Loading…

Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 06.03.2018

Look into my Life: Ich bin ganz ruhig...

Ich habe seit sieben Stunden nichts mehr gegessen. Naja, fast nichts.

Bild Bildschirmfoto 2018-03-05 um 11.29.18.png
look! Herausgeberin Uschi Fellner. © Stefan Joham

Da ich mich aus Prinzip nie auf die Waage stelle, aber an der fremden Wabbel-Frau im Spiegel merke, was los ist, schätze ich die Lage ­illusionslos auf vier Kilo plus ein. Kein Weltuntergang, Leute. DIS-ZI-PLIN!

Als Frauenmagazin-Expertin kenne ich ALLE Tricks. Ich liebe übrigens sämtliche „Schlank in 24 Stunden“-Storys, weil sie Menschen wie mir Hoffnung geben. Ja, ich schaff das und hab auch noch Spaß dabei. „Bei Heißhunger trinken Sie zunächst drei Schluck lauwarmes Wasser, machen anschließend etwas Spontanes, z. B. einen Kopfstand, und gönnen sich hernach so viele Selleriestangen, wie Sie mögen.“ Was, wenn einer drei Kilo Selleriestangen mag? Wo nimmt man die dann zu? Vielleicht ja an Gehirnmasse.

Apropos: Ich bilde mir ein, dass ich auch am Kopf zugenommen habe. Als ich letztes Jahr eine Wintermütze kaufte, verwies mich die Verkäuferin in die Kinderabteilung. Nun aber: Meine Birne ist offenbar explodiert, kohlkopf­artig gewachsen. Meine neue Mütze sitzt keck auf dem Oberkopf, was mir die Anmutung eines Hofnarren verleiht. Künftig mache ich in jedem Kuriosi­tätenkabinett was her – kommt, Leute! Bestaunt die kleine, dicke Frau mit dem Wasserplutzer! Wenn das so weitergeht, kann ich eure milde Spende bald mit meinen Fettfingern aus meinem X-­Large-Hut klauben.

Aktuell befinde ich mich in der siebenten Stunde meiner 24-Stunden-Diät und außer mildem Kräutertee habe ich meinem Riesenschädel und meinem Nilpferd-Leib heute noch nichts zugeführt. GEBT MIR EINFACH DREI KILO SELLERIESTANGEN! Es wäre bitte dringend! Nach sieben Jahren gehen die meisten Partnerschaften auseinander. Nach sieben Stunden Fastenzeit werden Menschen komisch im Hirn. Im Nebenzimmer wird Geburtstag gefeiert. Ich finde, man sollte die Rituale bei Geburtstagen überdenken.

 

Bild iStock-486999720.jpg
© iStock by Getty Images

Im Nebenzimmer gibt es Malakofftorte. Mochte ich schon als Kind. Lange keine mehr gehabt. Taralalalalala, stimme innerlich ein Liedchen an, Musik beruhigt die Nerven. Mein Riesenhirn in meinem Riesenschädel meldet, ich sollte jetzt rüber­gehen. Gratulieren.

Die Gier der Menschen kennt offenbar keine Grenzen, sobald eine Torte im Raum steht. Ich habe Menschen in Büros schon mit Kugelschreibern und Scheren Torten zerhacken gesehen, weil gerade kein Besteck zur Hand war. Erschreckend, sage ich Euch.

Das Schicksal wollte es, dass in dem Raum, in dem ich das Geburtstagskind und die Gratulanten wähnte, nur die Torte stand. „Das ist jetzt aber nicht dein Ernst!“, sagte ich zu meinem Schutzengel, mit dem ich, wenn es mir nicht gut geht, regelmäßig spreche. Der Schutzengel wiegte bedauernd den Kopf und sagte, er könne auch nichts dafür, dass alle abgehauen sind. Dann bot sich dem Schutzengel ein grimmiges Schauspiel: Der Mensch, den er eigentlich beschützen sollte, begann zu zischen und es wuchs ihm ein räudiges Fell. Dann fletschte der Mensch die Zähne, setzte einem Werwolf gleich zum Sprung an und ... tja. Ihr glaubt doch nicht im Ernst von mir, dass ich anderen heimlich die Torte wegfresse, oder?

Sitze würdevoll vor dem Rechner und beende nun diese Kolumne. Übrigens können Schutzengel ziemlich ausgekochte Luder sein. Meiner hat glatt in den Malakoff-Haufen gelangt und sich nachher blitzschnell die Finger abgeleckt, schwöre, ich hab’s gesehen! Und als die Geburtstags-Gesellschaft ins Zimmer zurückkehrte und bemerkte, dass hier ein Irrer offenbar mit bloßer Hand einen Riesenbatzen Torte geklaut hat und dass so was eine Riesensauerei ist, durfte ich bestätigend nicken. Der Mensch wird halt zum Tier, wenn man ihm nicht mal Sellerie zum Essen gibt.