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Beauty | 12.10.2015

Pflege mit grünem Gewissen

Naturkosmetik ist nicht gleich Naturkosmetik: Drei Expertinnen erklären, worauf es bei „grüner“ Creme und Co ankommt.

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(© Shutterstock)

Nachhaltigkeit, Regionalität und Bio stehen nicht nur bei Lebensmitteln, Möbeln und dergleichen hoch im Kurs, immer mehr Menschen setzen auch in Sachen Kosmetik auf „Made in Nature“. Naturkosmetik boomt: Darauf reagiert auch der Markt mit einem immer größer werdenden Angebot. Doch gerade diese Fülle an Produkten macht es schwer, sich im Kosmetik-Dschungel zurechtzufinden. Wir haben mit den Naturkosmetik-Expertinnen Eveline Schöppl, Vanessa Arnezeder und Manuela Weber gesprochen und sind uns einig: Ohne professionelle Beratung und viel Erfahrung geht gar nichts! 

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Eveline Schöppl. (© privat)

Eveline Schöppl – Naturkosmetik Eveline

 

Was hat Sie dazu bewogen, Ihr Institut für Naturkosmetik zu gründen?

Ich bin mittlerweile seit fünfzehn Jahren Kosmetikerin und habe in meiner Anfangszeit ausschließlich mit synthetischen Produkten gearbeitet. Im letzten Betrieb benutzte ich neben konventioneller Kosmetik auch Naturkosmetik und habe auf den Händen einen deutlichen Unterschied gemerkt: Die Naturkosmetik war viel angenehmer und weniger klebrig. Da ich dann ganz auf natürliche Produkte umsteigen wollte, habe ich vor knapp drei Jahren Naturkosmetik Eveline gegründet. 

Sie arbeiten mit Naturkosmetik von Akari. Was macht diese Linie so besonders?

Akari ist eine österreichische Firma mit Sitz in Salzburg und arbeitet mit Farblicht für ein ganzheitliches Wohlbefinden. Mir war wichtig, mit einer regionalen Firma zu arbeiten, die hochwertige Produkte anbietet. Das ist mir mit Akari gelungen! 

Worauf ist bei Naturkosmetik zu achten? 

Oft sagt schon der Preis, ob man ein gutes Produkt in der Hand hält oder nicht. Natürlich lassen sich chemische Inhaltsstoffe billiger produzieren – dafür leidet die Haut auf Dauer darunter. Ein besonderes Augenmerk soll auf Konservierungsstoffe gelegt werden, so kann man einige Schäden umgehen.

Wann darf sich Naturkosmetik als solche bezeichnen? 

Naturkosmetik darf sich nur dann so nennen, wenn ausschließlich natürliche Rohstoffe wie pflanzliche, mineralische oder tierische Substanzen enthalten sind. Tierischer Inhaltsstoff wäre etwa das Wollwachs von Schafen, also das Fett, mit dem sich die Schafe isolieren. 

Wie erleben Sie den Naturkosmetik-Boom in Ihrem Institut?  

Viele Kunden wollen grundlegend etwas an ihrem Lebensstil ändern. Vor allem junge Frauen wechseln von konventionellen Kosmetikerinnen zu mir, um Naturkosmetik auszuprobieren – und dabei zu bleiben! 

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Vanessa Arnezeder. (© privat)

Vanessa Arnezeder – Naturkosmetik-Werkstatt 

 

Sie machen ihre gesamte Kosmetik selbst. Warum?

Grundsätzlich handelte ich aus einer Not heraus: Ich hatte früher Probleme mit unreiner Haut und war damit in meinem Job im Außendienst todunglücklich. Zu Weihnachten schenkte mir meine Mutter einen Gutschein für einen Workshop, bei dem Kosmetik selbst hergestellt wurde. Ich war sofort begeistert, als ich merkte, dass Naturkosmetik nicht nur aus Avokadomasken bestand! So habe ich mir innerhalb der letzten Jahre für meinen jetzigen Job als Seminarleiterin der „Naturkosmetik-Werkstatt“ Wissen in Seminaren und durch Bücher angeeignet. 

Sie bieten Kurse zur Herstellung von Naturkosmetik an. Inwiefern hat sich das Interesse der Menschen an Naturkosmetik verändert? 

Ich habe vor vier Jahren im kleinen Stil mit meinen Kursen begonnen und viel positive Rückmeldung bekommen. Damals waren meine Freundinnen die ersten „Teilnehmer“, durch Mundpropaganda wurden meine Seminare rasch sehr beliebt. Durch meine Webseite und die Arbeit in Bildungshäusern erreichte ich ein breites Publikum. Besonders die Individualkurse bei den Kunden zu Hause kommen gut an. Viele Teilnehmer glauben anfangs, dass die Herstellung von Naturkosmetik sehr kompliziert ist. Das Gegenteil ist der Fall. Mit ein bisschen Übung ist eine selbstgerührte Creme in 15 Minuten fertig. 

