucht, regelmäßig Sport macht – doch alles ohne Erfolg. Die junge Frau nimmt vor allem an Armen und Beinen weiter zu. Ihre Verzweiflung wächst. Bis sie 2014 bei einer Hautärztin ihre Muttermale kontrollieren lässt und diese ihr die richtige Diagnose mehr oder weniger nebenbei stellt: Lipödem. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine genetisch veranlagte Fettverteilungsstörung (siehe Info-Box auf der nächsten Seite). 

„Bis zu diesem Zeitpunkt war ich der Meinung, dass ich extreme Cellulite habe“, sagt Rosenthaler. „Aber dass es eine Krankheit ist, hätte ich nie vermutet. Dabei ist ein typisches Zeichen, dass Betroffene sehr oft einen schmalen Oberkörper haben und eben nur die Beine so dick sind.“ 

 

Unbekannte Krankheit Lipödem

Für die 42-Jährige geht die Odyssee nach der Diagnose weiter: Da das Lipödem noch zu jenen Krankheiten zählt, über die man wenig weiß, war es entsprechend schwierig, Informationen bezüglich Therapiemöglichkeiten zu bekommen.

Was die Behandlung massiv erschwert: Das Lipödem lässt sich weder durch Sport noch durch Diäten in den Griff bekommen. „Ich fühle mich so ohnmächtig, weil ich selbst nichts tun kann“, sagt Rosenthaler. „Ich könnte mich zu Tode hungern, meine dicken Beine und Oberarme würde ich trotzdem nicht wegbekommen. Es wächst und wächst und es gibt keine Chance, dass es besser wird. Das ist ein fürchterliches Gefühl.“ Sie kämpft mit den Tränen …

 

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Therapie im Wohnzimmer. Dieses Gerät lindert die Schmerzen der 42-Jährigen. (© Andreas Röbl)

Ständige Schmerzen

Dazu kommen ständige Schmerzen. Wer an einem Lipödem leidet, ist extrem druckempfindlich und bekommt sehr schnell blaue Flecken. Linderung verschaffen regelmäßige Lymphdrainagen sowie das Tragen von Kompressionskleidung. „Ich muss die Kompression ständig unter meiner normalen Kleidung tragen“, erklärt Rosenthaler. „Das nimmt einer Frau jegliche Weiblichkeit. Das Tragen von Schuhen mit höheren Absätzen oder Schmuck an den Händen ist für mich überhaupt kein Thema mehr, weil mir das zu sehr weh tun würde.“ 

 

„Spüre die Blicke der anderen ...“

Auch sportliche Aktivitäten wie Skifahren oder Wandern sind kaum mehr möglich. Trotzdem lässt sich die eloquente Mühlviertlerin von der Krankheit so wenig wie möglich einschränken. Sie geht in die Sauna ebenso wie an den Badesee. „Aber ich spüre natürlich die Blicke“, sagt sie wieder mit Tränen in den Augen, „und die unausgesprochenen Gedanken: ,Meine Güte, hat die fette Beine’. Ich kann mir ja kein Schild umhängen, auf dem steht, dass ich krank bin. Das belastet mich wahnsinnig.“

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Regelmäßigen Trainingseinheiten in Kompressionskleidung. (© Andreas Röbl)

Nur Operation hilft

Obwohl die 42-Jährige regelmäßig zur Lymphdrainage geht und auch zu Hause ein Gerät zur Entstauungstherapie hat, gibt es nur eine einzige Möglichkeit, die eine tatsächliche Besserung bringen würde: eine spezielle Form der Fettabsaugung. Anita Rosenthaler wird sich am Wiener AKH operieren lassen, da es in Oberösterreich kein öffentliches Krankenhaus gibt, in dem dieser Eingriff durchgeführt wird. Die Kosten dafür übernimmt die Ober-ös­terreichische Gebietskrankenkasse, weil die medizinische Notwendigkeit eindeutig gegeben ist und es sich um keine Schönheitsoperation handelt. Da das Lipödem eine chronische Krankheit ist, kann es allerdings sein, dass die krankhaften Fettzellen wieder kommen. „Mein Arzt hat mir gesagt, dass er mir nichts versprechen könne, wir aber in jedem Fall eine Verbesserung erzielen werden – und das alleine macht mich schon überglücklich“, sagt Rosenthaler und hat wieder Tränen in den Augen. Doch dieses Mal sind es Tränen der Freude!


Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, besonders an den Ober- und Unterschenkeln. Charakteristischerweise tritt es an beiden Beinen symmetrisch auf – von der Leiste bis zum Knöchel. Ebenfalls betroffen sein können die Arme. Die ersten Anzeichen treten häufig am Ende der Pubertät auf. Die genaue Ursache des Lipödems ist noch nicht geklärt. Von der Krankheit sind fast nur Frauen betroffen. Das dabei auftretende Fettgewebe ist übrigens kein Reservefett, wie es beim Übergewicht auftritt. Vielmehr sind die Fettzellen an den betroffenen Stellen vergrößert und im Vergleich zu normalen Fettzellen verformt.