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Lifestyle | 29.11.2022

4. Teil der Beziehungsserie

Verzeihen ist ein Prozess. Warum eigentlich?

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Verletzungen passieren überall. Egal ob in der Familie, im Freundeskreis, in der Partnerschaft oder im Job. Völlig unabhängig davon, ob die Verletzung absichtlich oder unabsichtlich passiert ist, dauert es manchmal, bis sie wieder heilen kann. Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? © Shutterstock

„Es tut mir leid, aber das habe ich jetzt schon hundert Mal gesagt.“

In der Theorie wäre es einfach: Auf eine Verletzung folgt eine Entschuldigung, auf die Entschuldigung folgt die Versöhnung. Alles wieder gut. Oder fehlt in dieser Aufzählung etwas? Ja, etwas Wesentliches: Das Verzeihen. Gerade von Seiten der "Verursacherin" oder des „Verursachers“ wird dies manchmal fast vergessen. Denn am liebsten sollte es ja gleich wieder so weitergehen, als wäre alles wieder gut. Aber selbst wenn die Entschuldigung – oder im Idealfall die fünf Wiedergutmachungen, wie in den vorangegangenen Teilen dieser Serie beschrieben – ehrlich, aufrichtig und gefühlvoll war, braucht es zum Verzeihen noch etwas mehr.

 

  1. Schmerz ausdrücken: Das Wichtigste vorne weg: Die verletzte Person muss ihren Schmerz ausdrücken können. Das braucht sowohl Raum, als auch Zeit und vor allem Worte. Erst wenn diese Möglichkeit gegeben ist und der Schmerz von der verursachenden Partnerin oder dem Partner gesehen und gehört wurde, ist verzeihen überhaupt möglich.

Warum? Durch das Hören und Sehen der Verletzung, fühlt sich die verletzte Person mit dem Schmerz nicht mehr alleingelassen und spürt, dass die oder der verursachende PartnerIn „mitfühlt“.

 

  1. Mitfühlen: Genau dieses Mitfühlen ist es, das die positive Wende ermöglicht: Es ist deshalb so wichtig, weil die oder der Verletzte dadurch spürt, dass sie oder er dem oder der PartnerIn nicht egal ist. Das ist für die Bindungsbedürfnisse und den Heilungsprozess maßgeblich. Wenn die Partnerin oder der Partner versteht, dass das Erlebte für den anderen schlimm war, kann man außerdem davon ausgehen, dass es nicht wiederholt wird. Das vermittelt Sicherheit.

 

  1. Fehlendes nachholen: Gleichzeitig passiert aber noch etwas anderes: Sobald die oder der Verletzte ausdrücken kann, wie groß der Schmerz, die Angst oder die Ohnmacht waren, wird es auch möglich zu sagen, was sie oder er in dieser Situation gebraucht hätte. Die Partnerin oder der Partner kann in diesem Moment nun mit der Empathie, dem Mitgefühl und dem Verständnis reagieren, das vorher gefehlt hat - dadurch kann die Situation dieses Mal „gut“ ausgehen bzw. wieder „gut werden“.

 

Verletzungen sind aber nicht immer auch als Verletzung erkennbar. Sehr oft tauchen sie in Form von Rückzug, Vorwürfen und Kritik auf. Üblicherweise reagiert die oder der PartnerIn darauf meist ähnlich: mit Gegenvorwürfen, (noch mehr) Kritik oder (noch drastischerem) Rückzug. Die Situation schaukelt sich hoch, ein Teufelskreislauf entsteht. Statt der beiderseits dringend benötigten Annäherung, driftet das Paar immer weiter auseinander.

 

Was hilft in so einer Situation? Ganz klar: der Blick auf die Bedürfnisse – sowohl auf die eigenen als auch auf die der Partnerin oder des Partners. „Ich wünsche mir von dir/ ich brauche…, das würde mir wirklich helfen.“ „Du wirkst als ob du …, was brauchst du von mir, wie kann ich dir wieder Sicherheit/Liebe/Vertrauen/… vermitteln?“

Nur wenn wir „bindungsorientiert“ miteinander umgehen, können wir große Zerwürfnisse und Entfremdung innerhalb der Partnerschaft größtenteils vermeiden und glückliche und zufriedene Beziehungen führen.   „Bindungsorientiert“ bedeutet, dass wir uns selbst und der Partnerin oder dem Partner zugestehen, dass wir als Menschen alle das Bedürfnis haben, uns gut aufgehoben, geliebt, wertgeschätzt und verbunden zu fühlen. Nur so leben wir glücklich miteinander. Manchmal sogar „bis dass der Tod uns scheidet.“

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Das war der 4. Teil der Beziehungsserie „Wie versöhnt man sich nach einem Streit nachhaltig?“ von Mag. Anna Thaler. © Shutterstock
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Mag. Anna Thaler Paarberaterin, Systemischer Coach, Psychologische Beraterin, Aufstellungsleiterin, Yogalehrerin © privat

Mag. Anna Thaler
Paarberatung Gmunden -
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