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Lifestyle | 21.03.2017

Das große Krabbeln

Krabbeln wie ein Baby als Fitness-Workout? Was erst etwas eigentümlich anmutet, ist bei näherer Betrachtung ein ganzheitliches Training für Körper und Gehirn. Der Linzer Physiotherapeut und Tanzlehrer Johannes Randolf hat darüber jetzt ein Buch geschrieben.

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Johannes Randolf ist Physiotherapeut und Tanzlehrer. (© Markus Schneeberger Photography)

Tatsächlich gilt Krabbeln wie ein Baby als der Fitnesstrend des Jahres. Besonders in Australien, China und den USA boomt es bereits. In Oberösterreich beschäftigt sich der Linzer Johannes Randolf mit diesem Training auf allen vieren bereits seit geraumer Zeit. Der Grund: Der 49-Jährige lehrt Tanz an der Anton Bruckner Universität und ist zudem als Physiotherapeut tätig. Eine Arbeit, die dazu geführt hat, dass sich Randolf immer wieder mit Problemen durch zu viel Sitzen oder Stehen und einseitigem Training in Fitnesscentern beschäftigte. Und eben daraus hat er ein Krabbel-Workout entwickelt, das zum einen sogar jene Muskeln stärkt, von denen die meisten Menschen gar nicht wissen, dass es sie gibt. Zum anderen stimuliert es durch den ständigen Links-Rechts-Wechsel das Gehirn und beugt so Demenz und Alzheimer vor.

„Es ist das natürlichste Fitness­training der Welt“, betont Randolf. „Bevor sich die Schulmedizin bei der Behandlung des Bewegungsapparates durchgesetzt hat und das Krabbeln aus dem Lehrplan der Physiotherapie verschwunden ist, haben es die Ärzte bereits erfolgreich angewendet. Jetzt kehrt dieses Trainingskonzept zurück.“

Geeignet ist es übrigens sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene.

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„Krabble! Training für Körper und Gehirn mit den natürlichen Bewegungen der Babys“, Johannes Randolf, Verlag edition a; € 21,90

Krabbeln – das bringt's!

 

1. Kräftigung von Muskeln und Muskelketten: Jede natürliche menschliche Bewegung ist dreidimensional und belastet nicht einzelne Muskeln, sondern ganze Muskelketten. So auch das Krabbeln, das zudem einen Ausgleich zwischen der linken und der rechten Körperhälfte herstellt. „Jeder Mensch hat eine stärkere und eine schwächere Seite“, sagt Randolf, „und trainiert automatisch die stärkere mehr. Beim Krabbeln geht das nicht!“

2. Kräftigung der Diagonale: Krabbeln stärkt laut Randolf vor allem die Kreuzungspunkte der Diagonalen im Körperschwerpunkt, dem Rumpf, was Rückenbeschwerden und Bandscheibenprobleme verhindert oder heilt.

3. Kräftigung des Oberkörpers: Durch den aufrechten Gang sind vor allem die Beine belastet, der Oberkörper kommt zu kurz. Das Krabbeln beansprucht beides – was besonders für Anfänger eine große Herausforderung ist.

4. Kräftigung der Beine: Vor allem die Übungen für Fortgeschrittene, bei denen Krabbler die Knie vom Boden abheben, stärken auch die Beine.

5. Kräftigung des Halses: Wer richtig krabbelt, hält den Kopf automatisch in der richtigen Position und stärkt dabei die Hals- und Nackenmuskulatur, was wiederum gegen Verspannungen und Schmerzen in diesem Bereich hilft.

6. Kräftigung der intrinsischen Muskulatur: Die intrinsischen Muskeln liegen unter den bekannten sichtbaren Muskeln und sind dafür zuständig, die Gelenke richtig in den Pfannen zu führen. Je besser diese Muskeln trainiert sind, umso geschmeidiger sind die Bewegungen und umso gesünder bleiben die Gelenke.

7. Mobilisierung der Wirbelsäule: Befindet sich der Mensch in der Waagrechten, also beim Krabbeln, ist der Druck von den Wirbeln und den Bandscheiben weg. Die Wirbelsäule befindet sich mit ihrer Krümmung in der von der Anatomie vorgesehenen Position. Wird sie wie beim Krabbel-Workout auch noch verschraubt, also der Oberkörper gegen den Unterkörper verdreht, hat das eine stark mobilisierende Wirkung auf die Wirbelsäule.

8. Verbesserung der allgemeinen Beweglichkeit: Durch zu viel Sitzen entsteht eine so genannte Beckenverkippung, die Probleme mit Hüften, der Lenden- und Halswirbelsäule sowie mit den Schultern zur Folge haben kann. Beim Krabbeln befindet sich das Becken automatisch in der anatomisch richtigen Position.

9. Verbesserung der Koordination: Beim Krabbeln verbinden sich die linke und die rechte Körperhälfte besser miteinander. „In einem gut koordinierten Körper sind wir zu vielfältigeren und spontaneren Bewegungen fähig, etwa wenn wir uns beim Stolpern abfangen“, erklärt Randolf.

10. Training des Gehirns: Die medizinische Forschung hat nachgewiesen, dass Krabbeln – ähnlich wie bei Babys – auch Impulse an das Gehirn von Erwachsenen sendet. Die Folgen sind eine höhere Merkleistung und ein geringeres Demenz- und Alzheimer-Risiko.

 

Einige tolle Krabbel-Übungen findest du in unserer März-Printausgabe! 

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"Simple Crawl". (© Markus Schneeberger Photography)