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People | 06.11.2017

Mit Nagellack zum Wettkampf

Mit ihren 23 Jahren kann Siebenkämpferin Ivona Dadic bereits auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Nach Verletzungen am Knie, dem Unfalltod des Bruders und einem sportlichen Tief geht es bei der Welserin, die bei der Union St. Pölten trainiert, wieder rasant bergauf.

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© Sarah Katharina Photography

Ivona Dadic war die erste Österreicherin, die im Siebenkampf bei den Olympischen Spielen angetreten ist, und sie hat auch bei anderen internationalen Bewerben schon mehrere Medaillen gewonnen. Die fesche Blondine zählt in ihrer Disziplin zu den größten Talenten des Landes. Einen ihrer bislang größten Erfolge heimste sie 2016 bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Amsterdam ein, wo sie Bronze holte. Dabei stellte sie auch einen neuen österreichischen Rekord im Siebenkampf auf. Heuer erzielte sie bei der Leichtathletik-Hallen-Europameisterschaft in Belgrad im Fünfkampf die Silbermedaille, bei der Leichtathletik-WM in London holte sie den guten sechsten Platz. Aber nicht nur sportlich ist die sympathische Welserin top:
Beim Covershooting mit der Oberösterreicherin bewies sie ab­solute Model-Qualitäten. In Outfits von Selendi – Die Mode in Wels posierte die 1,79 Meter große Blondine im Gugl-Stadion in Linz gekonnt vor der Kamera.

 

Wie sind Sie zum Siebenkampf gekommen?

Während meiner Schulzeit bin ich zum ersten Mal mit Leichtathletik in Kontakt gekommen. Damals habe ich an einem Wettkampf teilgenommen und Trendscout Michael Hager vom Polizeisportverein Wels hat mich entdeckt. Bald hat sich herausgestellt, dass ich neben dem Laufen auch in den technischen Disziplinen talentiert bin. Da ich keine große Schwäche hatte, entschied ich mich für den Siebenkampf.

 

Wann wussten Sie, dass Sie außergewöhnlich gut sind?

Den ersten großen Erfolg erzielte ich mit 15 Jahren bei der Jugendweltmeisterschaft, wo ich den zehnten Platz erreichte. Es hat mir von Anfang an riesengroßen Spaß gemacht, und auch der Erfolg hat gepasst. Diese Kombination hat meine Liebe zum Siebenkampf geweckt.

 

Anfangs haben Sie in Wels trainiert?

Ja genau, bis zu meinem 14. Lebensjahr habe ich in Wels trainiert, von 14 bis 18 Jahren habe ich nach Linz gewechselt, und mit 18 Jahren ging ich für zwei Jahre nach Sheffield in England. Seit zwei Jahren trainiere ich nun bei der Union St. Pölten.

 

Der Siebenkampf besteht aus sieben unterschiedlichen Disziplinen. Welche mögen Sie am liebsten?

Im Moment den Weitsprung.

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Egal ob Training oder Wettkampf: Der Nagellack muss zum jeweiligen Sportoutfit passen. Ivona Dadic im glamourösen Kleid und mit einer Kette von Selendi – Die Mode (© Sarah Katharina Photography)

Wie aufwendig ist das Training?

Das Training ist ein Fulltime-Job. Ich trainiere sicher an die 40 Stunden pro Woche, jeweils von Montag bis Samstag. Am Sonntag habe ich Pause. Die sieben Disziplinen werden auf sechs Tage aufgeteilt. Dazu kommen dann noch Kraft- und Lauftrainings.

 

Die Europameisterschaften 2016 in Amsterdam machten Sie über Nacht zum heimischen Leichtathletik-Star. 47 Jahre nach Liese Prokop haben Sie mit Ihrer Bronzemedaille erstmals wieder EM-Edelmetall im Mehrkampf nach Österreich geholt. Was bedeutet das für Sie?

Die EM-Medaille 2016 war international absolut der Durchbruch für mich. Damit habe ich aufgezeigt, dass ich in den kommenden Jahren um eine Medaille mitkämpfen kann. Es war einmalig, als ich in Amsterdam vor 30.000 Menschen die Medaille überreicht bekam. Nach Liese Prokop die erste Medaille im Siebenkampf heim nach Österreich zu holen, war ein gutes Gefühl. Es macht mich stolz, ein Stück Geschichte geschrieben zu haben.

 

Wie groß ist Ihr Team an Trainern und Betreuern?

Neben meinem Haupttrainer Philipp Unfried betreuen mich noch zwei weitere Trainer und zwei Trainerinnen.

 

Was zeichnet einen guten Trainer aus?

Mein Trainer steht auch in schlechten Zeiten hinter mir und ich kann mich immer auf ihn verlassen, auch wenn es mal nicht so läuft. 

 

Seit zwei Jahren trainieren Sie in St. Pölten. Wie gefällt es Ihnen? Haben Sie sich schon eingelebt?

Ich habe bei der Union St. Pölten sehr gute Trainingsbedingungen und kann 24 Stunden in die Sportstätten, um zu trainieren. Ich werde wirklich gut unterstützt und habe mir ein gutes Team aufgebaut. Vor einem Jahr bin ich nach St. Pölten übersiedelt und fühle mich sehr wohl dort. An den Wochenenden fahre ich aber trotzdem immer zu meiner Familie nach Wels.

 

Im Vorjahr wurden Sie gemeinsam mit Tennis-Star Dominic Thiem zu Niederöstereichs Sportlerin des Jahres gewählt...

Das freut mich sehr. An Dominic Thiem sieht man richtig gut, welchen Stellenwert diese Auszeichnung hat. Für mich war es ein gutes Gefühl, nur ein Jahr nachdem ich nach St. Pölten übersiedelt bin, Sportlerin des Jahres zu werden.

