Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 01.02.2018

Wunderkammer des Brotes

Nach Red Bull und Manner ist der „Kornspitz“ eines der bekanntesten Produkte Österreichs. Hinter dem ballaststoffreichen Kleingebäck steht das Unternehmen backaldrin, das von Peter Augendopler und seinen Eltern im Jahr 1964 aus dem Nichts aufgebaut wurde. Heute ist der Backgrundstoffhersteller in mehr als 100 Ländern vertreten und beschäftigt weltweit 870 Mitarbeiter. Ulli Wright hat Peter Augendopler im neuen PANEUM – Wunderkammer des Brotes in Asten besucht und neben der spannenden Firmengeschichte auch allerhand über die Geschichte des Brotes erfahren.

Bild Peter_Augendopler_Gründer_PANEUM_1.jpg
backaldrin-Chef Peter Augendopler. (© PANEUM)

In den vergangenen 53 Jahren hat Peter Augendopler nicht nur die Firma backaldrin zu einem internationalen Top-Unternehmen aufgebaut, seine Leidenschaft für Brot hat den Erfinder des „Kornspitzes“ und backaldrin auch dazu motiviert, 15.000 Kunst- und Kulturobjekte rund um die Themen Brot und Bäckergewerbe zu sammeln. Im neu errichteten PANEUM in Asten, direkt neben der Firmenzentrale, hat der welterfahrene und vor allem welt­offene Unternehmer nun endlich genug Platz und einen würdigen Rahmen für seine backaldrin-Schätze gefunden. In der sogenannten „Wunderkammer des Brotes“ lässt er die Öffentlichkeit seit Oktober an der reichen und interessanten Geschichte des Brotes teilhaben. Für die Planung holte sich der 72-Jährige keinen Geringeren als Stararchi­tekt Wolf D. Prix von COOP HIMMELB(L)AU. Der renommier­te Architekt hat ein Gebäude geplant, das einem Wolkenschiff ähnelt und in dem – in Anlehnung an die Arche Noah – wertvolle Objekte aus der Vergangenheit in die Zukunft gerettet werden sollen. Diese imposante Ausstellung umfasst 1.200 Objekte und tausende Bücher aus 9.000 Jahren.

 

Herr Augendopler, die Firma backaldrin wurde im Jahr 1964 von Ihren Eltern gegründet. Können Sie uns die Anfänge schildern?

Ich stamme aus einer Bäckerfamilie. Nachdem mein Vater schwer krank wurde, konnte er nicht mehr direkt beim Ofen arbeiten und so haben wir uns im Jahr 1964 als Backgrundstoffhersteller selbstständig gemacht. Wir hatten damals zwar kein Geld, aber wir hatten auch keine Schulden; also haben meine Eltern eine Hypothek auf unser Einfamilienhaus in Wien aufgenommen und damit die Firma gegründet. In acht Wochen haben wir aus dem Nichts heraus ein Unternehmen auf die Beine gestellt. Neben meinem Vater, meiner Mutter und mir waren noch fünf Verkäufer im Einsatz. Da mein Vater in der Branche sehr bekannt war, ist das Geschäft von Anfang an recht gut gegangen.

 

Sie haben die Firma in Wien gegründet, wie sind Sie dann nach Asten gekommen?

Unseren ersten Mischer haben wir von der Bruckmühle in Asten gekauft. Im Jahr 1968 haben wir dort ein Gebäude in der Größe von 400 Quadratmetern gemietet. Das ist uns allerdings schnell zu klein geworden. Also haben wir die stillgelegte Mühle gepachtet, renoviert und dort unsere Produktion installiert. Nachdem wir zehn Jahre lang in Asten produziert haben, errichteten wir den ersten Neubau und haben, je nach Bedarf, immer wieder angebaut. Zuletzt haben wir im Oktober dieses Jahres am Firmenstandort in Asten das PANEUM eröffnet.

 

War es für Sie immer schon selbstverständlich ins Familienunternehmen einzusteigen oder hatten Sie andere Pläne?

Ich bin seit dem ersten Tag in der Firma. Damals war ich 19 Jahre alt. Als sich meine Eltern selbstständig machten, war es für mich selbstverständlich mitzuarbeiten. Immerhin war ich der einzige Sohn.

 

Im Jahr 1968 gründeten Sie in Deutschland die backaldrin Vertriebs.ges.m.b.H. Wurde damit der Grundstein für die Internationalisierung gelegt?

