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Lifestyle | 11.09.2017

Die Seele Argentiniens im Mühlviertel

Von Argentinien nach Allerheiligen: Der Tango der Liebe hat Erika Hartl auf ein Pferdegestüt nach Oberösterreich geführt. Hier gründete die temperamentvolle Lateinamerikanerin nicht nur eine Familie, sondern vor zwei Jahren das Label „Alma Argentina“, um die Menschen mit Bio-Wein und Bio-Olivenöl aus ihrem Geburtsland glücklich zu machen.

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Erika Hartl verkörpert in „Alma Argentina“ die Sinnlichkeit und Leidenschaft ihres Geburtslandes. (© Richard Haidinger)

So wie Che Guevara, Lionel Messi, Papst Franziskus, Diego Maradona und Eva Perón stammt Erika Hartl aus einem Land, das bekannt ist für leidenschaftlichen Tango, feuriges Temperament und die Ursprünglichkeit der Natur. Aufgewachsen im argentinischen Córdoba lockte es die Sprachstudentin bald hinaus in die weite Welt – noch nicht ahnend, dass Amors Pfeil sie auf ei­ner Baumaschinenmesse in Deutschland
tref­fen würde und die attraktive Señora auf einen wunderbaren, 500 Jahre alten Hof in der Nähe von Allerheiligen im Mühlkreis führen sollte. Umgeben vom satten Grün der Hügel, einem Dutzend edler Trakehner-Pferden, Hund und Katze, widmet sich die glückliche Mutter von zwei Töchtern inzwischen gemeinsam mit ihrem Mann der Pferdezucht und seit 2015 ihrem „Baby“ Alma Argentina. Die OBERÖSTERREICHERIN sprach mit der sympathischen Latina über Weine mit Schokoladenaroma und die Nützlich­keit von Schafen, die genüsslich unter Weinreben grasen.

 

Was bedeutet „Alma Argentina“?

Alma Argentina bedeutet „die Seele Argentiniens“.

 

Sie vertreiben unter diesem Namen Bio-Weine aus Ihrem Heimatland Argentinien. Was hat Sie dazu motiviert?

Ich habe das Glück, in Argentinien geboren zu sein und in Österreich zu le­ben. Ich war immer auf der Suche nach etwas „Besonderem“, das meine zwei Heimaten verbinden könnte. Mit dem Einstieg in die Welt der Weine und der Gründung mei­ner Firma habe ich die perfekte Brücke zwischen den beiden Welten gefunden: Ich kann Österreich durch meine Weine und Öle einen Teil der Kultur, der Leidenschaft der Menschen und der Ursprünglichkeit der Natur meines Geburtslandes vorstellen und näherbringen. Andersrum unterstütze ich damit wertvolle Fair Trade-Projekte für die Verbesserung der Lebensqualität und Zukunftsmöglichkei­ten von über 500 Familien in der Region Famatina.

 

Sind Sie in Argentinien in einem Weinbaugebiet aufgewachsen...

Ich bin in der Stadt Córdoba aufgewachsen, aber immer im engen Kontakt zur Natur. Zu den Weinen kam ich letztendlich vor einigen Jahren durch enge Freunde, die in Famatina Wein anbauen.

 

Das Famatina Valley bzw. Antinaco Valley auf 900 bis 1.400 Metern Seehöhe zählt zu den höchsten Anbaugebieten der Welt. Wie wirken sich die klimatischen Bedingungen auf den Geschmack aus?

Die Höhenlage, in der die Weinstöcke bzw. Olivenbäume gedeihen, ist von großem Vorteil: Die reine Luft, die kargen Böden, gespeist von glas­klarem Gebirgswasser, und die vie­len Son­nenstunden tragen dazu bei, dass die Früchte in voller Pracht rei­fen können. Das Wüstenklima bie­tet tagsüber genug Wärme und Sonne, um dickschalige Trauben ausrei­fen zu lassen. Nachts sinken die Temperaturen, was die Säure bewahrt. Diese Weine schmecken kräftiger und enthalten viel mehr Aromaverbindungen. Dazu kommt, dass Schädlinge auf dieser See­höhe schwer überleben können und man fast von Natur aus biologische Weine be­kommt.

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Den schickt wohl der Himmel: Der Hof ist mit einem großen Wein- und Erdkeller ausgestattet. (© Richard Haidinger)

 

Argentinien produziert rund 80 Prozent Rotwein. Der größte Teil entfällt auf die Sorte Malbec. Wird dieser Wein, der zwölf Monate in französischer Eiche reift und das Aroma von Früchten, Vanille und dunkler Schokolade in sich vereint, auch von Oberösterreichern am stärksten nachgefragt?

