Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 21.06.2017

Das Smartphone im Kinderzimmer

Kinder und Smartphones – ein Thema, das viele Eltern beschäftigt. Wir haben die wichtigsten Fragen mit Medienpädagogin Patricia Groiß-Bischof besprochen.

Bild 1707_O_Leben_504343252.jpg
© Shutterstock

Laut der Kinder-Medien-Studie 2016 besitzen 40 Prozent der oberösterreichischen Sechs- bis Zehnjährigen ein eigenes Handy bzw. Smartphone. Bei den Acht- bis Zehnjährigen ist es sogar jedes zweite Kind. Mit diesen Zahlen einher geht eine große Verantwortung für die Eltern – und nicht selten auch Verunsicherung. Was ist das richtige Alter für ein Smartphone? Sollten „Handy-Regeln“ aufgestellt werden? Wie sieht ein altersgerechter Umgang mit dem Smartphone aus? Was ist erlaubt und wo sollte die Notbremse gezogen werden? Patricia Groiß-Bischof, BA, aus Hellmonsödt ist Medienpädagogin und kennt diese Fragen aus ihrem Arbeitsalltag.

 

Was ist die große Herausforderung für Eltern, wenn ihr Kind ein Smartphone bekommt?

Eine Herausforderung ist in jedem Fall, dass Erwachsene glauben, Kindern den Umgang mit Smartphones nicht beibringen zu müssen und deswegen nicht ausreichend Regelungen festgelegt werden. Im Idealfall wird das schon mit dem Kind besprochen, bevor es das Smartphone bekommt. In der Praxis ist es meist so, dass es entweder sehr lasche Regeln gibt oder gar keine. Häufig gehen Eltern davon aus, dass die Kinder ohnehin mehr Kompetenz haben und sich weitaus besser mit dem Handy auskennen als sie selbst. Damit geben sie automatisch die Verantwortung an die Kinder ab und überlassen sie sich selbst. Den Kindern fehlt damit eine Ansprechperson in der Familie, und das ist nicht gut.

 

Wie können diese Regeln aussehen?

Eltern geben ihren Kindern mit Regeln eine Unterstützung und auch Schutz. Dabei geht es zum Beispiel darum, wo die Smartphones in der Nacht sind. Nämlich nicht im Kinderzimmer. Damit kann man verhindern, dass die Kinder nachts online sind und etwa WhatsApp-Nachrichten schreiben. Um die Zeit zu begrenzen, kann man den Kindern zu Wochenbeginn zum Beispiel fünf Münzen oder Jetons geben. Jede steht für eine oder eine halbe Stunde Spielen am Handy. Die Kinder können sich selbst einteilen, wann sie die Münzen verbrauchen wollen. Somit lernen sie gleichzeitig, Selbstverantwortung zu übernehmen. Außerdem muss natürlich die grundsätzliche Nutzung besprochen werden – was etwa das Onlinestellen von Fotos betrifft und die Umgangsformen in sozialen Netzwerken. Schließlich tragen Eltern die Verantwortung dafür, was online passiert, bis das Kind 14 Jahre alt ist.

 

Wie alt sollte ein Kind sein, wenn es ein Smartphone bekommt?

Das lässt sich allgemein nicht sagen, weil es auch vom Kind, dessen Persönlichkeit und auch der Umgebung abhängt. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass ein Kleinkind oder Schulanfänger noch kein vollwertiges Smartphone mit Internetzugang braucht. 

Wie kann man ein Kind sozusagen digital begleiten, ohne dass es sich überwacht fühlt?

Natürlich wollen auch Kinder eine Privatsphäre haben. Inwieweit, das kommt auch auf das Verhältnis zwischen den Eltern und dem Kind an. Grundsätzlich sollte sich laufend über das Online-Leben des Kindes ausgetauscht werden. Sie können auch mal gemeinsam ein Spiel spielen oder Videos auf YouTube anschauen. Dann bekommen die Eltern ein besseres Bild davon, was ihr Kind online macht. Es ist sehr wichtig, dass Mütter und Väter sich dafür Zeit nehmen.

 

Machen Verbote in dieser Hinsicht Sinn?

Mehrwertnummern sperren zu lassen, macht auf jeden Fall Sinn. Und zum Beispiel nicht Google als Startseite einzustellen, sondern eine kinderadä­quate Suchmaschine, wie fragfinn.de. Natürlich kann man vieles sperren lassen, allerdings sind Kinder sehr kreativ, wenn sie etwas wirklich wollen. Wenn sie neugierig sind, werden sie Mittel und Wege finden. Und auf andere Kinder, Mitschüler und deren Smartphones hat man ohnehin keinen Einfluss. Ich kann nur noch einmal betonen: Das Gespräch bleibt nicht aus, es bildet die Basis für einen verantwortungsvollen Umgang mit Smartphone und Internet.