Nur vier Jahre, nachdem wir die Firma gegründet haben, ist das Geschäft in Österreich sehr gut gelaufen. Aber wir hatten damals Befürchtungen, dass deutsche Bäckerzulieferer aufgrund des zu erwartenden Zusammenschmelzens von EFTA und EWG den österreichischen Markt aufmischen würden. Also habe ich gemeinsam mit meinen Eltern beschlossen, einen Standort in München zu gründen. Dort bin ich zwölf Jahre lang als Geschäftsführer geblieben. Wir hatten in München ein kleines Büro mit einem Ölofen. Ich habe in einer Mansarde über dem Büro gewohnt. Die Zeit in Deutschland war für mich sehr lehrreich. Ich bin durch ganz Deutschland gereist und kenne dieses Land mit Sicherheit besser als Österreich. Das Arbeiten dort hat mich nachhaltig geprägt.

 

Heute ist backaldrin weltweit in über 100 Ländern mit mehr als 700 Produkten vertreten. Wie hat sich diese Internationalisierung entwickelt?

Da wir in Österreich und in Deutschland recht erfolgreich waren, begannen wir in den 1970er-Jahren mit dem Export unserer Produkte nach Skandinavien. Der große internationale Durchbruch kam allerdings mit der Ostöffnung im Jahr 1989. Damals haben wir uns Partnerfirmen in Ungarn, Tschechien und in der Slowakei gesucht und sind dort auf viele anständige und fleißige Leute gestoßen, mit denen wir gut zusammengearbeitet haben. Mitte der 1990er-Jahre wussten wir, dass wir es international schaffen können. Innerhalb von sechs Jahren sind wir in 50 Länder gegangen und haben dort mit Vertriebspartnern zusammengearbeitet. Letztendlich habe ich unseren Partnern ihre Firmen abgekauft, sie aber weiter beschäftigt, da sie den Markt bestens kannten. Das funktionierte sehr gut und viele von unseren Partnern oder deren Nachkommen sind heute noch im Betrieb. Wir haben überall klein begonnen, ohne großes Risiko. Es war und ist mir überaus wichtig, mit allem sehr sorgfältig umzugehen.

 

Was ist international die große Herausforderung?

Jedes Land hat eine eigene Brotkultur. Damit muss man sich auseinandersetzen. Wir müssen unsere Produkte so erzeugen, dass die Kunden in diesen Ländern zufrieden sind. Anfangs wurden sämtliche Länder von Asten aus beliefert. Nach der Euro-Einführung im Jahr 2005 wurden unsere Produkte vor allem im arabischen Raum zu teuer und mir war klar, dass wir dort, um leistbar sein zu können, vor Ort produzieren müssen. Also habe ich unseren Partner in Jordanien angerufen und ihm aufgetragen, ein Grundstück für eine Produktion zu suchen. Und er hat am Rande der Wüste ein Grundstück gefunden. Bereits 18 Monate später haben wir produziert, mittlerweile ist dort ein richtiges Industrieviertel entstanden. Von unserer Produktion in Jordanien aus beliefern wir alle arabischen Länder und mittlerweile auch etwa 35 Länder in Afrika. Als wir gesehen haben, dass wir auch im Ausland produzieren können, sind wir auf den Geschmack gekommen und haben Produktionen in der Schweiz, in Mexiko, in Südafrika, in der Ukraine und zuletzt auch in Russland gebaut beziehungsweise durch Zukäufe erworben.

 

So richtig bekannt wurde die Firma backaldrin allerdings durch den „Kornspitz“. Wie ist er entstanden?

Unser „Kornspitz“ ist nach Red Bull das bekannteste österreichische Produkt. Entstanden ist er Anfang der 1980er-Jahre, als Ballaststoffe in der Ernährung ein Thema wurden. Brot ist ja an sich einer der besten Ballaststofflieferanten, sogar eine nackte Semmel hat mehr Ballaststoffe als jede Art von Gemüse. Also haben wir überlegt, ein Kleingebäck zu machen und dieses mit Ballaststoffen anzureichern. Wir haben sechs Monate daran gearbeitet. Eines Tages fuhr ich von München nach Wien und legte einen Zwischenstopp in Asten ein. Da gab mir unser Chefbackmeister ein Muster zum Kosten. Und ich war begeistert. Das war mit Abstand das Beste, was ich je in meinem Leben gegessen habe. Ich bin nach Wien weitergefahren und habe ein paar Stück von diesem Kleingebäck mitgenommen. Wieder einmal saßen meine Eltern und ich in der Bauernstube und haben einen Namen für das Kleingebäck gesucht. Irgendwann sagte meine Mutter:  „Das schaut aus wie ein Spitzerl.“  Und schon fiel mir ein Name ein –  „Kornspitz“ sprudelte es aus mir heraus. Und der „Kornspitz“ war geboren. So einfach ging das, ganz ohne aufwändige Markenstrategie (lacht).

