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Lifestyle | 08.04.2020

Corona kindgerecht erklärt!

Primar Adrian Kamper, Leiter der Psychosomatik für Kinder und Jugendliche am Klinikum‐Standort Grieskirchen, gibt Tipps, wie Corona‐Gespräche mit Kindern verlaufen können.

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Primar Dr. Adrian Kamper, Leiter des Departments für Psychosomatik für Säuglinge, Kinder und Jugendliche, Klinikum Wels‐Grieskirchen. © Klinikum Wels‐Grieskirchen / Nik Fleischmann

Angst & Panik relativieren
Warum müssen wir plötzlich viel öfter Händewaschen als sonst? Warum tragen die Menschen in der Öffentlichkeit auf einmal Schutzmasken? Egal ob Kleinkind oder Teenager, die aktuellen Veränderungen in unserer Gesellschaft gehen nicht unbemerkt am Nachwuchs vorbei. Eltern sind noch mehr als sonst in ihrer Rolle als sichernde Bezugspersonen gefordert. Ihren Informationen rund um das Thema Corona vertrauen die Kinder – so ist es möglich, Falschinformationen sowie Angst, Panik und Bedrohung erzeugende Vorstellungen zu relativieren. Adrian Kamper, Leiter der Psychosomatik für Kinder und Jugendliche am Klinikum‐Standort Grieskirchen, gibt Tipps, wie Corona‐Gespräche mit Kindern verlaufen können.

Altersgerecht informieren
Mit Kindern über Corona zu sprechen ist wichtig – dies sollte aber altersentsprechend geschehen. „Geben Sie Kindern sachliche Informationen, aber passen Sie Menge und Details an das Alter Ihres Kindes an! Die Informationen der Nachrichtensendungen sollten gefiltert und nicht eins zu eins weitergegeben werden“, rät Adrian Kamper, der die Arbeitsgruppe Psychosomatik der Österreichischen Gesellschaft für Kinder‐ und Jugendheilkunde (ÖGKJ) leitet. „Können Kinder Fragen stellen und bekommen sie darauf ruhige, klare Antworten, ist dies ein guter Weg, um Ängste zu lindern“, ergänzt der Mediziner, der auch die Kinder‐ und Jugendheilkunde am Standort Grieskirchen leitet. Eltern sollten sich für die Fragen ausreichend Zeit nehmen und Zuwendung signalisieren.

Corona-Youtube-Video
Naturgemäß haben Heranwachsende viele Fragen zur Welt um sie herum: Mit wahrheitsgetreuen, aber gefilterten, und vor allem einfachen Antworten kann übertriebenen Sorgen und Ängsten auf Seiten der Kinder vorgebeugt werden. Dabei ist es auch okay zu sagen: „Ich weiß es nicht.“ Man kann ergänzen „Aber viele Menschen arbeiten daran, die Antwort auf diese Frage herauszufinden.“ Und das Kind ermutigen: „Wenn du selbst Vorschläge hast, erzähle mir davon!“. Der Grieskirchner Kinder‐Primar empfiehlt das Corona‐Youtube‐Video der Stadt Wien, das Kindern das Coronavirus einfach erklärt.

https://www.youtube.com/watch?v=_kU4oCmRFTw

 

So erklären Eltern Corona altersgerecht

Für Kleinkinder: kurz und unkompliziert

  • unkomplizierte kurze Sätze
  • Konzentration auf heute und morgen  
  • Geschichten und Spielsachen einbeziehen
  • Veränderungen einfach erklären: „Mami arbeitet jetzt von zuhause"
  • Wichtigste Faktoren, die stabil bleiben müssen: Essen, Schlafen, Spielen, Nähe

Für 4 bis 7‐Jährige: Wiederholungen sind wichtig

  •  begreifen Krankheit anhand einfacher Symptome, wie zum Beispiel Husten
  • Ursache und Wirkung aufzeigen: „Wir waschen uns die Hände und schützen uns so vor dem Virus.“
  •  besser mehrmalige Wiederholungen als komplexe Erklärungen wichtig ist „die Welt im hier und jetzt“: was geht rundum vor sich, was passiert als nächstes, wie fühlt es sich gerade an

Für 7 bis 12‐Jährige: Achtung Stressanzeichen

  •  verstehen, dass Krankheit unterschiedliche Symptome haben kann
  •  dass nicht alle Prozesse im Körper sichtbar sind
  • dass nicht jeder Husten Anzeichen für Corona ist
  • Stress zeigt sich nun häufiger körperlich, etwa durch Bauch‐ und Kopfschmerzen, oder psychisch, wie durch den Wunsch nach mehr Nähe

Für Jugendliche

  •  verstehen, dass sich Zukunft unterschiedlich entwickeln kann, machen sich Gedanken und Sorgen über Zukunft
  • Kommunikation mit Freunden, Infos über Internet und Social Media
  • Gefahr von Falschinformationen, deshalb Kommunikation darüber wichtig
  • zuverlässigen Quellen nützen – etwa über WHO:

Für alle Altersgruppen gilt

Verstärkter Stress kann sich durch körperliche Beschwerden oder psychische Reaktionen zeigen, unter anderem durch Bauch‐ oder Kopfschmerzen, verstärktes Herzklopfen, vermehrte Suche nach Zuwendung, Unruhegefühl, Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen.

Rat und Hilfe!

Telefonische Hilfe:
Bei drohender oder erlebter aggressiver Eskalation in der Familie sowie bei großen Sorgen und Nöten ist es wichtig, mit Experten Kontakt aufzunehmen.

  •  Telefonseelsorge 142
  • für Jugendliche: Rat auf Draht 147
  • Opferschutzeinrichtungen: Gewaltschutzzentrum OÖ +43 732 60 77 60 und
  • Krisenhilfe OÖ +43 732 2177