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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 02.12.2019

Weihnachten muss wie immer sein

Würde ich im Herbst schon wissen, was ich wem zu Weihnachten schenke, wäre ich sehr beunruhigt.

Das Schöne an Weihnachten ist, dass es jedes Jahr wie immer ist. Dasselbe „Warum schon jetzt?“ wie im Vorjahr, wenn man Anfang Oktober im Supermarkt über Christbaumkugeln stolpert. Derselbe „Ist eh noch fünf Wochen Zeit“-Reflex, wenn Mitte November die Radiosender „Last Christmas“ in Dauerschleife spielen. (Die ersten fünf bis sieben Mal singe ich ja euphorisch mit. Dann eher nicht mehr.)

Dieselbe „Was schenk ich heuer IHM?“-Debatte mit mir selbst, die beim Durchblättern des „1.000 originelle Ideen für Männer“-Ratgebers um nichts besser wird und in verlässliche Überforderung mündet, wenn ich auf Ideensuche durch’s Internet jage. Dabei, ich ahne es, während ich diese Zeilen schreibe, werden wir drei Tage vor Weihachten wieder ausgemacht haben, uns heuer ausnahmsweise nichts zu schenken. Und dann beide, nur zur Sicherheit, was Kleines – und im schlimmsten Fall was Originelles – vorbereitet haben, falls der andere … Man kann das jetzt hochgradig sinnlos nennen. Oder romantischen Weitblick. Apropos originell: Vergessen Sie’s! Das kommt nie gut an! Oder würden Sie sich über chinesische Glückskekse unterm Weihnachtsbaum wirklich freuen?

Ja, und dann ist da noch, eh klar, dieselbe „Hoffentlich hab ich keinen vergessen“-Panik, wenn mein persönliches Listensystem (mit Namen der zu Beschenkenden, griffbereit in der Handtasche) durchkreuzt wird, weil ich, eh klar, wiederholt die Tasche gewechselt habe.

Der blöde Zettel. Die blöden Listen. Die genialen Ideen, die ich nicht habe. Die originellen Ideen, die keiner will. Ändert sich das eigentlich nie?

Ich fürchte, nein. Und das ist ziemlich fein. Rituale, auch wenn sie einem auf den Wecker gehen, geben Sicherheit. Ich versteige mich sogar zur Behauptung, sie geben auch Geborgenheit. Zumindest mir. Was glauben Sie, wie beunruhigt ich wäre, würde ich alle meine Weihnachtslisten wiederfinden und im Herbst schon wissen, was ich wem (und vor allem: warum) schenke?

Der Gedanke erschüttert mich geradezu, ich würde mich selbst nicht wiedererkennen. So aber bleibt Weihnachten, wie es immer war. Authentisch chaotisch, explosiv kreativ und eigentlich ganz wunderbar. In diesem Sinne: Haben Sie es möglichst fein und bleiben Sie sich treu. :-) Ich freue mich schon auf Sie im nächsten Jahr!