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Lifestyle | 02.12.2014

Der neue Mann: zwischen Macho und Weichei

Er soll ein richtiger Mann sein. Die starke Schulter zum Anlehnen und Beschützen. Gleichzeitig wünschen Frauen ihn sich sensibel und aufmerksam. Die Anforderungen von heute stürzen so manchen Mann in die Krise.

Der Mann von heute hat es nicht leicht. Männlich und stark soll er sein, gleichzeitig sensibel, aufmerksam und verständnisvoll. Erfolgreich und mit ausgeprägtem Durchsetzungsvermögen im Job, daheim der fürsorgliche Familienvater, der auch im Haushalt mit anpackt. Und sind die Kinder abends im Bett, wäre er als leidenschaftlicher Liebhaber gefragt. 

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(Foto: Shutterstock)

Wunderwuzzi Mann?

„Wenn man schaut, welche Anforderungen die Gesellschaft heute an den Mann stellt, sollte er glatt ein Wunderwuzzi sein“, sagt David Oberreiter, interimistischer Leiter des Institutes für Psychotherapie an der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg. „Viel davon hängt mit un-serer Vergangenheit zusammen. Teilweise stammen diese Bilder vom Mann als Familienoberhaupt und Ernährer noch aus der Steinzeit. Und so etwas lässt sich nicht von heute auf morgen ablegen.“

Dennoch hat sich schon sehr viel verändert. Der alleinige Ernährer und Geldverdiener ist der Mann längst nicht mehr. Und während es vor 50 Jahren noch als Schande galt, als Mann einen Kinderwagen vor sich herzuschieben, sind Männer mittlerweile sogar schon in die Geburtsvorbereitung involviert und gehen auch immer öfter in Elternkarenz. 

 

Das Buben-Klischee

Viele Männer tun sich mit ihrer neuen Rolle schwer, weil sie schon als Kinder von den Eltern in ein klischeehaftes Rollenbild gedrängt wurden. Buben müssen immer stark sein und ihre Leistung bringen, Buben weinen nicht, Buben zeigen keine Emotionen – außer auf dem Fußballfeld. Wer das als Kind ständig hört, tut sich auch im Erwachsenenalter schwer, diese Verhaltensweisen und Muster abzulegen. 

Zudem würden häufig die passenden Vorbilder fehlen. „Das Umfeld trägt wesentlich dazu bei, wie sich ein Bub entwickelt“, erklärt Oberreiter. „Wie hat er gewisse Dinge vom Vater und anderen männlichen Bezugspersonen gesehen? Wie war das Verhältnis zwischen Vater und Mutter? Wie war ihr Umgang miteinander? Und hat es überhaupt männliche Identifikationsfiguren in seiner Kindheit gegeben?“ Oft sei es nämlich so, dass diese aufgrund von Trennung oder Scheidung fehlen und sich die Buben ein unrealistisches Männerbild aus den Medien abschauen.

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(Foto: Shutterstock)

 

Vater als Vorbild

Aus diesem Grund ist auch wichtig, dass sich Väter ihrer Verantwortung in der Erziehung bewusst werden und den Kindern ein positives Rollenbild vermitteln, in dem Platz für traditionelle und neue Werte ist. Mit ihrem Verhalten und ihren Denkweisen haben sie nämlich einen großen Einfluss auf ihre Kinder und deren späteres Rollenbild. „Wenn ein Vater seinem Sohn vorlebt, dass es in Ordnung ist, auch einmal Schwäche zu zeigen“, sagt der Experte, „wird es für diesen vollkommen normal sein, das ebenso zu leben. Auf diese Weise kann Schwäche zu zeigen sogar zur Stärke werden.“

In der Partnerschaft erfordert die starke Wandlung der Rollenbilder viel Verständnis auf beiden Seiten. „Wir müssen uns bewusst sein, dass wir in einer Zeit leben, in der es das klassische Rollenbild von Mann und Frau nicht mehr gibt“, betont Oberreiter. „Das ist für alle nicht einfach. Frauen möchten den starken Mann, der gleichzeitig sensibel ist. Das verunsichert Männer oft. Sie wissen nicht, wann sie wie sein sollen. Dazu kommt, dass sich viele Männer schwer tun, darüber zu reden. Gut wäre es dann, wenn die Partnerin ihn nicht unter Druck setzt und sauer ist, sondern ihm Verständnis entgegenbringen kann.“ Denn manchmal ist es einfach nur ein Missverständnis. Wie so oft in Partnerschaften …

Nicole Madlmayr