Argentiniens wichtigste Traube, Malbec, ist anderswo kaum vertreten. In ihrer Ursprungsheimat Frankreich reift sie nicht gut aus, weshalb sie weder dort noch anderswo viel angebaut wird. Die weiße Torrontés-Traube stammt von europä­ischen Sorten ab, hat selbst aber keine Wurzeln in der Alten Welt. Beide Sorten sind hier somit Raritäten und bei unseren Kunden gleichermaßen gefragt und geliebt. Das jüngere Publikum bevorzugt eher die ALMA-Serie, welche leicht, frisch und günstig ist. Weine für jeden Tag und Anlass. Als besonderes Highlight gilt sicherlich der Rosé, welchen wir aus den Malbec-Trauben gewinnen und der für argentini­sche Verhältnisse farblich sehr hell und erfrischend erscheint. Er etablier­te sich in Österreich sehr gut in sommerlichen Gastrotreffs, wie der Linzer Sandburg, als beliebter Szenewein für laue Abendstunden. Die Reserve-Linie, welche in französischen Eichenfässern gereift ist und hieraus mit etwas schwererem und intensiverem Aroma ausgestattet ist, gilt bei eher älteren Weinliebhabern und für besondere Anlässe als sehr beliebt.

 

Ist es Zufall, dass sich Schafe unter den Weinreben tummeln?

Anstatt chemische Produkte zu verwenden, benutzen wir in den Wein- bzw. Olivengärten ausschließlich biologischen Dünger, auch beispielsweise erzeugt von freien Schafen, welche unter den Weinreben grasen und dabei den Unter­grund pflegen. Diese Schafe werden selbst wiederum nur biologisch gefüttert und ihre Wolle wird als Bio-Wolle weiterver­kauft bzw. -verarbeitet. So ist der gesamte Zyklus ein umweltfreundlicher und 100 Prozent Bio. Die gesamte Region gilt als Vorreiter und Pionier in Argentinien.

 

Wie groß ist Ihr Sortiment an Bio-Weinen und Bio-Olivenöl?

Wir bieten sechs verschiedene Weine an – alle auf der Basis von zwei typi­schen argentinischen Weinreben: Malbec und Torrontés. Davon sind drei in Bio und FT, also in Fair Trade-Qualität, erhältlich. Zwei weitere als Reserve. Wir wollten heuer auch unser Spektrum etwas vergrößern und haben eine Limited Edition 2012 von der Sorte „Syrah“ in unserem Sortiment hinzugefügt. Unser Bio-Oli­venöl „Extra Virgin” und FT ist eine Zusammenstellung der Sorten „Arauco“ und „Manzanilla”. Unser Olivenöl erwarb 2010 den BIOL Award in Italien und gewann die wichtigsten Wettbewerbe in Mendoza, Argentinien.

 

Wo sind die Produkte erhältlich?

Die meisten unserer Kunden bestel­len direkt bei uns über unseren Online-Shop. Unsere Produkte sind aber auch in ausgesuchten Lokalen in Österreich und im benachbarten Ausland zu finden.

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Sechs Sorten im Sortiment: alle auf Basis von Malbec und Torrontés, zwei typische argentinische Weinreben. (© Richard Haidinger)

Führen Sie hier im Mühlviertel auch Weinverkostungen durch?

Weinverkostungen führen wir gerne nach Vereinbarung durch. Kombiniert mit argentinischen Köstlichkeiten, wird es dann ein unvergessliches Erlebnis, mit der Möglichkeit, gleich ab Hof einzukaufen.

 

Argentinien ist das Land des Tangos und des Fußballs. Was vermissen Sie daran?

An erster Stelle vermisse ich natürlich Familie und Freunde. Zum Glück besuchen wir uns oft gegenseitig. Ich bin stolz auf meine Heimat Argentinien und glücklich, Österreich als zweite Heimat in mein Herz geschlossen zu haben. Ich habe in meiner Familie deutsche Vorfahren, die Kultur und Sprache waren für mich nie fremd. Das sonnige Wetter und die endlosen Landschaften liegen mir auch am Herzen. Der Tango und der Fußball gehen mir weniger ab.

 

Wie oft sehen Sie Ihre Angehörigen?

Ich habe das Glück, dass ich meine Familie regelmäßig sehen kann. Ich reise mit meinen Kindern mindestens ein- bis zweimal im Jahr nach Argentinien, meistens zu Weihnachten und zur Ferienzeit. Auf die Kultur und die spanische Sprache legen wir auch großen Wert. Ich nutze jede Möglichkeit aus, um die Region und das Weingut zu besuchen, woher unsere Weine stammen. Familie und Freunde kommen oft und regelmäßig zu uns zu Besuch, was uns natürlich auch immer eine große Freude macht.

 

Über welches Mühlviertler Wort müssen Sie lachen?

Es gibt nicht „ein Wort“, sondern der Dialekt selbst ist manchmal eine Herausforderung für mich. Am lustigsten ist es, wenn meine Töchter Mühlviertler Redewendungen benutzen, „das“ kommt mir oft Spanisch vor (lacht).

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