 

Was sind die großen Gefahren? Etwa die Weitergabe persönlicher Daten, wahllos Fotos online zu stellen, Treffen mit Online-Bekanntschaften, Wahrheitsgehalt von Meldungen – unterschätzen Kinder und Jugendliche das oftmals? Es heißt ja, dass das Internet nichts vergisst...

Auch hier ist es wichtig, mit den Kindern darüber zu sprechen. Selbst wenn man das Gefühl hat, sich den Mund fusselig zu reden, die Kinder müssen es immer und immer wieder hören. Weil wir Menschen dazu neigen, diese Gefahren auszublenden – nach dem Motto: Warum sollte ausgerechnet mir etwas passieren? Tatsächlich ist es so, dass das Internet nichts vergisst, und selbst wenn ein Foto wieder gelöscht wird, bleibt es weiterhin im Netz. Darum muss man Kindern und Jugendlichen klarmachen, dass sie gut überlegen sollen, ob und was sie online stellen.

 

Täglich posten Kinder und Jugendliche zahllose Fotos auf Instagram, Snapchat & Co. Was macht den Reiz aus, sich ständig öffentlich zu zeigen?

Grundsätzlich ist es eine völlig normale Jugendentwicklung, weil es einerseits heute dazu gehört und andererseits getestet wird, wie attraktiv man für das andere Geschlecht ist. Mit diesen Fotos grenzen sich die Jugendlichen auch ein Stück weit von der vorigen Generation ab. Früher war der Aktionsradius nicht so groß, da hat man das auf Festen in der Region gemacht. Heute müssen sich die Jugendlichen einem weltweiten Vergleich stellen und im besten Fall herausstechen. Daraus entsteht ein großer Druck, den auch Erwachsene nicht unterschätzen sollten.

 

Die Versuchung, zu anderen gemein zu sein, ist in sozialen Medien viel größer als im direkten persönlichen Kontakt – Stichwort: Cyber-Mobbing. Was können Eltern in so einem Fall tun, vielleicht auch schon präventiv, damit das Kind erst gar nicht zum Täter/Opfer wird?

Nehmen wir das Beispiel WhatsApp. Da kommen Kinder zum ersten Mal in ihrem Leben in einen Raum, wo es keine sichtbaren Regeln gibt. Gefühlt ist alles erlaubt. Das fühlt sich am Anfang super an – bis die ersten unangenehmen Dinge in einer Gruppe passieren. Dann ist es nicht mehr super. Bei meinen Workshops erkläre ich ihnen, weshalb gewisse Regeln im Umgang miteinander auch in Chats wichtig sind. Weil es eben allen gut tut. Das ist nichts anderes als in einer Klasse oder im Straßenverkehr, wo es auch Regeln gibt. Gerade wenn es schon mal schief gegangen ist, sind Kinder dankbar für diese Regelungen. Auch hier gilt das alte Sprichwort: „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg‘ auch keinem anderen zu!“

 

Wie können Eltern einen positiven Umgang vorleben?

Mama und Papa sind wichtige Vorbilder. Idealerweise lernen Kinder von ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Smartphone. Allerdings müssen sie es wirklich vorleben. Man kann nicht vom Kind fordern, das Handy erst nach dem Frühstück in Verwendung zu nehmen, wenn die Eltern selbst neben dem Kaffeetrinken ihre Mails checken. Immer öfter ist es ja auch so, dass Eltern bei Veranstaltungen ihrer Kinder, etwa im Kindergarten oder in der Schule, gar nichts mehr mitbekommen, weil sie viel zu sehr damit beschäftigt sind, die Fotos nahezu in Echtzeit online zu stellen. Da dürfen die Eltern ruhig ein bisschen strenger und konsequenter mit sich selbst sein! Und sie dürfen auch digitale Auszeiten vorleben und ihrem Kind ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Das Handy darf ruhig einmal läuten, ohne dass man gleich aufspringt und rangehen muss. Kindern tut es unglaublich gut, wenn Eltern aus diesem Multitasking-Modus heraussteigen und sich nicht ständig ablenken lassen.         


 

Patricia Groiß-Bischof macht als Medienpädagogin Workshops und Vorträge für Kinder, Eltern und Pädagogen. Mehr Infos dazu gibt es auf ihrer Webseite www.idea-ludendi.at.

 

Weitere Links für Eltern:

www.saferinternet.at

www.digi4family.at

www.werdedigital.at

Info-Videos für Eltern:

www.fragbarbara.at

Kindersuchmaschine FragFinn:

www.fragfinn.de