Bild PANEUM_Wunderkammer_des_Brotes_3.jpg
Das PANEUM in Asten trägt unverkennbar die Handschrift von COOP HImmelb(l)au. Für Design Principal und CEO Wolf D. Prix ist die Form ein „Wolkenschiff“. (© PANEUM)

Kam der „Kornspitz“ sofort gut bei den Kunden an?

Ja, und wie. Wir haben den „Kornspitz“ damals in Wels auf der „Österreichischen Bäckereiausstellung“ vorgestellt. Da waren 1.100 Bäckereien bei uns am Stand und haben gekostet. Alle waren begeistert und wollten den Rohstoff haben. Wir sind mit der Produktion kaum nachgekommen. Jeder wollte den „Kornspitz“ haben. Mittlerweile gibt es ihn in 72 Ländern der Welt – seit kurzem sogar in Angola.

 

Der „Kornspitz“ war derart erfolgreich, dass sogar vor dem Obersten Gerichtshof um ihn gestritten wurde. 2015 haben Sie allerdings den Markenstreit um ihre Erfindung verloren. Wie sehr schmerzt das?

Mental hat es natürlich geschmerzt, aber geschäftlich hat es uns genützt. Weil dadurch viele Menschen auf diese Problematik aufmerksam wurden. Besonders auch der Lebensmittelhandel, und der hat seinen Kunden signalisiert, dass er das Original hat.

 

Gemeinsam mit Ihren Eltern haben Sie die Firma backaldrin aus dem Nichts aufgebaut, heute beschäftigen Sie weltweit mehr als 800 Mitarbeiter. Mit welchem Gefühl blicken Sie auf Ihr Unternehmen?

Mit einem guten Gefühl, weil es einem zeigt, dass man das meiste richtig gemacht hat. Wir hatten nie Angst, dass wir untergehen würden, weil wir wussten, dass wir hart arbeiten können. Zum Glück haben wir heute keine existenziellen Sorgen mehr. Wir haben aber eine große Verantwortung unseren Mitarbeitern, deren Familien und unseren Partnerfirmen gegenüber. Es funktioniert alles bestens und ich habe mich noch nie so gut gefühlt wie heute mit 72 Jahren.

 

Ihre beiden Kinder sind im Unternehmen tätig. War das immer Ihr Wunsch?

Ich habe zu meinen Kindern nie gesagt, dass sie ins Unternehmen einsteigen sollen. Da ich sehr viel unterwegs war und nur die Wochenenden zu Hause in Wien verbrachte, habe ich meine Kinder selten gesehen. Aber ich habe jeden Tag mit ihnen telefoniert und wenn ich nach Hause kam, habe ich nie ein negatives Wort über die Firma verloren. Ich habe psychologische Kriegsführung gemacht (lacht). Irgendwann wollten sie in der Firma mitarbeiten, es war das Natürlichste auf der Welt.

 

Gab es schon eine Übergabe?

Nein, die gab es noch nicht. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und die Firma würde ohne mich genauso gut funktionieren. Ich habe die letzten 20 Jahre darauf hingearbeitet, dass backaldrin nicht nur von mir oder von der Familie abhängt. Ich bin also jederzeit bereit, mich in die Karibik zurück zu ziehen (lacht).

 

Apropos Karibik, Sie sind viel unterwegs. Könnten Sie sich vorstellen, woanders als in Österreich zu leben?

Wenn man so viel in der Welt herumkommt wie ich, dann lernt man, dass Österreich das beste Land der Welt ist. Wir sind zwar nicht der beste Staat, aber das beste Land. Wir haben eine super Bevölkerung mit fleißigen und ordentlichen Menschen. In Österreich ist die Welt noch in Ordnung.

 

Was würden Sie sich vom Staat wünschen?

