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Lifestyle | 17.04.2018

Bom dia, Lissabon!

Von 8. bis 12. Mai geht in Lissabon der Eurovision Song Contest über die Bühne. Wir haben die Hauptstadt Portugals, die sich für das Musikspektakel bereits groß herausputzt, bei einem Kurztrip erkundet.

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© Shutterstock

Nach einem kurzweiligen dreieinhalb Stunden dauernden Direktflug von Wien kommend, erwartet mich Lissabon bei frühlingshaften Temperaturen. Kaum in der hippen Ferienwohnung angekommen, kann ich es kaum erwarten, die Stadt der sieben Hügel zu erkunden. Also nichts wie raus – Lissabon, ich komme! Bergauf, bergab geht es durch die kleinen Gassen. Oben angekom­men, wird man jedes Mal aufs Neue belohnt – der Blick über Lissabon ist einfach traumhaft schön! Und sollte man am Ende des Tages erschöpft oder nicht so gut zu Fuß sein, kein Problem. Dann steigt man einfach in eine ums Eck quietschende Tram, ohne die Lissabon nicht Lissabon wäre. Speziell die Carreira 28E dos Eléctricos de Lisboa, in Gelb gehalten, ist bei Touristen heiß begehrt – trotz langer Anstellzeiten, aber das ist eine andere Geschichte. Genauso gut könnte man mit einer anderen Linie die Stadt genießen, und sie würde dadurch kein bisschen von diesem unvergleichbaren melancholischen Charme verlieren. Diese tolle Atmosphäre und die Freundlichkeit der Einheimischen erobern schnell mein Herz.

Sehenswürdigkeiten. Er wirkt mächtig, der Wehrturm „Torre de Belém“ im Fluss Tejo, der als Lissabons Wahrzeichen aus der manuelinischen Epoche gilt. Irgendwie wirkt er aber auch verspielt, genauso wie die bunten Kacheln, die viele Häuser in der Stadt zieren. Unbedingt ansehen sollte man sich auch das geschichtsträchtige Denkmal der Entdeckungen, das „Padrão dos Descobrimentos“ am Tejo und die Ponte 25 de Abril, die auf den ersten Blick der Golden Gate Bridge in San Francisco gleicht. Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch des Ozeanariums in Lissabon. Auf zwei Etagen kann man im zweitgrößten Meeresaquarium der Welt mehr als 100 exotische Fischarten und Meerestiere entdecken.

Alfama, das alte Lissabon. Im Stadtviertel Alfama entdecke ich das alte Lissabon. Unter der Castelo de São Jorge findet man ein Gewirr aus kleinen Gassen, verwinkelten Treppen und Mosaikkacheln. Hier bahnt sich auch die nostalgische Straßenbahn ihren Weg. Berühmt ist das Viertel auch für seine Fado-Lokale, in denen der portugiesische Musikstil noch heute zelebriert wird. Außerdem gibt es viele Miradouros, die berühmten Aussichtsplattformen, und barocke Kirchen. Auch wenn Alfama nicht mehr das Zentrum Lissabons ist, einen Besuch ist es allemal wert.

Von der Stadt an den Strand. Wer die Kombination zwischen Sightseeing in der Stadt und Chillen am Strand mag, ist in Lissabon garantiert richtig. Mit dem Vorortszug erreicht man den stadtnahen und bei Surfern beliebten Strand Carcavelos in nur 20 Minuten. Auch in den Städten Estoril und Cascais, westlich von Lissabon direkt an der Atlantikküste, findet man traumhafte Strände. Sie sind ebenfalls mit dem Zug von Lissabons Bahnhof am Cais do Sodré einfach erreichbar.

Kurztrip in Lissabon
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Kulinarische Highlights am Time Out Market
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Die gelben Trams prägen das Stadtbild Lissabons.
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Das älteste Kaffeehaus von Lissabon
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Kulinarik und Lifestyle. Fest steht, dass Lissabon eine Stadt für Genießer ist. Lifestyle wird großgeschrieben und ausgiebig zelebriert. Das lässt sich in coolen Dachterrassenlokalen ebenso beobachten wie in trendigen Locations am Ufer des Tejo bis hin zu traditionellen Kaffeehäusern. So erweist sich etwa der „Time Out Market“ – eine modern ausgestattete Location im alten Gemäuer einer Markthalle – als echtes Highlight. In einzelnen Kojen werden unterschiedlichste Produkte angeboten, und egal, ob sie vom Land oder aus dem Wasser stammen, auf asiatische Art oder regional zubereitet werden – es ist für jeden Geschmack etwas dabei, und wer will, kann als Draufgabe sein eigenes Bier zapfen.

Hippe Blechsardinen. Und dann wären da noch diese bunten lustigen Fischdosen, gefüllt mit eingelegten Sardinen, Makrelen oder Thunfisch, die es an allen Ecken und Enden der Stadt zu kaufen gibt. Einige Läden, wie etwa die „Fábrica das Enguias“ in der Rua da Prata 66, sind ein richtiger Hingucker. Hier ist es gelungen, die Blechbüchsen richtig hip zu gestalten. Auf wenigen Quadratmetern herrscht eine perfekte Mischung aus Tradition und coolem Design.

Kaffeehauskultur wird großgeschrieben. Die Portugiesen lieben vor allem eines: Kaffee inklusive Kaffeehauskultur. Mindestens zwei- bis dreimal täglich gehen sie ins Stammcafé und trinken im Stehen am Tresen ihren Bica, einen kleinen Espresso, oder einen Milchkaffee namens Galão, der selten mehr als einen Euro kostet. Sie tratschen freundlich mit der Bedienung, und es macht richtig Spaß zuzuhören, auch wenn man kein Wort Portugiesisch versteht.

Fado-Lokal rührt zu Tränen. Es gäbe noch so viel zu sehen und zu erleben in dieser schönen, weit über 500.000 Einwohner zählenden Stadt. Was ich aber auf keinen Fall versäumen wollte: einen Besuch in einem Fado-Lokal. Und auch hier war das Glück auf meiner Seite. Ganz zufällig „stolperte“ ich in ein kleines, uriges Lokal in der Alfama und hörte voll Demut die Lieder, die von großen Emotionen, aber auch vom Leben der kleinen Leute handeln. Auch wenn man der Sprache nicht mächtig ist, merkt man die Wehmut in diesem Gesang. Und Wehmut macht sich auch bei mir breit, als ich meine vielen Erinnerungsstücke einpacke und in den Flieger nach Hause steige.

Fazit: Lissabon ist immer, aber ganz besonders im Frühling einen Kurztrip wert.