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People | 06.12.2017

„Friseurin ist ein krisensicherer Job“

Als sich Gudrun Leitner im Teenageralter entscheidet, Friseurin zu werden, will sie die Beste der Welt werden. Ein großes Ziel, das sie als 21-Jährige erreicht. Und noch heute ist Friseurin ihr Traumberuf.

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Gudrun Leitner liebt ihren Job als Friseurin wie am ersten Tag. (© Mathias Lauringer – Studio 365)

Der Name Leitner ist in Haid/Ansfelden seit mittlerweile drei Generationen untrennbar mit dem gleichnamigen Friseursalon am Hauptplatz verbunden. Chefin Gudrun Leitner ist Weltmeisterin ihrer Zunft und liebt diesen Job wie am ersten Tag. Ihr Markenzeichen sind ihre bunten Haare. Diese hat sie sich aus ihrer Zeit, als sie regelmäßig auf internationalen Shows und Fachveranstaltungen unterwegs war, erhalten. „Dabei haben mir Pink und Rosa als kleines Mädchen überhaupt nicht gefallen“, erzählt sie lachend. „Offenbar hatte ich etwas nachzuholen!“

 

Wann war für Sie klar, dass Sie in die Fußstapfen Ihrer Mutter und Großmutter treten und ebenfalls Friseurin werden?

Mein Bruder ist drei Jahre älter und es war immer klar, dass er studieren und ich das Geschäft übernehmen würde. Als Teenager habe ich mich dann aber sehr für Strafrecht in Richtung Jus-Studium interessiert. Allerdings habe ich festgestellt, dass ich es mit meinem Rechtsgefühl nicht vereinbaren könnte, zum Beispiel wissentlich einen Mörder zu verteidigen. Gleichzeitig durfte ich in dieser Zeit meine Mutter zu vielen Veranstaltungen begleiten, was wiederum meine Lust auf den Friseur-Beruf geweckt hat. Da war für mich klar, dass ich das Geschäft übernehmen werde. Allerdings immer mit dem großen Ziel, dass ich einmal Weltmeisterin werde ... 

 

... und diesen Titel haben Sie im Alter von 21 Jahren ja tatsächlich nach Österreich geholt. War das so etwas wie ein Meilenstein in Ihrer Karriere?

Ja, das war ein sehr besonderer Moment in meinem Leben – und ist es immer noch. Es war damals nach 16 Jahren das erste Mal, dass der Weltmeistertitel wieder nach Österreich ging. Es war ein großer Erfolg. Auf der anderen Seite war mir bewusst, dass ich immer an den aktuellen Kunden und deren Zufriedenheit gemessen werde. Die Erwartungshaltung war nach dem Weltmeistertitel natürlich noch größer. Das ist die tägliche Herausforderung und auch das, was mir Freude an diesem Beruf macht.

 

„Frisurenmode Leitner“ ist ein Familienunternehmen in dritter Generation. Würden Sie sich wünschen, dass Ihr Sohn auch einmal den Betrieb übernimmt?

Mein Sohn wird acht Jahre und kann sich im Moment vorstellen, alles zu werden – Friseur ebenso wie Feuerwehrmann. Wobei er handwerklich sehr begabt ist, das sieht man jetzt schon. Er darf das Unternehmen später gern einmal übernehmen, muss aber nicht.

 

Was ist für Sie das schönste Kompliment, das Sie von einer Kundin bzw. einem Kunden bekommen können?

Das Schönste ist für mich, wenn ich sehe, wie eine Kundin strahlt und sich selbst gefällt. Mir ist auch sehr wichtig, dass sie daheim selbst gut mit ihrer Frisur zurechtkommt. Das Ergebnis beim Friseur ist immer nur eine Momentaufnahme, die gut ist, weil sie ein Profi gemacht hat.

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Was eine gute Friseurin ausmacht? Handwerkliches Können und ein Gespür für Menschen – findet Gudrun Leitner. (© Mathias Lauringer – Studio 365)

Was macht für Sie eine gute Friseurin aus?

Eine gute Friseurin vereint handwerkliches Können, das Gespür für Menschen und Kommunikationstalent. Sie sollte den Kunden ins Herz schauen und erkennen können, was sie wirklich brauchen. Natürlich muss man in unserem Beruf auch gern mit Menschen arbeiten, und das eigene Erscheinungsbild muss einem wichtig sein. Wobei ich ohnehin keine Friseurin kenne, die keinen Wert auf ihr Äußeres legt (lacht).

 

Wie wichtig sind Frisurentrends? Oder haben die meisten Kundinnen ohnehin ihren Schnitt samt Farbe, den sie bevorzugen?

Trends sind grundsätzlich Zeitgeist und wichtig. Die Kunst ist allerdings, Trends in die Persönlichkeit der Trägerin einfließen zu lassen. Ihr nichts aufzusetzen, sondern neue Farben oder Schnitttechniken auf sie abzustimmen. Außerdem muss man auf den Haarwuchs und die Qualität der Haare achten. Mit feinen oder extrem vielen Haaren lassen sich nicht alle Frisuren realisieren – oder zumindest nicht so, dass die Kundin dann damit zufrieden ist. Meine Erfahrung ist, dass eine Frau keine großen Experimente mehr eingeht, wenn sie erst mal ihren Stil und ihre persönliche Traum- und Wohlfühlfrisur gefunden hat.

 

Ihre Lehrlinge zählen zu den besten in Österreich und sind bei den Nachwuchswettbewerben Jahr für Jahr ganz vorne dabei. Warum ist Ihnen die Nachwuchsarbeit so wichtig?

Lehrlinge sind die Zukunft unseres Berufes. Mir ist wichtig, Talente auszubilden, die mir in 20 Jahren einmal die Haare machen können (lacht). Die Teilnahme an Lehrlingswettbewerben ist insofern eine gute Erfahrung, weil es eine schöne Motivation für die jungen Leute ist, wenn sie sehen, wie gut sie sind. Ich habe selbst viel Erfahrung, was Wettbewerbe und Shows betrifft, und darum bereite ich sie gern persönlich darauf vor, gebe ihnen Tipps und Tricks. Natürlich macht es mich selbst auch sehr stolz. Bei den Shows bin ich genauso nervös und aufgeregt wie früher, ich habe Herzklopfen und Gänsehaut, wenn meine Schützlinge frisieren. Und wenn sie am Ende dann am Stockerl stehen, kann es schon sein, dass ich die eine oder andere Freudenträne verdrücke.

 

Stichwort Digitalisierung: Friseurin scheint ein krisensicherer Job zu sein ...

Das sehe ich auch so. Es ist ein Handwerk mit persönlicher Dienstleistung, die weder ein Computer noch eine Maschine übernehmen kann. In Zeiten der Digitalisierung wird es meiner Meinung nach noch wichtiger, dass es uns gibt. Weil eben die zwischenmenschliche Ebene nicht fehlt. Wir unterhalten uns mit unseren Kunden, wir berühren sie, wir gehen individuell auf sie ein. Das alles kann eine Maschine niemals ersetzen.

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