Ich schätze Deutschland in vielerlei Hinsicht. Meine Mutter war eine Deutsche und durch meine langjährige Geschäftstätigkeit habe ich viele tolle Menschen kennengelernt und gesehen, wie dort gearbeitet wird. Das hat mir sehr imponiert. Aber Österreich hat in den 1980er- und 1990er-Jahren sehr gut aufgeholt. Wir nähern uns an. Auch die Schweiz schätze ich sehr, die Eigenverantwortung der Bürger finde ich großartig.

Bild PANEUM_Ausstellung_1.jpg

Sie waren beziehungsweise sind in Ländern vertreten, die heute große Krisenherde sind. Wie sehr nimmt Sie das mit, wenn Sie zum Beispiel von den Krisen in Syrien hören?

Unsere Geschäftstätigkeit in Syrien, im Irak und in Jemen ist auf Null. Die Situation macht mich betroffen, weil ich dort viele Leute kenne. Es ist für mich unvorstellbar, wenn Menschen von heute auf morgen alles verlieren. Geschäftlich haben wir versucht, das verloren gegangene Geschäft woanders aufzuholen und sind verstärkt nach Afrika gegangen. Wir haben alles aufgeholt, aber die menschlichen Tragödien bleiben.

 

Viele Menschen sind aus Syrien geflüchtet. Haben sich Flüchtlinge bei Ihnen gemeldet?

Nein, bisher noch nicht. Aber wenn sich jemand meldet und ein vernünftiger Mensch ist, dann nehmen wir ihn auf. Wir haben innerhalb unserer Firma Mitarbeiter aus 58 Nationen. Es sind sämtliche Religionen vertreten und alle verstehen sich bestens. Wir beschäftigen auch Leute aus Ghana oder aus der Mongolei.

 

Haben Sie mit dem Facharbeitermangel zu kämpfen?

Ja, es ist schwieriger geworden. Ein großes Plus ist, dass wir unsere Lehrlinge selber ausbilden.

 

Wie sehr betrifft Ihr Unternehmen das Bäckersterben, von dem häufig gesprochen wird?

Es gibt zwar weniger Bäcker, aber von einem Bäckersterben würde ich nicht sprechen. Wir leben in einer Großgesellschaft des 21. Jahrhunderts und Großgesellschaften brauchen auch Großvertriebsformen und Einkaufszentren. Der Lebensmittelhandel kann sich nicht über Produkte wie Salz, Joghurt oder Butter profilieren, das geht nur mit einem guten Angebot an Obst und Gemüse oder eben Brot. Und Brot ist die Produktpalette, die über allem steht. Natürlich macht es diese Entwicklung für den einzelnen Bäcker schwierig. Aber einen guten Bäcker kann keine Macht der Welt umbringen. 

 

Auch das „Kornspitz Sport Team“ wächst stetig. Warum setzen Sie derart massiv auf den Sport als Marketinginstrument? Was hat Sie dazu bewogen, Sportler zu unterstützen?

Wir sind ein Rohstoffhersteller und damit nicht direkt am Konsumenten dran. Nach den Olympischen Winterspielen von Turin im Jahr 2006, bei denen einige Athleten in einen Doping­skandal verwickelt waren, kam jemand vom ÖSV zu mir und hat wegen einem Sponsoring angefragt. Mir hat gefallen, dass dieser Mann grundehrlich war und mit offenen Karten gespielt hat. Also habe ich beschlossen, die Sportler zu unterstützen. Nach drei Wochen kam dieser Mann zur Vertragsunterzeichnung zu mir.  Voll Begeisterung hat er mir erzählt, dass er aufgrund der Sponsorenzusage von  „Kornspitz“ fünf weitere Firmen gefunden hat. Das war für uns sehr positiv. Ich habe die Zusammenarbeit mit den Sportlern bis dato nie bereut. Ganz im Gegenteil, ich profitiere davon, weil ich junge, hochmotivierte Leute kennenlerne. Das baut mich auf und ist eine meiner Kraftquellen.

 

Betreiben Sie selber auch Sport?

Nein, meine Mutter war Turnerin und von ihr habe ich mitbekommen, was Sport bedeutet. Sport hat mich zwar immer interessiert, ich hatte aber nie sportliche Ambitionen.

 

Ihr bis dato letzter Streich war das PANEUM – was hat Sie dazu motiviert, die Wunderkammer, in der sich alles um die Geschichte des Brotes dreht, zu bauen?

