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People | 12.09.2016

Sag niemals nie!

Viktor Gernot macht jetzt gemeinsame Sache mit Monika Gruber. Was uns dabei erwartet und warum sich der gebürtige Oberösterreicher nicht mehr vorstellen kann, Vater zu werden, verrät er in unserem großen Interview.

Bild Sag niemals nie! (1)
© Felicitas Matern

Viktor Gernot ist ein Multitalent: Kabarettist, Sänger, Gitarrist, Improvisationskünstler. Er zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Kabarettisten unseres Landes. Doch auch er hat klein angefangen. Sehr klein. 1982 auf einem Krampuskränzchen in Wiener Neustadt. So etwas vergesse man nie, sagt er. Ebenso wenig wie die Jahre, in denen die Veranstaltungsorte alles andere als voll waren.

Heute sind die Säle ausverkauft, wenn der 51-Jährige auf der Bühne steht. In diesem Herbst macht er das übrigens gemeinsam mit der bayerischen Kabarettistin Monika Gruber. Wir haben mit ihm über diesen österreichisch-bayerischen Schulterschluss gesprochen – und genauer nachgefragt, wa-rum sich Viktor Gernot selbst als alten Sack bezeichnet.

Sie werden bei Ihrem neuen Programm „Küss die Hand“ gemeinsam mit der bayerischen Kabarettistin Monika Gruber auf der Bühne stehen. Warum ausgerechnet sie?

Ich habe die Monika über Michael Niavarani kennengelernt und eigentlich wollten wir ein Programm zu dritt machen. Allerdings hat uns der Nia abgesagt, weil er mit seinem Theaterstück im Globe sehr viel zu tun hat. Daraufhin haben Monika und ich beschlossen, zu zweit etwas zu machen.

Das Programm heißt „Küss die Hand“. Worauf dürfen wir uns freuen?

Sie dürfen sich auf uns beide freuen. Viktor Gernot, 50 plus und Österreicher, Monika Gruber, schätzungsweise Mitte 30 und aus Bayern. Was uns vereint, ist eine natürliche Abneigung gegen das Preußische und das Urdeutsche sowie unser Sinn für Humor. Andererseits gibt es auch genug Reibungspunkte. Ich bin zum Beispiel sehr harmoniebedürftig und konsensfreudig, Monika hingegen steht mehr für ihre Rechte und Überzeugungen ein. Das ist eine überaus interessante Mischung (lacht).

Wie geht es Ihnen, wenn Sie an die aktuelle Situation in Österreich denken? Stichwort Bundespräsidentenwahl. Würde sich das nicht geradezu fürs Kabarett anbieten?

Die politische Landschaft ist immer ein Teil unserer Arbeit. Die Bundespräsidentenwahl wird auch auf der Bühne nicht unbemerkt bleiben können. Als Privatperson und politischer Mensch betrachte ich es mit großem Interesse und – wie Thomas Klestil sagen würde – großer Sorge (imitiert dabei dessen Stimme). Wobei es mir nicht zusteht, jemandem das Recht abzusprechen, eine Meinung zu haben. Allerdings werde ich weiterhin etwas sagen, wenn ich merke, dass Geschichtsunterricht und Erziehung nicht gefruchtet haben. Und wenn jemand unsere Demokratie auflösen will, werde ich ebenfalls etwas sagen – und zwar laut!

Erwarten die Menschen von Ihnen als Kabarettist eigentlich, dass Sie ständig lustig sind und Witze reißen?

Tatsächlich erwarten die Menschen das oft – und diese Erwartung wird meist enttäuscht. Wir Kabarettisten sind humorvolle Menschen, aber das ist unser Beruf. Wenn ich privat irgendwo etwas esse oder in Gesellschaft bin, ist es nicht mein erstes Ziel, das Lokal zu unterhalten.

Bild Sag niemals nie! (2)
Monika Gruber und Viktor Gernot

Sind Sie auch nach so vielen Jahren dankbar für Ihren Erfolg? Kennen Sie noch so etwas wie Existenzangst, die ja viele Kabarettisten bzw. Künstler plagt?

Über diesen Punkt kommt wohl kein Künstler hinweg. Jene Zeit, in der die Veranstaltungen alles andere als voll waren, in der man selbst plakatiert hat und zu jeder noch so kleinen Zeitung für Interviews gegangen ist, vergisst man nie. Ich kann mittlerweile gut davon leben, doch mir ist bewusst, dass es Faktoren gibt, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, und dass es ebenso schnell wieder bergab gehen kann. Darum bin ich dankbar und demütig. Und diese dumpfe Existenzangst wird immer dazugehören.