Ist Selbstgerührtes immer besser?

Ja, auf jeden Fall, denn ich bestimme selbst, was in meiner Kosmetik drin ist.

Woher beziehen Sie die Rohstoffe?

Ich habe ausgesuchte Händler, die auf der ganzen Welt verteilt sind. Das oberste Gebot ist, dass die Qualität der Rohstoffe passt und dass Reisewege nachvollziehbar sind. Mit solchem „Weiterdenken“ kann man viel bewirken. 

Wie lange ist selbstgemachte Naturkosmetik haltbar?

Auf Basis einer Wasserphase hält das Produkt drei Monate, sind Öle, Buttern und Wachse enthalten, verlängert sich das Haltbarkeitsdatum auf ein Jahr. Die Lagerung im Badezimmer reicht dabei vollkommen aus. 

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Manuela Weber. (© privat)

Manuela Weber – Haut & Seele Naturkosmetik 

 

Wann begannen Sie, sich mit Naturkosmetik zu befassen? 

Meinen früheren Beruf als Friseurin habe ich aufgehört, da 1989 die Idee entstanden ist, ein Geschäft mit tierversuchsfreier Kosmetik zu eröffnen. Mit meinem damaligen Partner habe ich mich mit den Inhaltsstoffen der Kosmetik auseinandergesetzt und bin immer tiefer in die Materie eingestiegen. Ich hatte Hautprobleme, die natürlich nicht von heute auf morgen weggingen. Allerdings habe ich meine Haut und meine Sonnenallergie mit Naturkosmetik in den Griff bekommen. 

War es schwierig, als Sie und Ihr damaliger Partner einen tierversuchsfreien Shop eröffneten? 

Es war definitiv harte Arbeit, den Stein ins Rollen zu bringen. Wir schalteten auch keine Werbung, da das finanziell gar nicht möglich war. Über die Jahre haben wir uns viele Stammkunden aufgebaut, die uns auch heute im „Haut und Seele“-Geschäft in Linz treu sind. Damals waren unsere Kunden eher alternativ denkende Menschen, heute ist mein Publikum bunt gemischt. „Haut und Seele“ habe ich 2009 eröffnet, mit dem nötigen Know-how, Wissen über Marken, Hintergründe und Produzenten. Ich wollte die Naturkosmetik aus ihren „Jesusschlapfen“ holen und ich denke, das ist mir gelungen. 

Wieso gehen Menschen gerade jetzt zurück zur Natur? 

Immer mehr Menschen haben Probleme mit Allergien und Hautirritationen. Gleichzeitig kommen immer mehr Umweltskandale an die Öffentlichkeit. Das alles führt dazu, dass viele Kunden einfach nicht mehr wissen, was sie kaufen sollen. Neukunden müssen immer gut beraten werden, jede Haut ist anders und muss somit auch individuell behandelt werden. 

Ist Naturkosmetik immer tierversuchsfrei?

Heutzutage auf jeden Fall. Wenn man nach ökologischen Richtlinien geht, dürfen sowohl Rohprodukte als auch das Endprodukt nicht an Tieren getestet werden. Allerdings springen immer mehr Großkonzerne auf den Zug auf. Noch ist die Frage offen, wie diese Masse an Neuprodukten gewährleisten können, tierversuchsfrei zu sein.  

Was bedeutet Naturkosmetik für Sie? 

Für mich bedeutet Naturkosmetik Umweltbewusstsein, Wohlbefinden, Gesundheitsvorsorge und Hautgesundheit. Irgendwie ist Naturkosmetik auch ein Lifestyle. 

Auf welche Inhaltsstoffe legen Sie großen Wert? Welche sollte man meiden? 

Es gibt für mich nicht einen Inhaltsstoff alleine, auf den ich Wert lege. Es ist das Gesamtkonzept, also die Kombination verschiedener Inhaltsstoffe und deren prozentueller Verteilung. Verzichten sollte man auf jeden Fall auf synthetische, chemisch hergestellte Inhaltsstoffe und chemische Konservierungsmittel. 

Welche Marken können Sie besonders empfehlen? 

Mein persönliches Highlight ist die Produktlinie „The Organic Pharmacy“. Total innovativ sind auch die Kosmetik von „esse“ und der österreichischen Firma „Ambiente“. Bei der dekorativen Kosmetik arbeite ich am liebsten mit der Visagisten-Linie Coleur Caramel.