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People | 12.12.2017

Alpha-Pussy

Sie sieht aus wie ein Engel, aber spricht nicht wie einer. Ausgestattet mit scharfer Zunge und lockerem Mundwerk, begeistert Carolin Kebekus unverblümt, respektlos, schonungslos und ordinär seit Jahren im TV und auf der Bühne. Die Kölner Kabarettistin im Talk.

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Carolin Kebekus. (© Axl Klein)

Ob die katholische Kirche, Schlagerstar Helene Fischer, Frauke Petry von der AfD oder die Ehefrau des US-Präsidenten, Melania Trump, vor Carolin Kebekus‘ bissigen Verarschungen und Verbal­attacken ist niemand sicher, der ihr nicht ins Konzept passt. Und genau dafür wird sie geliebt – oder gehasst. Immerhin gingen für ihr kirchenkritisches Musikvideo „Dunk dem Herrn“ zig Anzeigen gegen die 37-jährige Kabarettistin ein. Die Staatsanwaltschaft ermittelte und kam zu der Überzeugung, dass das Video unter die Kunstfreiheit fällt. Am 14. Dezember beehrt die erfolgreichste Komikerin Deutschlands die Tips­Arena in Linz, wir haben Carolin Kebekus vorab zum handzahmen Talk gebeten.

 

Wie würden Sie sich als Künstlerin jemandem beschreiben, der Sie und Ihre Programme noch nicht kennt?

Ich mache ganz klassischen Stand-up, und ich würde sagen, ich bin ein lustiger Mensch. Meine Programme sind definitiv laut und auch ein bisschen durchgeknallt!

 

Ihr Markenzeichen ist Ihre vulgäre Ausdrucksweise unter der Gürtellinie. Warum sind Witze über die Geschlechtsorgane, Sex und Furzen so lustig für die meisten?

Alles, was sich in der Hose abspielt und was jeder kennt, aber worüber niemand spricht, ist lustig. Das ist einfach so. Zeig mir jemanden auf der Welt, der einen Furz nicht lustig findet!

 

Sie sind nun seit bereits zwei Jahren mit „AlphaPussy“ unterwegs in Deutschland und Österreich. Warum, glauben Sie, ist das Programm so erfolgreich?

Schwer zu sagen. Vielleicht weil es auf der Bühne und nicht zuhause am Schreibtisch entstanden ist und ich wirklich sehr hart daran gearbeitet habe.

 

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© Frank Dicks WDR

Was möchten Sie den Menschen mitgeben, die sich Ihre Show anschauen?

Ich will die Leute in erster Linie zum Lachen bringen, dafür gebe ich alles. Bei mir sitzen aber auch so viele junge Mädchen, die mich mit großen Augen anschauen. Denen möchte ich auch ein paar Sachen in den Rucksack packen. Zum Beispiel, dass sie sich nicht kleinmachen sollen und sich im Leben nehmen, was sie wollen!

 

Im Pressetext zu „AlphaPussy“ ist zu lesen: „Carolin Kebekus steht für eine Generation, in der es für Frauen an der Zeit ist, sich nicht mehr hintenanzustellen, sondern ‚endlich den ganzen Bumms zu übernehmen‘ und so aufzutreten, wie es ihnen zusteht: als Alphapussy!“ Sehen Sie sich als Feministin?

Natürlich bin ich Feministin! Ich bin dafür, dass jeder Mensch gleich behandelt wird, da ist man automatisch Feminist.

 

Unter dem Hashtag „MeToo“ wird das Thema sexuelle Belästigung derzeit intensiv öffentlich-medial diskutiert. Wie lautet Ihre Meinung zu der Debatte?

Sexuelle Gewalt ist alltäglich und kein Problem, das erst jetzt plötzlich im Raum steht. Ich finde es gut, dass jetzt so viele Frauen ihre Erfahrungen mitteilen.

 

Versteht der Feminismus Spaß oder darf er nicht lustig sein?

Doch, das darf er. Bei mir ist auch der feministische Teil im Programm lustig, ich will gar nicht, dass es da irgendwie anklagend wird.

 

Sie machen sich auf der Bühne gerne über die rechtspopulistische Partei AfD lustig. Sehen Sie Ihren Beruf als Comedian als Mittel zur politischen Meinungsäußerung?

Ich finde es sehr wichtig, als Person, die in der Öffentlichkeit  steht, ein ganz klares Zeichen gegen Rechts zu setzen.

 

Wären Sie manchmal gern ein Mann?

Ich bin unheimlich gern eine Frau, ich kann mir gar nix anderes vorstellen. Auch, weil ich eben Männer liebe!

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© Frank Dicks WDR
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