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Lifestyle | 11.07.2017

Urlaub mit Hindernissen

Wer im Urlaub beziehungstechnisch nicht baden gehen möchte, sollte schon im Vorhinein individuelle Bedürfnisse abklären und sich bewusst machen, dass sich der Schalter von Alltag auf Urlaub nicht von einem Tag auf den anderen umlegen lässt – das sagt auch Diplom-Lebensberater Franz Landerl.

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© Shutterstock

Der Urlaub ist für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres. Damit verbunden sind oft hohe Erwartungen – was wiederum dafür sorgt, dass diese Wochen zu einer sehr konfliktträchtigen Zeit werden können. Wir haben mit dem diplomierten Lebensberater Franz Landerl gesprochen, wie sich individuelle Bedürfnisse unter einen Hut bringen lassen und warum auch ein Zuviel an Nähe nicht gut für die Beziehung im Urlaub ist.

 

Oft geht es bereits beim Einräumen der Koffer ins Auto mit den Streitereien los. Gefolgt von einer gereizten Stimmung während der Autofahrt. Bis man den Urlaubsort erreicht hat, sind Vorfreude und gute Stimmung längst weg. Woran liegt es, dass der Urlaub eine dermaßen konfliktträchtige Zeit ist?

Für mich hat es sehr viel damit zu tun, dass diese Zeit mit Erwartungen regelrecht überfrachtet wird. Und je größer die Erwartungen sind, umso größer ist naturgemäß auch das Risiko, enttäuscht zu werden. Besser wäre es, die eigenen Erwartungen zurückzuschrauben und sich vorzunehmen, einfach das zu genießen, was auf einen zukommt. Darum ist es meiner Meinung nach auch verkehrt, den Urlaub vom ersten bis zum letzten Tag durchzuplanen. Es ist weitaus entspannter, das zu machen, was einen dann vor Ort tatsächlich freut, und einfach mal im Hier und Jetzt zu leben. Man kann daheim durchaus einen groben Rahmen festlegen, aber alles andere würde wieder nur Stress verursachen. Der Urlaub ist eine ideale Zeit dafür, Gelassenheit neu zu entdecken. Und wenn man es schafft, ein bisschen von dieser Gelassenheit danach in den Alltag mitzunehmen, relativiert das vieles und erleichtert einem das Leben.

 

Viele Menschen arbeiten bis zur letzten Minute und ihnen fehlt die Zeit, sich ein bisschen auf den Urlaub einzustimmen und in Ruhe Reisevorbereitungen zu treffen. Wäre es besser, noch ein, zwei Tage daheim zu verbringen, bevor die Reise tatsächlich losgeht?

Natürlich wäre das ideal, allerdings zeigt die Erfahrung, dass sich das oftmals nicht ausgeht. In diesem Fall muss man sich bewusst machen, dass sich der Schalter von Arbeitsstress und Alltag nicht von einem Moment auf den anderen auf Urlaub und Entspannung umlegen lässt. Es braucht einfach ein bisschen Zeit, bis sich Körper und Geist auf die neue Situation einstellen und sich tatsächlich entspannen können.

 

Was kann man machen, wenn der eine gern am Strand liegt, während der andere lieber Sehenswürdigkeiten besichtigen möchte?

Grundsätzlich ist es wichtig, zu wissen, dass jeder Mensch unterschiedliche Bedürfnisse hat, was Ruhe und Entspannung betrifft. Und in einem gemeinsamen Urlaub sollten natürlich beide Partner auf ihre Kosten kommen. Eine wesentliche Rolle spielt daher die Kommunikation. Man sollte bereits im Vorfeld des Urlaubs besprechen, wer was braucht und wie man zum Beispiel Kompromisse finden kann. Außerdem muss es ja nicht so sein, dass man 24 Stunden am Tag aneinander klebt. Wenn der eine Frühaufsteher ist, spricht nichts dagegen, wenn er morgens schon mal ans Meer geht und einen Espresso trinkt, während der andere noch schläft. Und es ist wirklich wichtig, dass das „Urlaubsprogramm“ für beide passt. Wenn einer nur zurücksteckt und seine eigenen Bedürfnisse unterdrückt, steigt der Frust zusätzlich.

 

Nähe ist ein gutes Stichwort. Birgt auch ein Zuviel an Nähe – räumlich meist durch ein kleines Hotelzimmer verstärkt – Zündstoff?

Natürlich, weil die meisten Paare so viel Nähe gar nicht gewöhnt sind. Zu Hause gibt es den Job, die Kinder und Freizeitaktivitäten, sodass nicht viel Zeit für Zweisamkeit bleibt. Im Urlaub hat man sich plötzlich 24 Stunden am Tag. Da schadet es nicht, wenn man sich gegenseitig Freiräume lässt und auch mal alleine etwas macht. Zu glauben, man müsse jetzt jene Zeit nützen, die einem im Alltag zu Hause fehlt, ist nur bedingt richtig. Zu viel Nähe überfordert nicht selten den einen oder anderen – und dann geht dieser Schuss nach hinten los.

 

Umfragen zufolge geraten mehr als zwei Drittel aller Paare im Urlaub heftig aneinander. Jede dritte Scheidung wird angeblich nach einem Urlaub eingereicht. Hat das auch damit zu tun, dass man bereits bestehende Konflikte mit in den Urlaub nimmt?

Gibt es bereits Konflikte, bleiben diese im Urlaub natürlich auch bestehen. Latent sind sie ständig da und manchmal reichen dann Banalitäten, um einen Streit eskalieren zu lassen. Wenn es möglich ist, sollte man bestehende Konfliktthemen noch vor dem Urlaub besprechen und idealerweise klären.

 

Wenn man mit Kindern auf Urlaub fährt: Was sollte man als Eltern unbedingt beachten?

Ab einem gewissen Alter macht es Sinn, sie in die Planung miteinzubinden. Das schützt vor einem bösen Erwachen am Urlaubsort. Kinder sind im Urlaub natürlich da – im Gegensatz zum Alltag, wenn sie in die Schule oder den Kindergarten gehen – und wollen auch beschäftigt werden. Man kann durchaus einmal das Kinderanimationsprogramm eines Hotels nützen, sofern es eines gibt. Aber Eltern sollten ihre Kinder keinesfalls ständig dorthin „abschieben“ und sie müssen auch nicht selbst zum Animateur mutieren. Denn: Kindern darf auch langweilig sein. Es darf auch einmal nichts auf dem Programm stehen, ohne dass Mama und Papa das begründen müssen. Wenn ständig etwas passiert, können sie nie lernen, wie sich Ruhe definiert und wie sich dieser Unterschied anfühlt. Möchte man gern etwas mit ihnen unternehmen und auch Sightseeing machen, hilft es oft, Anreize zu schaffen, damit sie dabei sein möchten. Meine Enkelin interessiert sich zum Beispiel nicht für Museen, doch das Geigen-Museum hat sie sich sehr gern angesehen, weil sie selbst Violine spielt.  


Mag. Franz Landerl, Dipl. Lebensberater

Rhemastraße 10

4502 St. Marien

E-Mail: [email protected]

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