 

Wie wichtig ist mentale Stärke?

Ein spezielles Mentaltraining mache ich nicht, meine große Stärke im Siebenkampf ist aber mit Sicherheit meine mentale Stärke. Immerhin muss man bei internationalen Wettkämpfen, wo bis zu 70.000 Menschen im Stadion sitzen, die Leistung auf Knopfdruck abrufen können. Wir arbeiten das ganze Jahr auf ein Großereignis hin und genau am Tag X muss dann alles passen.

 

Verletzungen, schlechte Saisonen... – Sie mussten im Lauf Ihrer Karriere auch einige Tiefschläge einstecken.

Während meiner Zeit in England war ich schwer am Knie verletzt. Innerhalb von einem Jahr wurde ich zweimal am Meniskus operiert. Im Jahr 2014 ging dann gar nichts mehr. Ich hatte ständig Schmerzen und habe sogar ans Aufhören gedacht. Es war sehr schwierig, den Anschluss zur Weltklasse wieder zu finden.

 

Wie haben Sie diesen Anschluss wieder geschafft?

Obwohl es mir in England sehr gut gefallen hat, war es für mich wichtig, wieder nach Österreich zurückzukommen und ein neues Umfeld mit einem neuen Team zu suchen. Natürlich war in dieser Zeit auch meine Familie ganz wichtig.

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Während ihrer sportlichen Karriere hat die 23-jährige Welserin schon einige Hürden überwunden. Outfit: Selendi – Die Mode, Boots: GANGart (© Sarah Katharina Photography)

Haben Sie auch Geschwister?

Mein Bruder ist vor fünf Jahren bei einem Motorradunfall gestorben. Meine Eltern leben in Wels und waren vom ersten Wettkampf an immer an meiner Seite. Sie sind auch bei meinen Wettkämpfen immer dabei. Das ist unglaublich wichtig für mich.

 

Gibt es einen Mann an Ihrer Seite?

Ja, ich habe seit fünf Jahren einen Freund. Er ist Hobbyfußballer und lebt in Steyr. Er trainiert mit mir und ist bei jedem Wettkampf dabei. 

 

Ihr emotionalster Moment?

Als ich heuer den zweiten Platz bei der Halleneuropameisterschaft in Belgrad erreicht habe. Ich hatte gerade einen Trainerwechsel hinter mir, aber aufgrund dieser Leistung wusste ich, dass ich am richtigen Weg war.

 

Ihre größten Erfolge?

Das waren meine drei Medaillen in den vergangenen drei Jahren und der sechste Platz bei der Weltmeisterschaft in London. Diese Erfolge zeigen mir, dass ich viel Potential nach vorne habe.

 

Sie sind für Wettkämpfe viel unterwegs. Was haben Sie immer im Koffer mit dabei?

Ein Foto von meinem Bruder und Nagellack, der zum jeweiligen Sportdress passt. Ich mag es gerne, wenn optisch alles stimmig ist.

 

Ihr Vorbild?

Siebenkampf-Olympiasiegerin Jessica Ennis Hill. Mit ihr habe ich zwei Jahre lang in England trainiert. Sie hat mir gezeigt, wie man trotz großem Erfolg bodenständig bleibt.

 

Sie sind Österreichs vielseitigste Sportlerin. Müssen Sie auf viel verzichten?

Am meisten schmerzt mich der Verzicht auf Süßigkeiten, vor allem auf Schokolade.

 

Ist auch mal Partymachen drin?

Natürlich bleibt mir Zeit, um mit Freunden etwas zu unternehmen. Aber jedes Wochenende fortzugehen und Party zu machen ist nicht drin. Am Ende der Saison oder nach einer Weltmeisterschaft wird aber auch mal ordentlich gefeiert.

 

Hatten Sie jemals das Gefühl, etwas versäumt zu haben?

Es heißt immer, der Sport nimmt einem viel. Das stimmt aber nur bedingt, denn man bekommt auch unglaublich viel zurück. Wir reisen viel herum und lernen ständig neue Menschen und Länder kennen. Der Sport gibt mir so viel, dass ich noch nie das Gefühl hatte, etwas versäumt zu haben.

 

Sie haben perfekte Modelmaße. Was bedeutet Ihnen Mode?

Mode ist mir wichtig. Denn wenn man sich gut fühlt, kann man auch gute Leistungen bringen. Bei Wettkämpfen achte ich auf mein Aussehen und bin immer geschminkt. Mode gefällt mir generell. Wenn ich bei einem Wettkampf in einer fremden Stadt bin, nehme ich mir einen Tag Zeit und gehe shoppen.

 

Was möchten Sie beruflich machen, wenn Ihre Sportkarriere beendet ist?

Seit 2017 bin ich bei der Firma Harreither unter Vertrag. Firmenbesitzer Raimund Harreither gibt mir die Möglichkeit, mich neben dem Sport weiterzubilden. Das werde ich mit Sicherheit ab nächstem Jahr nutzen und nebenbei ein Studium beginnen.

 

Wo genau liegen Ihre Wurzeln?

Ich bin in Österreich geboren, meine Eltern kommen aus Kroatien. Meine Großeltern und viele Verwandte leben immer noch dort. Weihnachten und meine Sommerpause verbringe ich  immer in Kroatien.

 

Was steht als Nächstes am Programm? Mit welchen Zielen gehen Sie ins Jahr 2018?

Die Vorbereitungen sind am Laufen. Das nächste Großereignis ist die Hallen-WM in Birmingham im März 2018 und im August 2018 die Freiluft-EM in Berlin. Mein großes Ziel ist es natürlich, Medaillen zu holen. Das Wichtigste ist aber, dass ich verletzungsfrei bleibe, alles andere wird sich ergeben.

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