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People | 19.12.2017

Ich habe Paprika im Blut

Gerade wurde Clemens Unterreiner bei der „life goes on“-Gala für sein soziales Engagement ausgezeichnet, kurz davor überraschte der Staatsopernbariton mit seiner ersten Solo-CD und nun brilliert er als „Faninal“ an der Tokyo National Opera.

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© Stefan Diesner

Man kennt ihn nur galant, charmant und fröhlich. Dabei hatte Clemens Unterreiner, inzwischen gefeierter Opernstar, alles andere als einen leichten Weg. Zuerst verlor er im Alter von fünf Jahren sein Augenlicht (aufgrund einer schweren Entzündung) und war ein Jahr lang blind, dann wollte er unbedingt Sänger werden, aber jede Hochschule wies ihn ab. Dauernd habe er zu hören bekommen, er sei zu alt und zu schlecht. „Es war zum Verzweifeln!“, erinnert sich der Bariton, der dann Jus studierte – und nebenbei privaten Gesangsunterricht nahm, den er sich auch selbst finanzierte. Mit Nebenjobs aller Art. Sogar Durchfallmittel habe er verkauft. Denn auf Unterstützung von daheim konnte er nur bedingt hoffen.

Ehrgeizig. Dass er dennoch sein Ziel erreichte, nämlich als Opernsänger zu reüssieren (er begeht übrigens heuer sein 15-jähriges Bühnenjubiläum), verdankt er nicht zuletzt dem früheren Direktor Ioan Holender, der zwar auch meinte: „Sie sind nix, Sie können nix, aber ich gebe Ihnen eine Chance, arbeiten Sie sich hoch.“ Er habe sein Potenzial erkannt und dafür sei er ihm heute noch dankbar.

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Clemens Unterreiner mit seiner Weihnachts-CD und Andrea Buday im Café Frauenhuber. © Stefan Diesner

Fleißig. Nun gehört er zu den gefragtesten Baritonen, feierte an der Wiener Staatsoper sogar als erster Österreicher nach 34 Jahren (!) einen großen Erfolg als Escamillo – eine sehr schwierige Bariton-Rolle – in „Carmen“ und begeistert derzeit als Faninal im „Rosenkavalier“ in Tokio. Dazwischen gibt er zugunsten von „Hilfstöne“ (sein Verein, den er vor drei Jahren ins Leben rief und der Menschen in Not unterstützt) mit Kapazundern wie Kurt Rydl, Renate Holm und Michael Schade in der Lutherischen Stadtkirche AB ein Benefizkonzert (am 20. Dezember).


look: Sie sind Präsident von „Hilfstöne“, Konsul des Roten Kreuzes, Botschafter des Blindenverbandes, Pate für das Hilfswerk, setzen sich regelmäßig auch für die Volkshilfe etc. ein. Wieso?

Unterreiner: Ich hatte so viel Glück in meinem Leben, weil ich trotz aller Erschwernisse dort bin, wo ich hinwollte, dass ich mich für Menschen, mit denen es das Leben nicht so gut meinte, einsetze. Allerdings schaue ich mir alles persönlich vorher an und Geld gibt es nur gegen Rechnung. Außerdem arbeiten die „Hilfstöne“ ehrenamtlich und ich achte sehr darauf, dass kein Euro verloren geht! Ich spende auch die Hälfte der Einnahmen meiner CD an den Verein.

 

Ihre erste Solo-CD beinhaltet ausnahmslos Weihnachtslieder …

Ja, und nur solche, die wir daheim immer gesungen haben. Mit Weihnachten verbinde ich nämlich wunderschöne Stunden und der Heilige Abend wird auch stets mit der ganzen Familie gefeiert. Meine Eltern sind zwar seit langem geschieden, aber wichtige Feste feiern wir gemeinsam. Wie auch heuer wieder.

 

Herr Unterreiner, Sie scheinen mit einem sonnigen Gemüt gesegnet zu sein.Schon seit jeher so fröhlich?

Meine Eltern erzählten mir oft, dass ich sogar als blindes Kind fröhlich war, vermutlich auch deshalb, weil sie mir stets versicherten, dass alles gut werden würde. Allerdings weiß ich auch, dass ich sehr dick war und gehänselt bzw. sogar verprügelt wurde. Durch meinen Verein habe ich aber wirkliche Not kennengelernt und das ist ein guter Schutzschild gegen Kränkungen. Gegebenenfalls kann ich aber brüllen wie ein Löwe! Denn in mir steckt auch ungarisches Blut (lacht).

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Elegant. Bei unserer [email protected] Gala mit Uschi Pöttler-Fellner (l.) und Silvia Schneider (r.). © Ludwig Schedl

Herr Unterreiner, Sie scheinen mit einem sonnigen Gemüt gesegnet zu sein.Schon seit jeher so fröhlich?

Meine Eltern erzählten mir oft, dass ich sogar als blindes Kind fröhlich war, vermutlich auch deshalb, weil sie mir stets versicherten, dass alles gut werden würde. Allerdings weiß ich auch, dass ich sehr dick war und gehänselt bzw. sogar verprügelt wurde. Durch meinen Verein habe ich aber wirkliche Not kennengelernt und das ist ein guter Schutzschild gegen Kränkungen. Gegebenenfalls kann ich aber brüllen wie ein Löwe! Denn in mir steckt auch ungarisches Blut (lacht).

 

Sprechen Sie auch Ungarisch?

Leider nur ganz wenig, aber ich kann die ungarische Hymne singen!

 

Haben Sie jemals mit dem Schicksal gehadert bwz. überlegt, alles hinzuschmeißen?

Nicht wirklich. Ich habe stets versucht, aus der Not eine Tugend zu machen. Und als gescheiterte Existenz wollte ich nicht enden, also musste ich weiterkämpfen.

 

Wie sehen Ihre Pläne im Haus am Ring aus?

Mein Vertrag läuft noch bis 2020, danach lasse ich mich vom neuen Direktor sehr gern positiv überraschen (schmunzelt).

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Wandlungsfähig. Als Faninal im „Rosenkavalier“ an der Wiener Staatsoper. © Wiener Staatsoper Michael Pöhn

Text Andrea Buday Fotos Stefan Diesner

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