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People | 23.08.2016

"Beim Wachsen begleiten"

Die Linzer Fotografin Sigrid Rauchdobler (46) zeigt auf der 15. Architektur-Biennale Venedig, eine der weltweit wichtigsten Kunstausstellungen, ihre Werke. Ein Interview

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© Sigrid Rauchdobler privat

Sigrid Rauchdobler lebt ihren Traum: Schon als Kind wollte sie fotografieren. Nach ihrer Meisterprüfung 2008 machte sie sich selbständig und wurde eine der besten Architekturfotografinnen des Landes. „Geadelt“ wurde sie mit der Einladung zur Biennale Venedig.

 

Was bedeutet für Sie die Einladung zur Architektur-Biennale Venedig im prestigeträchtigen Palazzo Mora?

Eine sehr große Ehre und eine riesige Freude, dass man meine Bilder so wahrnimmt.

 

Österreich stellt sich im Pavillon dem Thema Flüchtlinge. Sie haben als Architekturfotografin mit einem Projekt zum leerstehenden Linzer Postverteilerzentrum teilgenommen, das später zum Flüchtlingsquartier wurde …

Das Thema der Ausstellung, bei der ich mitmache, ist „Time-Space-Existence“. Mit zwei Bildern habe ich den Wandel der Benützung der Räume verdeutlicht. Das hat perfekt zum Ausstellungsthema gepasst.

 

Sie nennen Ihr Projekt „Zwischenräume“. Was zeigen Ihre Bilder?

Die Bilder in Venedig haben den Titel „Changes“. Sie zeigen Räume im Zwischenstadium der Benutzungen vor dem Umbau. Für mich warten diese Räume auf etwas Neues, das Alte ist aber noch deutlich zu sehen.

 

Sie begleiteten u.a. den Bau des Linzer Musiktheaters fotografisch, die Schauspielhäuser Zürich und Basel, die voestalpine … – warum Ihre Vorliebe für Baustellen?

Baustellen haben keinen Stillstand so wie fertige Architektur. Es wohnt ihnen Kraft, Veränderung und eine gewisse Wildheit inne. Wenn man einen Bau wie das Musiktheater so lange begleitet, wird er einem sehr vertraut und man sieht schon jede kleinere Veränderung. Beim „Wachsen“ zu begleiten, ist für mich etwas Schönes.

 

Sie haben prägende Kindheitsjahre von 1979 bis 1981 in Algerien verbracht. Ihre Erinnerung?

Ich habe viele Erinnerungen, ich war ja schon elf Jahre, als wir wieder nach Hause gefahren sind. Das erste Mal, nach sehr langer Fahrt durch die Steinwüste, die Sandwüste zu sehen, die sich unendlich ausstreckt – unglaublich schön! Von März bis Oktober im Mittelmeer baden zu gehen, andererseits die Armut, kleine Mädchen, die Teppiche knüpfen, Kinder ohne Schuhe im Winter – wenn man einmal im nicht so reichen Ausland gelebt hat, weiß man, wie viel wir in Österreich haben.

 

Interessiert sich Ihre Tochter Selina (18) auch für Fotografie?

Selina hat schon Talent fürs Fotografieren, aber beruflich wird es sicher nicht in diese Richtung gehen.

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