Können Sie sich noch an Ihren allerersten Auftritt erinnern?

Klar, das vergisst man nicht. Mein erstes Geld für einen öffentlichen Auftritt habe ich 1982 bekommen. Damals habe ich mit meiner Band beim Krampuskränzchen der SPÖ Ungarviertel in Wiener Neustadt gespielt. Das ist unvergesslich und ich war damals mächtig stolz.

Sie sind auch als Musiker und Sänger mit Band unterwegs, dazwischen immer wieder im Fernsehen bei „Was gibt es Neues?“ zu sehen. Ist das für Sie – zusammen mit Ihren Auftritten als Kabarettist – die perfekte Mischung?

Absolut! Es ist großartig, dass ich alles machen und immer wieder eine Musiknummer in mein Kabarettprogramm einweben oder einen Konzert-abend mit meiner Band spielen kann. Oder beim Fernsehen: Da setze ich mich hin und improvisiere. Ich habe diese Talente an mir gefördert und jetzt den Luxus, das mischen zu können.

Gibt es nach so vielen Jahren Bühnenerfahrung noch etwas, das Sie während einer Vorstellung aus der Fassung bringen kann? Oder sind Sie da schon zu abgebrüht?

Abgebrüht ist das falsche Wort, ich würde eher erfahren sagen. Wenn sich ein wichtiger Scheinwerfer verabschiedet, ein angezwitscherter Zwischenruf aus dem Publikum kommt oder ohne Vorwarnung die Batterie meiner Gitarre ausgeht, dann geht bei mir im Kopf ein rotes Lamperl an. Dann muss ich reagieren und das gibt mir einen zusätzlichen Adrenalinschub. Das taugt mir schon, wobei ich es nicht jeden Abend haben muss (lacht).

Sie sind im Jänner 51 Jahre alt geworden. Hat sich seit Ihrem 50er gefühlsmäßig etwas für Sie verändert? Stichwort Sinnkrise – oder kennen Sie so etwas gar nicht?

Es hat lediglich die Erkenntnis bestätigt, dass ich ein alter Sack bin.

Inwiefern bestätigt?

Wie viele Menschen habe auch ich mich vor diesem Geburtstag gehörig eingekrampft, um dann festzustellen, dass sich nicht wesentlich etwas verändert hat. Man denkt halt ein bissl mehr über die Endlichkeit nach. Ich war immer der Meinung, dass man sich – wenn man dann 50 ist – auskennt und erwachsen ist, dass man die Wirrungen des Lebens mit Weisheit betrachten kann. Bei mir ist dieselbe Neugier und Ratlosigkeit geblieben, aber das macht auch Spaß.

Sie sind in Enns geboren, in Niederösterreich aufgewachsen. Kommen Sie auch privat hin und wieder nach Oberösterreich? Was verbindet Sie noch mit Oberösterreich?

Ich spiele sehr gern und viel in Oberösterreich, weil ich hier ein sehr treues Stammpublikum habe. Meine Cousine lebt mit ihrer Familie in Enns und meine Eltern haben erst kürzlich eine Auszeichnung vom Fremdenverkehrsverband Steinbach am Attersee bekommen, weil sie dort seit 50 Jahren Urlaub machen. Dieser Urlaub war auch 20 Jahre ein Teil meines Lebens. Und ich habe ganz liebe Freunde in Gallneukirchen, mit denen mich eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet. Ein guter Teil von mir ist also oberösterreichisch (schmunzelt).

Sie sind nicht verheiratet, haben auch keine Kinder. Können Sie sich vorstellen, noch Vater zu werden?

Grundsätzlich kann ich es mir vorstellen, praktisch faktisch eher nicht. Es wäre wohl eine erschreckend neue Erfahrung für mich. Natürlich gibt es coole ältere Väter, aber mir wäre es vielleicht ein bissl peinlich, wenn mir beim ersten Elternsprechtag dann die Rolle des lieben Opas zukommen würde. Ich habe sechs Nichten und Neffen, für die ich versuche, ein lustiger und cooler Onkel zu sein. Das reicht mir vorläufig als Lebensaufgabe mit der jüngeren Generation.

Sie sagen dennoch „vorläufig“?

Naja, man soll niemals nie sagen! Und es soll ja schon vorgekommen sein, dass Männer von Teilzeit-Models in eine Besenkammer gezerrt wurden. Da kann es dann ganz schnell gehen. Man weiß also nie, was noch kommt!

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