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People | 11.09.2017

"Ich habe immer angepackt"

Eine Frau ist auf Platz zwei hinter ÖVP-Obmann Sebastian Kurz für die anstehende Nationalratswahl gereiht: Die Kärtnerin Elisabeth Köstinger (38) im Gespräch über Verantwortung, politische Untergriffe und wie sie sich in der Männerbastion ÖVP durchsetzt.

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(© Jakob Glaser, Michael Gruber)

Trotz bevorstehendem Wahlkampf fand ÖVP-Generalsekretärin Elisabeth Köstinger im Sommer genug Zeit, um am elterlichen Bauernhof in Kärnten Kraft zu tanken. Ihre Aufgabe als EU-Parlamentarierin, wo sie für die Agrar-Agenden zuständig ist, wird die 38-jährige Vollblutpolitikerin dank einem guten Team und viel Disziplin auch weiterhin bekleiden.

 

Gratulation! Sie werden auf Rang zwei gleich hinter ÖVP-Chef Sebastian Kurz auf der türkisen Bundesliste für die Nationalratswahl kandidieren. Wie gehen Sie mit dieser Verantwortung um?

Es ist eine Ehre für mich, und ich bin mir der großen Verantwortung bewusst. Wir wollen mit Sebastian Kurz und unserer Bewegung einen neuen Stil in der Politik etablieren und eine echte Veränderung in Österreich herbeiführen. Deshalb haben wir die Volkspartei geöffnet und Quereinsteiger zu uns geholt. Derzeit bin ich, so wie alle Kandidaten, in Österreich unterwegs, um mit den Leuten zu sprechen, damit wir ihre Ideen und Anliegen besser in der Politik umsetzen können. Ich bin bekannt dafür, dass ich mich sehr stark für den ländlichen Raum, die Landwirtschaft, für Lebensmittelsicherheit und unsere natürlichen Ressourcen einsetze.

 

Sie wurden von Sebastian Kurz zur Generalsekretärin der ÖVP bestellt. Was sind Ihre Aufgaben?

Ich verantworte gemeinsam mit Sebastian Kurz die Wahlkampagne und bin als Generalsekretärin zusammen mit anderen für die Strategie und Ausrichtung der Volkspartei verantwortlich.

 

Was hat Sie dazu bewogen, in die Politik zu gehen?

Bereits während meiner Schulzeit habe ich mich bei der Landjugend im Granitztal und später bei den Jungbauern engagiert. Mir war es immer wichtig, etwas zur Gemeinschaft beizutragen. Aber auch meine Eltern und die Arbeit am Bauernhof haben mich geprägt. Dabei habe ich gelernt, in allen Positionen mit viel Einsatz und Leidenschaft zu arbeiten.

 

Seit wann kennen Sie Sebastian Kurz?

Ich kenne Sebastian Kurz seit neun Jahren. Er wurde damals zum Bundesobmann der Jungen Volkspartei gewählt und ich war Bundesobfrau der Jungbauern. Seither teile ich die Leidenschaft für das politische Engagement mit ihm. Uns verbindet eine langjährige Freundschaft.

 

Die „Neue Volkspartei“ will einen neuen Stil prägen. Wie schaut dieser genau aus?

Unser neuer Stil ist geprägt durch Lösungen, Ideen und Konzepte. Wir wollen weg von der Politik des gegenseitigen Anpatzens, deshalb reagieren wir auf Untergriffe der anderen Parteien nicht mit Gegenangriffen.

 

Was ist Ihnen in Sachen Frauenpolitik wichtig?

In Sachen Frauenpolitik haben wir uns bewusst österreichweit für ein Reißverschlusssystem entschieden, um die Chancengerechtigkeit zu erhöhen. Alle sollen den gleichen Zugang zu Möglichkeiten haben, und jede Frau muss die Entscheidung selbst treffen können, ob sie Mutter sein will oder Vorstandsvorsitzende.

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Elisabeth Köstinger und Sebastian Kurz kennen sich seit neun Jahren und teilen ihre Leidenschaft für die Politik. (© Jakob Glaser, Michael Gruber)

Sind die schwarzen Bünde noch zeitgemäß?

Die Bünde sind eine große Stärke der Volkspartei, aber wir sind gerade dabei, die Volkspartei zu öffnen. In Städten greifen diese Institutionen nicht mehr so wie am Land. Das ist aber keine Entweder-oder-Frage. Es braucht beides.

 

Die ÖVP ist nach wie vor eine Männerbastion. Wie gelingt es Ihnen, sich da durchzusetzen?

Ich habe immer – unabhängig von meinem Geschlecht – angepackt und bin Herausforderungen optimistisch angegangen. Meine bäuerliche Herkunft und mein Engagement in ehrenamtlichen Jugendorganisationen haben mich da stark geprägt.

 

Könnten Sie sich vorstellen, nach der Wahl ein Ministerium zu bekleiden?

Das ist Zukunftsmusik. Jetzt gilt es zuerst, die Menschen davon zu überzeugen, dass wir als Volkspartei die besten Lösungen für unser Land haben und mit unserem neuen Stil frischen Wind in die Politik bringen können.

 

Der Umgangston wird auch in der Politik immer rauer, das hat auch Eva Glawischnig bei ihrem Abgang bemängelt. Wie gehen Sie mit verletzenden Äußerungen um?

Mich persönlich hat das sehr berührt, was Eva Glawischnig da ausgesprochen hat. Ich habe ihre Politik über viele Jahre mitverfolgt. Obwohl ich mit ihren politischen Ansichten oft sehr wenig anfangen konnte, hat sie mir als Persönlichkeit und als Frau immer imponiert. Wir müssen aus diesem System des gegenseitigen Schlechtmachens ausbrechen, sonst geht das Ansehen der Politik weiter verloren. Der oberste Grundsatz sollte immer der respektvolle Umgang miteinander sein.

 

Was sind die drei dringlichsten Punkte in Österreich, die die neue Volkspartei, sollte sie die Wahl gewinnen, angehen wird?

Die wichtigsten Themen sind für uns der Standort Österreich, Soziales sowie Sicherheit und Migration. Wir wollen den Wirtschaftsstandort langfristig stärken, indem wir die Betriebe entlasten und an Innovationen arbeiten, denn nur so können wir bestehende Arbeitsplätze absichern und neue Optionen für die Jugend schaffen. Im sozialen Bereich müssen wir wieder für mehr Gerechtigkeit sorgen. Die pflegenden Angehörigen gehören entlastet, Pflegeleistungen müssen verbessert werden, und der enorme Zulauf zum Sozialsystem für Migranten muss gerecht organisiert werden. Wir werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass die Mittelmeer-Route geschlossen und das Schlepperwesen bekämpft wird. Flüchtlinge brauchen dringend Alternativen vor Ort.

 

Was wünschen Sie sich für den bevorstehenden Wahlkampf?

Ich wünsche mir vor allem einen fairen und sauberen Wahlkampf, ohne Dirty Campaigning.

 

Ich nehme an, dass Ihnen derzeit nicht viel Freizeit bleibt. Wenn doch, wie verbringen sie diese am liebsten?

Für die wenige Freizeit zwischendurch habe ich meine Laufschuhe immer dabei. Beim Laufen bekomme ich den Kopf frei und kann Kraft tanken.

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