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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 12.11.2019

Ich will doch nur die Welt retten

...Und bin von Müll-Ferkeln umringt.

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© iStock by Getty Images

Gestatten, ich bin eine Müll-Tyrannin. Und zwar eine ziemlich doofe. Ich glaube nämlich allen Ernstes, durch meine gewissenhafte Mülltrennung die Welt ein verschwindend geringes Stückchen besser zu machen. Ich bemühe mich nach Kräften, meinen Müll zu sortieren, der Müll gilt ja als Gold der Zukunft. Und wenn ich MEINEN Müll sage, meine ich UNSEREN Müll. Unser Müll ist gigantisch, denn meine Familie besteht aus – mit Verlaub – ausgesprochenen Müll-Schweinen. Deshalb habe ich, zusätzlich zu meinen unter der Spüle eingebauten Mülltrennungssystemen, in die keines der im Haushalt wohnenden Müll-Ferkel getrennten Müll wirft, weil für Müll-Ferkel zu kompliziert, deshalb also habe ich Papiersäcke aufgestellt. Einen fürs Papier. Einen für den Plastikmüll. Einen für den Restmüll. Der Biomüll sollte eigentlich in dem dafür vorgesehenen Behälter unter der Spüle landen … sollte. Hätte. Wollte. Man müsste.

Wir schreiben einen ganz normalen, sagen wir, Montag im Spätherbst. ­Gegen 23 Uhr. Die Ferkelchen haben sich nach ausgiebigen unterschiedlichen Fütterungen zufrieden grunzend in ihre Ställe verzogen. Auch Meister Eber, der nach 22 Uhr noch gerne unruhig den Kühlschrank umkreist, hat satt sein Lager aufgesucht. Die Müll-Tyrannin rüsselt noch ein bisschen die Küche sauber. Rüssel, schnüffel. Oink. Oink. Was haben wir denn da? Eine alarmierend gelb leuchtende Bananenschale. Inmitten des ALTPAPIERS. Und gleich daneben, brutal schweinisch, oink, oink: eine Alu-Dose, friedlich gebettet auf Restmüll. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, mit solchen Erkenntnissen umzugehen.

Die eine ist: „Welches Schwein war das schon wieder?“ zu brüllen, die Bana­nenschale aus dem Altpapier zu klauben und dem mutmaßlichen Täter-Ferkel vor die Zimmertür zu knallen. Und sich zu ärgern. Die andere ist, die Bananenschale aus dem Altpapier zu klauben, in den Biomüll zu werfen und die Aludose vom Plastikmüll zum Restmüll zu packen. Und sich zu ärgern.

Wir machen ein kleines Ratespiel: Wie, glauben Sie, reagiert die für den angeführten Haushalt zuständige Müll-Tyrannin in solchen Fällen meistens? A) Sie brüllt sinnlos in der Gegend rum. B) Sie beseitigt fluchend das Müll-Chaos und beschließt das Brüllen zu vertagen, bis die Ferkel zur Morgenfütterung eintrudeln. Richtig. Sie kennen die Müll-Tyrannin offenbar besser als die sich selber. Natürlich sortiert sie, fluchend wie ein Schweinehirte (also ich nehme an, dass die auch fluchen), oink-oink, den Haushalts-Müll NEU. Denkt sich dabei fürchterliche Strafen für die Ferkel aus (Handy zertrümmern!). Geht grimmig zu Bett, in dem der Eber – mit sich und der Ökobilanz sichtlich im Reinen – friedlich vor sich hin schnorchelt. Überlegt kurz, ihm die Bananenschale irgendwohin zu, äh, drapieren. Schluss. Will hier nicht den Eindruck erwecken, eine durchgeknallte Bio-Suse mit krausen Ideen zu sein. Obwohl?

Die größte Umweltbelastung ist ja jeder weitere Mensch. Besagen alarmierende Klimastudien. Ein fünfjähriges Kind hat bereits so viel CO2 produziert wie 100 Autos im Straßenverkehr. Rechne ich nun alle meine Ferkelchen zusammen, die kleineren daheim, die größeren, die schon in die Welt gezogen sind und eigene Frischlinge produziert haben … na bumm. Unser versammelter Schweinestall hat ganze Chemie­fabriken an Schadstoffen ausgeatmet.

Eine Möglichkeit wäre, alle ­meine Schweinchen zu recyceln, doch will ich sie nicht missen. Bitte! Auch eine Müll-Tyrannin hat ein Herz. Will doch nur eine bessere Welt hinterlassen, für unsere Ferkel und die Frischlinge und die Frischlinge von denen. Kaufe bio, saisonal und regional und dreh unter der Dusche beim Schamponieren das Wasser ab. Vielleicht komm ich in den Öko-Himmel? Bis dahin wird Müll getrennt, unerbittlich, das nährt meine blauäugige Hoffnung, die Apokalypse vielleicht ja verschieben zu können.