Loading…
Du befindest dich hier: Home | Events

Events | 08.03.2017

Für alle Felle Rütter

Am 24. März beehrt der „Dogfather der Hundeerziehung“ mit seinem aktuellen Programm „nachSITZen“ die TipsArena Linz. Ein Interview mit Martin Rütter

Bild 1703_O_Kultur_Ruetter2.jpg
© Marc Rehbeck

Martin Rütter begibt sich in seinem aktuellen Programm „nachSITZen“ mit seinem Publikum auf eine einzigartige Exkursion durch die Hundehütten dieser Nation. Tiefenpsychologisch, schonungslos ehrlich und extrem witzig durchschaut er die Spielchen der Vierbeiner und erkennt die Schwächen der Zweibeiner. Wir haben den Hundeflüsterer zum Talk gebeten.

 

Woher kommt Ihre Begabung zum „Hundeflüsterer? Wann und wie haben Sie sie entdeckt?

Ich hatte schon immer einen engen Draht zu Hunden, obwohl ich als Kind keinen Hund haben durfte, da meine Eltern auch heute noch jedes Tier als überflüssig ansehen, das man nicht auf den Grill legen und essen kann. Ich habe aber bereits in meiner Jugend die Hunde der Nachbarn ausgeführt und die Hunde meiner Tante Thea ohnmächtig gekrault. Sie hatte in den 80er-Jahren eine Art Pflegestelle für gestrauchelte Tiere – und sie besaß die außergewöhnliche Gabe, Hunde, die anfangs noch ganz wunderbar waren, binnen weniger Wochen dermaßen verrückt zu machen, dass man das Haus nicht mehr angstfrei betreten konnte. Mich hat schon damals brennend interessiert, warum so viele Menschen um mich herum Probleme mit ihren Hunden hatten. Daraufhin habe ich Unmengen an Hundeliteratur konsumiert, viele Referenten erlebt und Praktika absolviert.

Bild 1703_O_Kultur_Ruetter1.jpg
© Marc Rehbeck

Wo werden die meisten Fehler in der Hundeerziehung gemacht?

Es gibt drei Kardinalfehler: erstens die extreme Vermenschlichung, denn diese schürt Erwartungen, die der Hund niemals erfüllen kann. Ein Hund kann nicht denken und handeln wie ein Mensch. Dazu kommt mangelnde Konsequenz. Menschen stellen Regeln auf, gehen dann aber zu lax mit diesen um. Immer sonntags darf der Hund mit am Frühstückstisch sitzen und bekommt sein Leberwurstbrötchen, an den anderen Tagen aber nicht. Das kapiert kein Hund und verunsichert ihn nur. Ein Hund benötigt klare Regeln, nur so kann er Vertrauen zu seinem Menschen aufbauen und sich auch in schwierigen Situationen auf ihn verlassen. Und ein weiteres Problem ist die mangelnde Beschäftigung. Hunde brauchen körperliche und geistige Auslastung.

 

Ist es okay, wenn Hunde mit im Bett schlafen, auf dem Sofa liegen und von unserem Essen mitessen dürfen? Oder vermenschlichen wir unsere Hunde oft zu sehr?

Ich persönliche mache das bei meinen Hunden immer davon abhängig, in welchen Lebensräumen wir uns gerade bewegen. Aber es gilt immer: Wenn ich sage Nein, dann ist es Nein. Es geht also darum, dass der Mensch die Entscheidung trifft und nicht der Hund. Bei dem Thema Vermenschlichung muss man allerdings ebenfalls ein wenig differenzieren. Wenn man seinen Hund mal vermenschlicht, geht ja nicht direkt die Welt unter. Ich habe meinen Hunden abends auf der Couch auch schon mal meine Sorgen und Nöte des Tages erzählt. Kein Problem. Es darf nur nicht eskalieren, dass ich permanent meine Wünsche auf den Hund projiziere. Das schürt Erwartungen, die der Hund niemals erfüllen kann. Die Kernfrage lautet: Was stört den Hund? So lange der Hund in seiner geistigen und körperlichen Freiheit nicht eingeschränkt wird und nach seinen natürlichen Bedürfnissen entspannt leben kann, ist alles okay. So ist beispielsweise gegen ein mit Diamanten besetztes Halsband nichts zu sagen, denn es beeinträchtigt den Hund nicht. Das gilt auch für das pinkfarbene Märchenschloss als Hundehütte. Dagegen habe ich nichts. Gefährlich wird’s aber, wenn der Hund zum Oktoberfest ins Dirndl gezwängt wird. Da hört der Spaß auf, das ist Tierquälerei.

Bild 1703_O_Kultur_Ruetter3.jpg
© Guido Engels

Haben Sie einen allgemeingültigen Tipp, wie (zukünftige) Hundebesitzer eine gute Beziehung zu ihrem Hund aufbauen bzw. wie sie die Beziehung zu ihrem Hund vertiefen können?

Ganz wichtig ist hier, dass zukünftige Hundebesitzer noch vor der Anschaffung schauen sollten, welcher Hund überhaupt zu ihnen passt. Ich muss immer berücksichtigen, welche Bedürfnisse und Charaktereigenschaften habe ich, welche Bedürfnisse und Charaktereigenschaften hat der jeweilige Hund? Ist das miteinander vereinbar? Dazu muss man sich im Klaren sein, was das Zusammenleben mit einem Hund bedeutet. Für einen Hund muss man ausreichend Zeit haben und die Bereitschaft, sich auf seine Persönlichkeit, seine Kommunikationsstruktur, seine Wünsche, seine Stärken und Schwächen einzulassen, nur so kann ich ihm ein artgerechtes und glückliches Leben bieten. Zeit ist ohnehin das Stichwort. Damit ein Hund dauerhaft eine gute Beziehung zu seinem Menschen aufbauen kann, müssen beide wirklich viel Zeit miteinander verbringen. Denn gemeinsames Training und gemeinsame Beschäftigung, sprich gemeinsame positiv empfundene Erlebnisse, fördern die Bindung. Zudem muss auch ein gemeinsamer Alltag gelebt werden, denn nur so lernt der Hund die Regeln im Zusammenleben kennen.

 

Inwiefern unterscheiden sich österreichische und deutsche Hundebesitzer? Machen sich die Unterschiede zwischen dem typischen "Piefke" bzw. "Ösi" auch in der Hundeerziehung bemerkbar?

Also ich habe dahingehend noch keine Unterschiede bemerkt (schmunzelt). Beim Thema Hund scheint viel eher eine Art völkerübergreifende Verständigung zu existieren. Wie in Deutschland und der Schweiz herrscht jedenfalls auch in Österreich ein außergewöhnlich ausgeprägtes Interesse an der Thematik Hund.

 

!!!GEWINNSPIEL!!!

Die OBERÖSTERREICHERIN verlost 2 x 2 Karten für Martin Rütters „nachSITZen“ am 24. März in der TipsArena, Linz. Das Gewinnspiel findest du hier. Teilnahmeschluss ist am 13. März 2017.