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People | 29.01.2018

Der Whisky-Brenner aus dem Mühlviertel

Peter Affenzeller hat vor acht Jahren damit begonnen, in seiner Heimatgemeinde Alberndorf im Mühlviertel Whisky herzustellen. Sämtlichen Unkenrufen aus seinem Bekanntenkreis zum Trotz. Heute blickt er auf eine Erfolgsgeschichte zurück, wie sie nur das Leben selbst schreiben kann. Peter Affenzeller im Gespräch mit dem OBERÖSTERREICHER (seit 19. Jänner im Zeitschriftenhandel erhältlich).

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"Mr. Wisky" Peter Affenzeller (© Ines Thomsen)

Perfektes Getreide und bestes Wasser: Dass das Mühlviertel ideale Voraussetzungen für die Herstellung von Whisky bietet, hat Peter Affenzeller schon vor acht Jahren erkannt – und sich kurzerhand entschlossen, die edle Spirituose am elterlichen Bauernhof selbst zu brennen. Sein Fleiß habe dabei immer sein Talent übertroffen, sagt der 31-Jährige. Die Entscheidung, seinen Job bei einem großen Unternehmen aufzugeben und eine Firma zu gründen, obwohl er noch keine Umsätze erzielt hatte, war mutig. Doch eben dieser Mut wurde belohnt. Heute wird sein Whisky in Bars auf der ganzen Welt getrunken. Und was ihm mindestens genauso wichtig ist: Peter Affenzeller bekommt mittlerweile auch Anerkennung von jenen Menschen, die ihn und sein Vorhaben anfangs belächelt haben.

 

Whisky aus Österreich, genauer gesagt aus dem Mühlviertel, ist nicht unbedingt naheliegend. Warum passt das für Sie trotzdem gut zusammen?

Ja, Whisky ist nicht gerade typisch für unser Land, allerdings bietet das Mühlviertel die besten Voraussetzungen dafür. Wir haben hier perfektes Getreide und das beste Wasser, beides benötigt man für die Herstellung dieser edlen Spirituose. Es war immer mein Ziel und ist auch ein wichtiger Teil unserer Philosophie, die Rohstoffe aus der Region zu beziehen. Ich schätze meine Heimat sehr und darum wollte ich auch versuchen, das Getreide, das hier wächst, in seiner reinsten Form zu veredeln. Und das ist am Ende Whisky.

 

Wenn man Sie sieht, würde man Sie auf den ersten Blick nicht gerade mit Whisky in Verbindung bringen. Wer steckt hinter der Marke „Peter Affenzeller“?

(lacht) Ich würde sagen: ein Naturbursch, der seine Wurzeln kennt und schätzt. Ich bin 31 Jahre alt und lebe im schönen Alberndorf, wo ich auch aufgewachsen bin. Vor acht Jahren habe ich beschlossen, meine Idee – Whisky aus dem Mühlviertel – zu verwirklichen und eine eigene Firma zu gründen. Dieser Schritt war mit einem großen Risiko und vielen Hürden verbunden. Und darum bin ich sehr stolz darauf, was daraus geworden ist und dass ich heute hier sitzen darf.

 

Was war rückblickend die größte Herausforderung?

Das war zum einen sicher das Finanzielle. Ich war bei vier Banken, bevor ich einen Kredit bekommen habe, und meine Eltern mussten für mich bürgen. Auf der anderen Seite war ich mit der Tatsache konfrontiert, dass mir fast alle Freunde und Bekannte von meinem Vorhaben abgeraten und es mir sogar ausgeredet haben. Speziell in der Region wurde ich anfangs von vielen belächelt. Dann habe ich meinen damaligen Job gekündigt, obwohl ich noch keine Umsätze erzielt hatte. Aber vielleicht war es gerade dieses bissl Leichtsinn gepaart mit meiner unbändigen Leidenschaft, etwas schaffen zu wollen, das mir geholfen hat. Ich habe mir die Anerkennung jedenfalls hart erkämpfen müssen.

 

Wollten Sie schon immer Unternehmer werden?

Ich kann mich erinnern, dass ich schon als Kind die Straße bei uns daheim abgesperrt und selbst gesammelte Steine verkauft habe. Die Autos durften nur dann weiterfahren, wenn sie mir etwas abgekauft haben. Das habe ich gemacht, bis mir meine Eltern gesagt haben, dass das so nicht ginge (lacht). Ich war immer auf der Suche nach etwas Speziellem und wollte in meinem Leben etwas schaffen. Das Feuer in mir, ein Unternehmen aufzubauen, hatte ich schon immer. Und es ist ständig mit mir mitgewachsen. Ich liebe zum Beispiel Zitate von erfolgreichen Menschen und habe mich viel damit beschäftigt, warum es Menschen gibt, die es schaffen, erfolgreich zu sein, und andere eben nicht.

 

Gibt es ein Zitat, das Ihr Leben und Handeln beschreibt?

Ich habe ein Zitat, das mich tatsächlich schon sehr lange begleitet: „Träume, was du träumen möchtest; gehe, wohin du gehen möchtest; sei, wer du sein möchtest. Denn du hast nur ein Leben und eine Chance, die Dinge zu tun, die du tun möchtest.“ Es bedeutet für mich, dass jeder für sich selbst entscheiden kann, was er aus seinem Leben macht. Ich war in der Schule nie der Beste, habe auch nicht studiert und bin sicher nicht der beste Feinschmecker. Doch mein Fleiß hat mein Talent immer übertroffen. Darum habe ich konsequent daran festgehalten und sehr viel daran gearbeitet. Ich bin noch immer jeden Tag der erste, der in der Firma ist, und der letzte, der sie am Abend wieder verlässt. Ich denke positiv und bin für jeden Tag dankbar, an dem ich gesund bin und arbeiten darf.

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© Ines Thomsen

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Erfolg?

Erfolg ist mir wichtig, weil mich das – wie vorhin erwähnt – schon sehr früh fasziniert hat und ich mich auch sehr intensiv damit auseinander gesetzt habe. Der Spruch „Von nichts kommt nichts!“ ist sehr treffend und darum war ich immer fleißig. Aber ich bin auch bescheiden geblieben. Jeder Euro, den wir umsetzen, wird wieder in den Betrieb investiert. Das Unternehmen hat sich langsam und gesund entwickelt. Wir haben jeden Schritt wohl überlegt und werden das auch weiterhin so handhaben. Die Erfolge freuen mich natürlich, aber wir wollen ein erdiger, solider und bodenständiger Betrieb bleiben.

 

Hatten Sie einen Plan B für den Fall, dass Ihre Idee mit der Whisky-Produktion nicht aufgegangen wäre?

Nein, ich hatte keinen Plan B, weil ich einfach so von meiner Idee überzeugt war. Als ich dann die erste Auszeichnung für meinen Whisky bekommen habe, hat das meine Leidenschaft noch mehr entfacht und ich habe jeden Kurs belegt und jedes Buch zu diesem Thema gelesen, um mein Wissen immer weiter zu vertiefen.

 

Sie haben anfangs davon gesprochen, dass Sie das Mühlviertel sehr schätzen. Woher kommt diese Heimatverbundenheit?

Ich bin hier in Alberndorf aufgewachsen und spüre schon immer eine starke Verwurzelung. Seitdem ich mich selbstständig gemacht habe, bin ich sehr viel unterwegs – auch in Großstädten – und seitdem genieße ich dieses Heimkommen noch viel mehr. Meinen Heimatort Alberndorf verbinde ich mit Tradition und Bodenständigkeit, genau deshalb liebe ich diese Region. Ich mag die Menschen, deren Handschlagqualität und Leidenschaft zu ihrem Handwerk.

 

Ist Ihnen deshalb auch wichtig, die Wertschöpfung so regional wie möglich zu halten?

Natürlich! Dadurch dass ich die Qualität dieser oft kleineren Betriebe kenne und sehr schätze, ist mir auch wichtig, in mancher Form Vorbild zu sein und das vorzuleben. Bei all unseren Bauten sind bei der Auftragsvergabe fast zur Gänze Unternehmen aus der Region zum Zug gekommen. Das bietet viele Vorteile, zum Beispiel wenn man auf die Schnelle mal etwas braucht, das nicht eingeplant war. 

 

Ihre Whiskydestillerie ist mittlerweile auch ein wichtiger Arbeitgeber in der Region geworden. Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Mitarbeiter aus?

Ich bin sehr stolz darauf, dass unser Team mittlerweile zwölf Mitarbeiter umfasst, die – neben meinen Eltern und meiner Schwester – alle aus der Region kommen. Bei einem Vorstellungsgespräch ist mir Leidenschaft und dieses gewisse Funkeln in den Augen wichtiger als das Zeugnis. Es ist auch nicht wesentlich, ob jemand eben diesen Job gelernt hat oder nicht, weil ich ja selbst ein absoluter Quereinsteiger war. Wenn man etwas gern macht, dann macht man es auch gut. Davon bin ich überzeugt. Mir ist am wichtigsten, dass wir als Team agieren, Einzelkämpfer brauche ich nicht. Ich kann mit Stolz sagen, dass ich das beste Team habe, das ich mir vorstellen kann, und ich bin für jeden einzelnen sehr dankbar.

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Erfolgreicher Unternehmer und gleichzeitig bodenständiger Naturbursch: Peter Affenzeller. (© Ines Thomsen)

Wie kann man sich eine typische Arbeitswoche bei Ihnen vorstellen?

Bei mir ist jeder Tag anders, aber mindestens einen Tag pro Woche bin ich in der Produktion, um jeden Schritt genau mitverfolgen zu können und immer am aktuellen Stand zu sein. An den anderen Tagen bin ich sehr viel auf Verkostungen und Präsentationen unterwegs. Sofern Zeit bleibt, bin ich auch am Wochenende im Betrieb und unterstütze mein Team bei den Führungen und Verkostungen. Mir ist wichtig, immer alles zu wissen und jeden Bereich meiner Firma zu kennen.

 

Wobei Sie sich ja nicht nur auf die Herstellung von Whisky beschränken, oder?

Unser Unternehmen ist in mehrere Bereiche aufgeteilt. Das ist zum einen die Produktion von Whisky und seit 2014 auch die Linie „White Swan“ mit Gin. Ein wichtiger Bestandteil ist auch unsere Erlebniswelt mit Führungen und Verkostungen in der Destillerie sowie unsere Café Lounge mit Sonnenterrasse und die Veranstaltungslocation für Hochzeiten, Seminare und Events – einschließlich Zimmer zum Übernachten. Pro Jahr haben wir mittlerweile rund 25.000 Besucher.

 

Sie haben im Vorjahr einen Hubschrauberlandeplatz errichtet. Was hat es damit auf sich?

Die Frage, wofür wir einen Hubschrauberlandeplatz brauchen, höre ich oft (lacht). Diese Maßnahme hat damit zu tun, dass wir die Möglichkeiten für unsere Besucher ständig ausbauen möchten, und darum kann man uns jetzt auch mit dem Helikopter besuchen. Hierfür gibt es ein eigenes Paket mit Hin- und Rückflug von Wels, Gin-Tonic-Empfang, Führung und Verkostung im Betrieb sowie einer Jause in unserer Café Lounge. Voriges Jahr haben wir den Landeplatz auch für einen Kinderflugtag genützt, den wir mit der „Child and Family Foundation“ für 60 Kinder mit Beeinträchtigung aus dem nahe gelegenen Diakoniewerk veranstaltet haben. Das war ein schöner und emotionaler Tag für alle. Wir werden diese Aktion heuer auf jeden Fall wiederholen.

 

Ist Ihnen das wichtig, etwas von Ihrem Erfolg und auch Glück in Form von sozialem Engagement „zurückzugeben“?

Ja, das ist mir wichtig. Man verdient damit natürlich kein Geld, aber wenn man die Freude der Kinder und ihrer Eltern sieht – dieses Gefühl lässt sich mit Geld nicht aufwiegen. Wir haben voriges Jahr zudem eine „Sloe Gin“-Linie unter dem Namen „Pink Swan“ am Markt eingeführt. Diese steht im Zeichen von „Pink Ribbon“, dem weltweiten Symbol für Brustkrebs und dessen Früherkennung. Wir sind damit der erste Spirituosenhersteller der Welt, der eine leichte Spirituose auf den Markt gebracht hat und einen Teil des Erlöses jeder Flasche an die Krebshilfe spendet.

 

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Es gibt mittlerweile Pläne, unser Besucherzentrum zu erweitern und den Besuchern somit einen noch besseren Einblick in die Produktion geben zu können. Außerdem planen wir, das Produktsortiment kontinuierlich zu erweitern. Ich will ganz bestimmt nicht der größte Hersteller werden, aber ich will eine Einzigartigkeit schaffen, um das Mühlviertel langfristig und nachhaltig zu beleben. Wenn ich einmal alt bin, wäre es schön, dass – wenn man von Whisky spricht – meine Marke aus Österreich damit verbindet (lächelt).

 

Woher holen Sie sich Ihre Ideen? Was inspiriert Sie?

Die meisten Ideen fallen mir in der Nacht ein oder bei einem Glas Whisky. Das gönne ich mir zum Beispiel abends, wenn in der Firma Ruhe eingekehrt ist. Ich schreibe meine Ideen ständig auf und bespreche sie mit meinem Team. Viele Ideen werden umgesetzt, manche nicht, wobei ich keine davon abschreibe, sondern sie vielmehr nur auf Eis lege.

 

Und wobei können Sie am besten entspannen und neue Kraft tanken?

Meine Freizeit verbringe ich am liebsten in der Natur. Ich schätze unser schönes Österreich sehr und liebe die Seen ebenso wie die Berge. Dort hole ich mir Kraft und Inspiration für neue Projekte.

 

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