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People | 07.02.2018

Musik als zweite Muttersprache

Partner auf der Bühne, Schwestern privat, Freundinnen fürs Leben – Katharina, Christine und Veronika Schicho stürmen bereits seit über 17 Jahren erfolgreich als „Dornrosen“ die Bühne.

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© Manfredo Weihs

Wer die Dornrosen kennt, liebt sie. Nicht nur, weil sie drei bezaubernde Charaktere sind, sondern weil sie auf der Bühne mit einer locker-femininen Grazie die Sau rauslassen können, mit ihren intellektuell-skurrilen Texten verblüffen und mit ihrem Witz unterhalten. Die gebürtigen Steirerinnen haben die Musik bereits mit der Muttermilch aufgesogen und geben diese Passion jetzt auch an ihr Publikum bzw. an ihre eigenen Kinder weiter. Am 3. März gastieren die Dornrosen um 19:30 Uhr mit ihrem neuen Programm „Wahnsinnlich“ in der Kürnberghalle in Leonding. Beim Treffen mit den drei Damen in einem urigen Heurigenlokal in Gumpolds­kirchen (NÖ) kam es zum Seelenstriptease.

 

Ihr stammt aus einer sehr musikalischen Familie. Hat man da eigentlich die Chance, etwas anderes als Musik zu machen?

Christine: Ich war zwar immer sehr musikalisch engagiert, wollte aber eigentlich etwas in die Richtung bildnerisch-künstlerisch machen, Designerin, Grafikerin, Malerin. Das habe ich auch kurzzeitig gemacht, aber gemerkt, ohne Musik geht es nicht. Dadurch, dass wir uns dann als Dornrosen formiert haben, hat für mich beides geklappt – da ich ein Buch illustriert und auch die Grafik für die Band gemacht habe. Bei den ersten Probeversuchen als Dornrosen war ich 15. Bei meiner Matura war das Projekt schon so groß, dass ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen konnte. Und das habe ich nie bereut.

 

Auf der Bühne macht ihr eine Mischung aus Kabarett und Musik …

Christine: Wobei ich sage, dass wir keine echten Kabarettisten sind. Dafür sind wir viel zu positiv. Echte Kabarettisten sind oft extrem pessimistisch und destruktiv. Das Kabarett lebt ja vom Zynismus. Bei uns ist er nur marginal vorhanden, aber mit einer großen Portion Selbstironie und positiver Energie.

Veronika: Klaus Eckel hat mal ganz lieb zu uns gemeint: „Ihr könnt gar keine Kabarettisten sein, dafür seid ihr viel zu gute Musiker.“

 

Eure Texte sind intellektueller, als sie vielleicht auf den ersten Blick scheinen. Was wollt ihr dem Publikum vermitteln?

Veronika: Unsere Texte haben viel Inhalt, aber sie haben auch eine extreme Lockerheit. Auch beim Musizieren ist das so, da sind musiktechnisch extrem schwierige Sachen dabei, aber man hört es nicht, wir versuchen es so natürlich wie möglich zu machen. Mein eigener Anspruch ist die Leichtigkeit.

Katharina: Die Lockerheit wollen wir vor allem den Damen mitgeben. Ich sehe es als Mutter eines Zweijährigen in diversen Kinderspielgruppen. Da gibt es so viele verbissene Mütter, die sich und ihren Kindern vieles aufzwingen, wie etwas oder jemand sein muss.

 

Apropos Kinder – wie steht es um euer Privatleben?

Christine: Wir haben alle drei einen Musiker als Partner. Man versteht den anderen, es gibt kein Ungleichgewicht, natürlich sind beide daher auch öfter unterwegs. Unsere Eltern unterstützen uns sehr viel. Ich habe drei Kinder (Anm.: 6 J., 3 J. und 9 Monate), da muss eine gute Zeiteinteilung her.

Katharina: Wir sind alle in sehr glücklichen Langzeitbeziehungen und glauben, dass unser Beruf dazu beiträgt. Von unserem Elternhaus haben wir die Beziehungsfähigkeit mitbekommen.

Veronika: Ich bin verheiratet, habe aber noch keine Kinder. Deswegen habe ich nun die Chefrolle bei den Dornrosen übernommen (lacht).

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Sie möchten keinen Tag jünger sein, keine Erfahrung missen und freuen sich auf das, was noch kommt: die Schicho-Schwestern alias Dornrosen. (© Vanessa Hartmann)

 

Wie viele Auftritte macht ihr pro Jahr?

Katharina: Früher haben wir 170 gemacht, derzeit sind es – auch bedingt durch die Kinder – 80 bis 100. Wir sind ja auch Hausfrauen nebenher.

Christine: Obwohl wir viel unterwegs sind, lagern wir die Kindererziehung nicht komplett aus. Meine Kinder sind erst sehr spät in den Kindergarten gegangen. Der Jüngste ist nun neun Monate und ich stille ihn immer noch. Ich gehe abends oft mit den Kindern ins Bett, ich muss mir meine Energie so einteilen, dass ich am Wochenende drei- bis viermal spielen kann.

Veronika: Aber ich muss sagen, du bist jetzt so gut wie noch nie auf der Bühne, Christine! Man merkt, das ist einfach die Zeit, die du für dich hast, und die genießt du. Unsere Konzerte sind jetzt einfach noch viel besser, weil Christine so die Sau rauslässt (lacht)!

 

Wie sieht die Rollenverteilung innerhalb der Band aus?

Katharina: Das ist ganz klar aufgeteilt. Ich bin der Hauptkomponist. Dann gibt es die Veronika, die schreibt total super Sachen, aber von denen könnten wir nicht leben (alle drei lachen). Deswegen kommen ihre Lieder als Würze in das ganze Potpourri. Und die Christine ist diejenige, die auf der Bühne wahrscheinlich von uns die größte Rampensau ist. Sie ist auch aus dem Stegreif gut und kann toll ausarbeiten und interpretieren.

 

Welches Ereignis in eurer beruflichen Laufbahn ist euch am stärksten in Erinnerung geblieben?

Christine: Die Reisen zu den UNO-Soldaten. Wir wurden vom Kommando internationaler Einsätze als Musiker zur Unterhaltung der Soldaten nach Syrien, Zypern und in den Kosovo geschickt. Einerseits wirst du als Star hofiert, andererseits schläfst du genauso in Baracken und gibst im Speisesaal auf Bierkisten ein Konzert, währenddessen es einen Stromausfall gibt und du plötzlich mit 50 Soldaten, die schon jahrelang keine Frau gesehen haben, im dunklen Raum stehst.

Veronika: Witziges Detail am Rande: Keiner unserer Männer war je beim Bundesheer, wegen Untauglichkeit oder wegen Berufsbefreiung, aber wir drei haben die Bronzene Ehrennadel des Bundesheeres bekommen (alle drei lachen).

 

Was erwartet die Zuschauer in eurem neuen Programm „Wahnsinnlich“, das im März Premiere feiert?

Katharina: Wir nennen es den „Abend der großen Gefühle“. Sinnvolle Themen, die intensive Gefühle auslösen, nicht nur gute, sondern die gesamte Palette.

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Fröhliche Sisters (© Vanessa Hartmann)
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