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Lifestyle | 09.08.2021

Alles kann, nichts muss!

Wir leben in einer offenen Gesellschaft, Sex und Erotik sind überall: Artikel in Printmedien, Fokus im Fernsehen, erotische Bestseller, TV-Werbung für Sextoys, einschlägige Podcasts, frei zugängliche Pornografie im Internet. Fördert das die Lust und die Experimentierfreude oder erhöht es vielmehr den Druck?

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Es gibt selbstbestimmte und partnerbestimmte Sexualität. Besonders Frauen neigen dazu, sich nach dem Partner zu richten. © Shutterstock

Liebe, Sexualität und Partnerschaft befinden sich in einem Wandlungsprozess. Alternative Beziehungsformen abseits traditioneller Bindungen nehmen zu. Während die Sexualmoral früher durch äußere Autoritäten wie Kirche oder staatliche Institutionen bestimmt war, gilt heute als okay, womit alle Beteiligten einverstanden sind. Vieles, was noch vor einer Generation undenkbar war, wird heute akzeptiert. Sexualität wird auch außerhalb fixer Beziehungen gelebt und manche Menschen konsumieren Sex wie einen Genussartikel. Im Internet findet jeder Mensch für nahezu jede sexuelle Neigung oder Vorliebe ein entsprechendes Pendant.

Sex ist omnipräsent. Das Thema Sex ist omnipräsent, die Probleme sind jedoch nicht weniger geworden, sondern anders. Viele Menschen fühlen sich zusehends unter Druck gesetzt. „Bin ich langweilig, weil ich noch nie im Swingerclub war, keine Fesselspiele ausprobiert habe und Analsex eklig finde?“ Solche und ähnliche Fragen werden mir immer wieder von Klientinnen gestellt. Leider machen viele (speziell junge) Frauen bei sexuellen Praktiken mit, die ihnen keinen Spaß machen oder sogar Schmerzen bereiten – aus Angst, den Partner zu verlieren oder als fad zu gelten.  Besonders Jugendliche, die mit Pornografie aufwachsen, glauben oft, die dort gezeigten Praktiken gehören zum Sex dazu.

Klare Ansagen. Sexuelle Freiheit ist etwas Wunderbares! Ich finde es großartig, wenn jeder Mensch seine individuelle Sexualität ausleben kann. Sie bringt allerdings auch Unsicherheiten. Laut Studien ist bei jungen Menschen eine Rückkehr zu traditionellen Werten zu beobachten: Treue spielt zum Beispiel eine größere Rolle als in der Generation zuvor.  

Bei der Vielzahl an sexuellen Möglichkeiten muss man klar sagen, was man will und vor allem auch, was man nicht will! Der amerikanische Sexualtherapeut David Schnarch unterscheidet zwischen selbstbestimmter und partnerbestimmter Sexualität. Lebt man eine selbstbestimmte Sexualität, fragt man sich zuerst, was man selbst will. Dabei wird in Kauf genommen, dass der Partner eventuell irritiert reagiert. 

Gerade Frauen neigen allerdings zur partnerbestimmten Sexualität und richten sich eher nach dem Partner. Warum? Zum einen, weil sie Bestätigung suchen und Angst vor Ablehnung haben. Auf der anderen Seite, weil sie selbst nicht so genau wissen, was sie wollen bzw. nicht wollen – oder weil sie es sich nicht zu sagen trauen. 

Eigene Wünsche kennen. Der erste Schritt ist also, sich mit der eigenen Sexualität zu beschäftigen und die eigenen Wünsche, Bedürfnisse, Grenzen und No-Gos herauszufinden. Je klarer Sie selbst sind, desto leichter können Sie artikulieren, was Sie möchten und vor allem auch, was Sie nicht möchten. 

Wir sind soziale Wesen, die auf Kommunikation angewiesen sind. Sex ist eine intime, körperliche Art der Kommunikation. Die Qualität der sprachlichen Kommunikation wiederum hat einen großen Einfluss auf das Sexualleben eines Paares. 90 Prozent der Menschen, die mit ihrem Liebesleben zufrieden sind, reden darüber!

Neues ausprobieren – wenn man will. Dem Partner zuliebe etwas zu tun, was Sie eigentlich gar nicht möchten, kann verschiedenste Auswirkungen haben. Unterschwellige Aggressionen, körperliche Beschwerden oder Lustlosigkeit sind nur drei Beispiele, wie Reaktionen aussehen können. 

Das heißt nicht, dass Sie nicht auch mal etwas Neues ausprobieren oder aus Ihrer Komfortzone heraustreten dürfen. Wenn Sie Ihre Grenzen kennen, können Sie diese auch bewusst übertreten. Und davor genau besprechen, unter welchen Bedingungen Sie das tun möchten. 

 

"Setzen Sie sich mit Ihren eigenen sexuellen Bedürfnissen auseinander! Nur so können Sie wissen, was Sie wollen und vor allem, was Sie nicht wollen." - Doris Kaiser

Wenn Sie Unterstützung beim Entdecken Ihrer individuellen Sexualität brauchen, bin ich gerne für Sie da!

www.doriskaiser.com