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Lifestyle | 17.06.2015

Der gemeinsame Sex-Nenner

Schlechter Sex kann das Aus für eine Beziehung bedeuten. Oder sie entsteht erst gar nicht. „Wir sind halt nicht sexuell kompatibel“, lautet das meist beidseitige Einverständnis. Aber kann man nicht sexuell kompatibel werden? Das und vieles mehr verrät (S)Expertin Susa Haberfellner.

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Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle bei der sexuellen Kompatibilität. (© Shutterstock)

Das Erste, auf das ich bei einem Mann schaue, sind seine Hände. Sie spiegeln wider, wie er im Leben und im Bett ist.“ „Er muss einen perfekten Körper haben, dann weiß ich, dass wir sexuell harmonieren.“ „Die Art und Weise, wie er sich bewegt und tanzt, sagt viel darüber aus, wie er im Bett ist.“ „Um das Sexpotential eines Mannes zu testen, genügt mir ein Zungenkuss.“ … Jede Frau macht sich beim Kennenlernen eines interessanten Mannes Gedanken darüber, wie der Sex mit ihm wohl sein mag. Hundertprozentig verlässliche Kriterien gibt es allerdings nicht, die „frau“ schon im Vorfeld verraten, ob es mit einem Flirt auch im Bett passen wird. Was Sexualberaterin Susa Haberfellner zum Thema zu sagen hat, lesen Sie hier.

 

Was genau ist sexuelle Kompatibilität? Warum funktioniert es mit einem Partner im Bett so gut, während der
Sex mit einem anderen einfach nur schlecht ist? 

Erregung, Partnerwahl und Lust werden von verschiedenen Faktoren bestimmt, die im besten Fall den Weg zu vielen Möglichkeiten der Erfüllung ebnen. Die Lust auf Sex ist die Sehnsucht nach einer inneren Sensation. Um die auch finden und erleben zu können, braucht man selbst die Fähigkeit zur Wahrnehmung der eigenen Lust, Körperbewusstsein, Gestaltungskompetenz und mehr. Die menschliche Libido ist individuell – im Prinzip kann nahezu alles erregen. Das Hauptproblem unserer Tage ist, dass die meisten Menschen nach wie vor davon ausgehen, dass man eine unveränderbare, angeborene Sexualität hat und nur einen Partner, der dazu passt, finden muss. Sexualität ist aber einer Entwicklung unterworfen und man kann sich weiterbilden! Auch die Anziehungscodes, welche die Lust auf bestimmte Partner schüren, wandeln sich oftmals im Lauf der Zeit. 

 

Wenn der Sex nicht so toll ist, muss deshalb die Beziehung scheitern?

Da stellt sich die Frage: Was ist eigentlich toller Sex? Es gibt unzählige Bücher und Internetseiten, die sich mit dem Thema befassen und noch nie war Sexualität ein solch (scheinbar!) offen diskutiertes Thema. Zudem werden noch sämtliche denkbare und (beinahe) undenkbare Spielarten körperlicher Liebe verbildlicht. Der „Sex Overflow“ verunsichert mehr, als er nützt. Guter Sex ist vielmehr etwas, was jedes Paar für sich gemeinsam erleben und erarbeiten kann und muss. Ganz individuelle Aspekte auf der körperlichen, emotionalen und mentalen Ebene haben Einfluss auf das eigene sexuelle Erleben.

 

Hängt guter Sex auch mit anatomischen Faktoren zusammen oder ist dafür „bloß“ eine starke körperliche Anziehung ausreichend?

Die körperliche Anziehung ist schon eine gute Voraussetzung, sich überhaupt auf Sex einlassen zu wollen. Was die anatomischen Faktoren betrifft, zeigen folgende Fragen die häufige Verunsicherung, ob der eigene Körper „richtig funktioniert“: Ist mein Penis lang oder dick genug, um eine Frau befriedigen zu können? Ist meine Scheide zu eng? Oder kann es sein, dass die Scheide zu weit ist, sodass der Mann beim Geschlechtsverkehr nichts mehr spürt? Kann ich mich enger operieren lassen? Manche Frauen kommen, beispielsweise nach den Geburten oder später im Alter, tatsächlich auf den Gedanken, ihre Vagina chirurgisch verkleinern zu lassen, weil ihre Partner behaupten, beim Sex nichts mehr zu spüren. Das Gefühl der „Weite“, ein oft erwähntes Phänomen, ist aber in fast allen Fällen auf eine schwache Beckenbodenmuskulatur zurückzuführen. Und die gute Nachricht lautet: Die kann man trainieren. An- und Entspannungsübungen können helfen, Muskeln aufzubauen und mehr zu spüren. Nicht auszudenken, was für einen Schaden eine entsprechende Operation der Vagina anrichten könnte, wenn man die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse über vaginal-klitorale Verbindungen zugrunde legt. 

 

Wenn man im Bett nicht kompatibel ist, kann man es werden?

Nicht immer sind Partner von den gleichen Beweggründen motiviert, wenn sie zueinanderfinden und Sex miteinander haben wollen. Oft wird eine stille, unausgesprochene Übereinstimmung als selbstverständlich vorausgesetzt, ohne dass offen darüber gesprochen wird. Das führt oft zu Missverständnissen und Unzufriedenheit: beispielsweise wenn ein Partner Sex will, weil er Nähe, Geborgenheit und Verschmelzung erleben möchte und der andere, weil er sich körperlich erregt fühlt und eine entspannende Entladung sucht. Sich darüber im Klaren zu sein und vor allem zu berücksichtigen, dass der Partner vielleicht anders „tickt“ als man selbst, kann uns viel Frust und Enttäuschungen ersparen. In einer gut funktionierenden Partnerschaft können sich die Partner flexibel aufeinander einlassen, auch wenn die Beweggründe unterschiedlich sind und nicht immer den eigenen Vorstellungen entsprechen.

                                                       

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