Ich bin beruflich viel in der Welt herumgekommen und ich bin in der Welt des Brotes zu Hause. In den letzten 30 Jahren haben wir rund 15.000 Objekte zum Thema Brot gesammelt. Teile dieser Sammlung habe ich in der Eingangshalle unserer Firma ausgestellt. Irgendwann wurde der Platz zu wenig und so ist die Entscheidung für das PANEUM gefallen. Ein wichtiger Schritt für die zukünftige erfolgreiche Entwicklung unseres Unternehmens.

 

Und mit COOP Himmelb(l)au haben Sie sich einen der weltweit renommiertesten Architekten geholt ...

Ja genau, unser Zusammenkommen ist legendär. Einer meiner Mitarbeiter hat mich ge­fragt, ob ich etwas dagegen hätte, wenn er in Sachen Planung bei COOP HIMMELB(L)AU anfragen würde. Ich habe gesagt, er soll das machen, war mir aber sicher, dass unser Projekt für COOP HIMMELB(L)AU zu klein sein würde. Mein Mitarbeiter hat im Architekturbüro angerufen und nur einen Tag später hat sich Professor Prix bei mir gemeldet und mich in sein Büro eingeladen. Ich bin zu ihm gefahren, in sein Büro gegangen und ich habe gewusst, ich bin gerettet. Er hat mich sofort verstanden. Dann habe ich ihm erklärt, worum es gehen soll. Er hat eine Skizze gezeichnet und hat mir auf Anhieb gefallen.

 

Seit Oktober ist das PANEUM eröffnet. Was sollen die Besucher mitnehmen, wenn sie das Haus besucht haben?

Ich will aufzeigen, welchen Stellenwert Brot in der Geschichte der Menschheit hat. Ich wünsche mir, dass die Leute nach einem Besuch im PANEUM ein bisschen anders über das Brot nachdenken, mehr Info bekommen und diesem Lebensmittel ein positives Gefühl entgegenbringen. Wenn sich dadurch die Wertigkeit des Brotes erhöht und wenn es uns gelingt, eine positive Grundstimmung zu erzeugen, dann habe ich mein Ziel erreicht. 

 

Brot ist fest im Glauben verankert. Was bedeuten Ihnen Glaube und Religion?

Wichtig ist vor allem, dass man an etwas glaubt. Man braucht im Leben und im Alltag immer etwas, wo man sich anhalten kann. Das muss sich jeder so richten, dass er damit leben kann. Interessant ist für mich, dass alle Religionen auf der Welt etwas mit Getreide oder Brot zu tun haben. Vor allem das Christentum ist eine reine Brotreligion. Bei der Heiligen Kommunion erhält man den Leib Christi in Form eines Brotes – Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens.“

 

Sie könnten sich jetzt zur Ruhe setzten, Golf spielen oder auf eine Insel ziehen ... Was machen Sie gerne in Ihrer Freitzeit?

Ich habe das ganze Jahr Freizeit. Mein Job ist für mich Urlaub, dabei entspanne ich mich.

 

Womit kann man Peter Augendopler eine Freude machen?

Wenn Sie sagen, dass Sie gerne „Kornspitz“ essen (lacht).

 

Die Sammlung backaldrin umfasst mehr als 15.000 Kunst- und Kulturobjekte. Wann hat die Sammeltätigkeit begonnen?

Durch unseren Beruf haben wir eine ganz spezielle Leidenschaft fürs Brot und darin fußt auch die Sammlung backaldrin.

 

Ärgern Sie sich, wenn Sie etwas nicht bekommen?

Ja schon, es gibt Dinge, die ich aus emotionaler Sicht gerne hätte. Wenn ich diese nicht bekomme, dann ärgert mich das. Zum Beispiel ärgere ich mich fast mein ganzes Leben lang, dass wir einen Adelsbrief von einem Tiroler Bäcker nicht bekommen haben. Der wäre im Dorotheum zu haben gewesen.

 

Was ist Ihr wertvollstes Exponat?

Das ist ein Mehlsieb von einem Bäcker aus Niederösterreich. Auf der Unterseite des Siebes ist die Mariazeller Mutter Gottes. Er hat praktisch jeden Tag sein Mehl durch die Mutter Gottes gesiebt. Diese Idee begeistert mich.

Bild AndiRöbl.jpg
Wandelndes Lexikon: Peter Augendopler führt Chefredakteurin Ulli Wright durch das PANEUM. (© Andreas Röbl)
Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus