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People | 16.04.2018

Der Bio-Pionier

Christian Stadler ist das Urgestein der biologischen Landwirtschaft in Österreich. Mit dem kleinen Betrieb seiner Eltern begonnen, ist sein Biogemüse heute aus heimischen Supermärkten nicht mehr wegzudenken.

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Sympathischer (Um)Weltverbesserer: Christian Stadler (© MORGENTAU)

Seit über 30 Jahren setzt sich MORGENTAU-Gründer und Bio-Pionier Christian Stadler für gesunde Bio-Lebensmittel und nachhaltige Landwirtschaft ein. Mit den MORGENTAUGÄRTEN hat er 2015 noch eins draufgelegt und erfreut seitdem hunderte Hobby-Gärtner in Oberösterreich mit ihrem ganz eigenen Stückchen Erde. Der Biobauer über seine Berufung.

 

Im Jahre 1986 wurde der elterliche Betrieb zu einem der ersten biologischen Ackerbaubetriebe Österreichs umgestellt. Die 80er-Jahre und Bio – wie passt das zusammen?

Meine Eltern betrieben das Unternehmen noch konventionell, trotzdem waren sie sehr weitsichtig und erlaubten mir somit 1986 – da war ich gerade 18 Jahre alt –, die erste Hälfte des Hofes auf Bio umzustellen, ein Jahr später die zweite. Das war eine sehr bewegte Zeit, da Biolandbau damals noch nicht weit verbreitet war und in bäuerlichen Kreisen im Grunde sogar angefeindet wurde. Wir waren die Spinner! (lacht) Doch das motivierte mich eher ... Damals machten wir noch Ackerbau, das Gemüse kam erst 1993 dazu, und wir wurden der erste österreichische Betrieb, der Biogemüse an den Lebensmittelhandel lieferte. Beim Gemüseanbau haben wir nicht gleich alles richtig gemacht. Was wir aber richtig machten, war, dass wir von Anfang an nur beste Ware ausgeliefert haben. So kam es zum Markterfolg, der bis heute anhält. Begonnen mit 150 Tonnen Biogemüse, produzierten wir 2017 bereits 5.000 Tonnen. 

 

Wurde Ihnen die Liebe zum (Bio-)Gemüse in die Wiege gelegt oder hatten Sie als Kind andere Zukunftspläne?

Die Liebe zum Biogemüse nicht, die Liebe zur Landwirtschaft schon. Für meine Eltern war klar, dass ich Landwirt werden soll, für mich irgendwann dann auch. Das waren natürlich ganz andere Zeiten: Die Eltern haben den Ausbildungsweg vorgegeben, man hat gefolgt. Ich halte das aber für keinen Fehler, wenn man der jun­gen Generation zeigt, wie man sich auf eine Sache konzentriert und diese Sache richtig macht. Wie man sich dann als Erwachsener entscheidet, ist jedem selbst überlassen.

 

Mit „Morgentau Biogemüse“ sind Sie seit über 25 Jahren auf Erfolgskurs. Was bedeutet Bio für Sie?

Bio ist für mich der verantwortungsvolle und nachhaltige Anbau und Umgang mit Lebensmitteln von höchster Qualität und mit Top-Geschmack. Biobauern arbeiten mit der Natur – nicht gegen sie!

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Prof. Meinhard Lukas, Rektor der Johannes Kepler Universität, und Bio-Pionier Christian Stadler freuen sich über das in Österreich einzigartige Kooperationsprojekt MORGENTAUCAMPUS. (© MORGENTAU/J. Rahmanovic)

Sie beliefern Supermarktketten mit frischem Gemüse. In welchen Läden landen Ihre Produkte?

Ab dem Jahr 1995 haben wir praktisch an alle Supermarktketten Österreichs geliefert: an Meinl, Adeg, Konsum und Pfeiffer Uni Markt, auch an den Billa-Konzern – hier gab es aufgrund von „Ja! Natürlich“ eine Pause. Heute sind wir Österreichs größter Erzeuger, Verpacker und Vermarkter von Biogemüse und beliefern den österreichischen und deutschen Lebensmittelhandel, wie z.B. Spar, Billa, Merkur, MPreis, denn’s, Edeka. Wir liefern aber auch Saftgemüse an die Saftverarbeitung, wie z.B. „Hasenfit“, und haben eine Kooperation mit der Firma Leitner in Eferding, für die wir Biogemüse aufbereiten.

 

Der Biomarkt entwickelt sich sehr rasch. Wie schaffen Sie es, sich dieser Geschwindigkeit anzupassen?

Wir geben die Geschwindigkeit zum Teil vor! (lacht) Gerade was das Wurzelgemüse anbelangt, sind wir schon recht dynamisch und innovativ. Nicht die Branche hat nachgefragt, sondern wir haben einfach gut verkauft. Mit der Gemüsepackung holt sich der Kunde gleichzeitig ein Rezept mit ins Haus – so weiß der Konsument, welche tollen Möglichkeiten ihm das gerade gekaufte Gemüse bietet. Besonders unsere Raritäten kommen gut an – gerade die alten Sorten wollen wir „neu“ aufleben lassen.

 

2015 folgte Ihr nächster Clou: Das Urban-Farming-Projekt „MORGENTAUGÄRTEN“. Begonnen in Linz mit knapp 200 Hobby-Gärtnern, gibt es heute 15 Standorte, die insgesamt rund 600 Personen und deren Familien und Freunde mit selbst angepflanztem Biogemüse versorgen. Wie kam es zu der Idee?

Das Gemüse in die Stadt zu bringen und das Angebot zum Selbstgärtnern hatte ich schon lange im Kopf. Wir dachten lange Zeit, dass Linz zu klein sei, die Zahlen drei Jahre später haben uns aber eines Besseren gelehrt! Wir haben den richtigen Zeitpunkt erwischt, und ich bin optimistisch, dass noch mehr Menschen ihr eigenes Stückchen Land haben möchten. Viele sind der Meinung, dass das Anpflanzen, Pflegen und Ernten des eigenen Gemüses aufwendig und kompliziert ist. Wir nehmen die Hobbygärtner durch gemeinsame Einpflanztage und Gemüsesteckbriefe auf unserer Webseite an die Hand und nehmen ihnen die Zugangsangst.

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Mit den Morgentau­gärten startete Christian Stadler ein echtes Erfolgsprojekt. (© MORGENTAU)

Wie geht's heuer mit den MORGENTAUGÄRTEN weiter?

Wir haben jetzt einige Projekte, die parallel in Vorbereitung sind. Zum einen möchten wir unseren Kunden in einigen Jahren mehr als Sommergemüse anbieten und auch beispielsweise Wintergemüse anpflanzen. Zum anderen werden wir unseren Fokus noch mehr auf alte Sorten legen. Soeben haben wir in Graz zwei Standorte mit großem Erfolg eröffnet.

 

Und auch eine einzigartige Kooperation mit der Johannes Kepler Universität ist geplant.

Nahe des WIST-Heimes entsteht gemeinsam mit der Johannes Kepler Universität der sogenannte MORGENTAUCAMPUS, eine in Österreich in dieser Form einzigartige Kooperation mit einer Universität. Die Fläche steht grundsätzlich allen Interessenten zur Verfügung, die Universität bietet ihren Mitarbeitern und ihren Studierenden jedoch die Möglichkeit, direkt beim Arbeitsplatz bzw. am Studienort ihr eigenes Biogemüse anzubauen, zu genießen und zu ernten, und das mit garantiertem Ernteerfolg.

 

Begleitende Studien sind in Planung, die Freude aller Beteiligten über die Aufwertung des Universitätscampus ist groß. Bereits 2015/2016 waren die MORGENTAUGÄRTEN Gegenstand einer JKU-Studie über „Gemeinschaftsgärten in Oberösterreich“ unter Leitung von Dr. Andreas Hunger. Die 2016 präsentierte Studie bestätigte die hohe Zufriedenheit mit der Betreuung durch die MORGENTAU-Experten, der Qualität des Biogemüses und dem hohen Ernteerfolg.

 

Die schwere körperliche Arbeit beim Gemüseanbau verlangt doch sicherlich nach einem Ausgleich. Was machen Sie in Ihrer Freizeit? 

Ich habe kleine Kinder, mit denen ich gerne spazieren gehe. Natürlich bewege ich mich viel in der Natur: Wandern, Radfahren und Skifahren sind schöne Hobbys, die mich nach draußen bringen. Doch auch zu Konzerten gehe ich gerne, hin und wieder sieht man mich beim Stammtisch ... Ich bin schon ein geselliger Mensch! Ein weiteres großes Hobby von mir ist das Kochen, wobei ich sehr gerne experimentiere. Gib mir ein paar Zutaten in die Hand, und ich koche etwas daraus. Nach einem Rezept darf man mich anschließend aber nicht fragen! (lacht)