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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 06.10.2020

Es ist das Gefühl der Geborgenheit, es ist …

die Erinnerung an eine Frau, die ich nie gestresst erlebte, die mir alle Zeit der Zuwendung schenkte

Es ist der Duft von Tannenwipfelhonig, von Arnikatinktur, Lavendelsackerl und allerlei getrockneter Kräuter und Beeren. Es ist der Duft von Aranzini und Zitronat, bevor die farbenprächtigen Streifen hübsch geordnet in Einweckgläser gelegt wurden. Es ist das Gefühl der Geborgenheit und des Umsorgtwerdens, die Erinnerung an eine Frau, die ich nie gestresst erlebte und mir alle Zeit der Zuwendung schenkte, die ich brauchte. Meine Großmutter, die jedes körperliche wie seelische Wehwehchen zu heilen wusste. Mit Topfenwickeln und Ringelblumensalbe wie auch mit zu Papier gebrachten Geschichten, die sie zudem wunderschön illustrierte. Warum ich Ihnen das erzähle? Weil ich noch in keiner Ausgabe so oft mit dem Wort „Oma“ in Berührung kam wie in dieser. Oma – drei Buchstaben, die so unendlich viel mehr bedeuten als nur ein Wort. Vielleicht sind wir Menschen so, dass wir in zunehmend unsicheren Zeiten auf Altbewährtes und durch Generationen Erprobtes zurückgreifen wollen, auf Erfahrungen, die uns nachhaltig Sicherheit geben?

Wie auch immer: In unserer Coverstory berichten wir über die Ärztin Christine Reiler, die gerade ihr erstes Buch über die guten alten Hausmittel veröffentlichte. Viele davon basieren auf dem wertvollen Wissensschatz ihrer Oma. Familie Haselböck stellt  auf ihrem Bauernhof bei Maria Taferl duftende Waldviertler Heu-Unterbetten her, deren Kräutermischungen ebenso auf uralte Überlieferungen zurückgehen. Wie auch den Grundstein für die handgerührte Waldviertler Biokosmetikmarke „Schau auf di“ Michael Friedls Oma legte, die für jedes Wehwehchen die richtige Kur aus selbstgepflückten Pflanzen zauberte. Nun brachte Friedl gleich zwei coronabedingte Must-haves auf den Markt, eine Biohändedesinfektion sowie eine intensiv pflegende Handseife. Und auch unser Genussteil steht im Zeichen der Omas: „Großmutters Küche hat meist mehr als unseren Bauch gefüllt – sie hat uns auch seelisch wohlig gewärmt“, sagt Ulrike Zika über die köstlichen Rezepte aus ihrer Wohlfühlküche. Nicht zuletzt kommen zur Zeit der Weinlese auch unsere Winzer zu Wort. Der heutige Erfolg ihrer exzellenten Weine von Weltrang geht ebenso auf ein Jahrhunderte altes Wissen zurück, welches über Generationen von Weinbauern überliefert wurde.
Wie schrieb Konfuzius bereits 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung? „Wer altes Wissen übt und nach neuen Kenntnissen strebt, macht sich zum Lehrer anderer.“

Herzlichst,
Ihre Angelica Pral-Haidbauer
Chefredakteurin